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Depressionen – wenn es in der Seele dunkler wird

Wie Sie eine Depression erkennen, was dagegen hilft und wo Sie Hilfe finden.

Depressionen – wenn es in der Seele dunkler wird

Wie Sie eine Depression erkennen, was dagegen hilft und wo Sie Hilfe finden.

Morgens auf dem Weg zur Arbeit ist es noch dunkel, und auf dem Heimweg hat sich das Tageslicht auch schon wieder verabschiedet. Es ist kalt, nass, neblig – Herbst und Winter sind nicht gerade die Stimmungsmacher unter den Jahreszeiten. Haben Sie dann manchmal auch das Gefühl, dass nichts mehr Freude macht, und das Bedürfnis sich den ganzen Tag zurückzuziehen und im Bett zu bleiben? Oder einfach eine miese Stimmung ohne Grund? All diese Symptome können im Laufe des Lebens immer mal für kurze Zeit auftreten – das ist ganz normal. Unsere französischen Nachbarn haben uns den Begriff „Flemm“ für diesen Zustand geschenkt. Andere nennen ihn „Blues“ oder den „verrutschten Bauchnabel“. Doch was ist, wenn diese Stimmung wochenlang anhält oder wenn Sie das Gefühl haben, sich nicht mehr daraus befreien zu können? Dies könnten Hinweise auf eine ernste psychische Erkrankung, eine Depression, sein.

Depression kann jeden treffen!

In Deutschland leiden rund vier Millionen Menschen an einer Depression. Obwohl Depressionen sehr häufige psychische Erkrankungen sind, werden sie in der Öffentlichkeit wenig wahrgenommen und oft missverstanden. Depression ist kein Ausdruck persönlichen Versagens, sondern eine Erkrankung, die jeden treffen kann. Und zwar völlig unabhängig von Beruf, Alter und sozialem Stand. Statistisch betrachtet, erkrankt jeder Fünfte in Deutschland einmal im Leben an einer Depression – Frauen doppelt so häufig wie Männer. Leichte depressive Verstimmungen bis hin zu schweren depressiven Störungen gehören auch zu den häufigsten psychischen Erkrankungen bei Kindern und Jugendlichen. Im Vorschulalter sind circa ein Prozent der Kinder und im Grundschulalter etwa zwei Prozent betroffen. Aktuell erkranken etwa drei bis zehn Prozent aller Jugendlichen zwischen 12 und 17 Jahren an einer Depression. Die Krankheit Depression gehört neben demenziellen Erkrankungen auch zu den häufigsten psychischen Erkrankungen im höheren Lebensalter.

Die Gesichter der Depression – mehr als „die Flemm“

Das Spektrum dieser psychischen Krankheit reicht von leichten, saisonal auftretenden Depressionen bis hin zu schweren Depressionen, die von Hoffnungslosigkeit und Selbsttötungsgedanken begleitet sein können. Es kann eine einmalige Phase oder es können mehrere Phasen sein. Bei manchen Menschen ist die Depression eher schwach ausgeprägt, allerdings bleibt die bedrückte pessimistische Stimmung ohne Behandlung jahrelang bestehen. Depressionen äußern sich vor allem in Antriebslosigkeit und Interessenverlust. Die folgenden Symptome können Hinweise auf Depressionen sein, wenn sie längerfristig und gehäuft auftreten:

• Niedergeschlagenheit, Schwermut oder Hoffnungslosigkeit
• Schwierigkeiten ein- oder durchzuschlafen oder vermehrter Schlaf
• Müdigkeit oder ein Gefühl, keine Energie zu haben
• Verminderter Appetit oder übermäßiges Bedürfnis zu essen
• Schlechte Meinung von sich selbst und wenig Selbstvertrauen
• Schwierigkeiten, sich auf etwas zu konzentrieren
• Gedanken und Grübeln über Sorgen bis hin zu Selbstmordgedanken

Manchmal ist die Depression nur schwer von einer alltäglichen Verstimmung oder einer Lebenskrise zu unterscheiden. Zu beachten ist, dass körperliche Beschwerden wie Magen- und Darmschmerzen Zeichen einer Depression sein können. Eine genaue Diagnostik ist sehr wichtig, denn wird die Depression nicht erkannt, führt dies zu unnötigem Leiden und zur Gefährdung der Betroffenen, im schlimmsten Fall bis zur Selbsttötung.

Vielfältige Auslöser – schwerwiegende Folgen

Die Auslöser für eine depressive Entwicklung sind unterschiedlich. Häufig ist es ein Zusammenspiel von mehreren Faktoren, von seelischen und Umweltfaktoren, aber auch soziale Gründe können eine Rolle spielen. Oft geht der Depression eine besondere Belastung voraus, etwa der Verlust einer geliebten Person oder eine anhaltende Überforderung. Sie kann aber auch wie ein Blitz aus heiterem Himmel kommen. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Depression zu erkranken, ist erhöht, wenn andere Familienmitglieder unter einer Depression leiden. Kommen dann zum Beispiel noch schwere Belastungen hinzu, kann dies der Auslöser für eine Depression sein. Viele Betroffene erleiden nur eine einzige, über Wochen oder Monate andauernde depressive Phase in ihrem Leben. Bei anderen kehrt die Depression immer wieder. Manche Patienten geraten in den trüben Herbst- und Wintermonaten besonders leicht in eine depressive Bedrücktheit.

Eine Depression kann schwerwiegende Folgen haben. Häufig kommt es im Umfeld zu Konflikten. Auch das Berufsleben kann betroffen sein, da die Leistungsfähigkeit sinkt. Es kann häufiger zu Fehlzeiten kommen. Das Umfeld reagiert mit Rückzug, teilweise auch genervt auf die immer wieder auftretenden Beschwerden.

Wirksame Behandlungsmöglichkeiten

Eine Depression ist eine ernst zu nehmende Erkrankung, die unbehandelt großes Leid für Betroffene und ihre Angehörigen bedeutet. Jedoch sind Depressionen weder ein Zeichen für Schwäche noch für ein unabänderliches Schicksal! Sie lassen sich in aller Regel gut behandeln.

Wenn Sie das Gefühl haben, möglicherweise an einer Depression zu leiden, sollten Sie nicht zögern, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Erste Ansprechpartner sind der Hausarzt oder die Hausärztin oder bei Kindern der Kinderarzt. Sie können sich auch direkt an einen/eine Psychotherapeuten/in wenden. Hier wird dann eine ausführliche Diagnostik durchgeführt und geklärt, ob und wie eine Therapie begonnen werden könnte, falls sie notwendig ist.

Je nach Schweregrad der Erkrankung ist entweder eine Psychotherapie oder eine medikamentöse Therapie in Kombination mit einer Psychotherapie nützlich. Viele Betroffene scheuen sich erst mal vor Medikamenten. Aus der Forschung wissen wir, dass bei einer Depression Störungen im Stoffwechsel des Gehirns auftreten. Genau hier setzen antidepressive Medikamente an und tragen dazu bei, den veränderten Stoffwechsel auszugleichen. Die depressiven Symptome lassen nach. Um einen Rückfall zu vermeiden, ist meist eine regelmäßige und länger dauernde medikamentöse Therapie notwendig. Sprechen Sie bei Bedenken mit Ihrem/Ihrer Arzt/Ärztin, die Sie ausführlich beraten werden.

In einer Psychotherapie, die sich insbesondere bei leichten und mittelschweren Depressionen bewährt hat, erwirbt der Patient Strategien, um anders mit seinen Problemen umzugehen. Dabei spielen der Aufbau von positiven Erfahrungen und das Durchbrechen von negativen Grübeleien eine wichtige Rolle. Wenn Angehörige verstehen, dass es sich bei einer Depression um eine ernsthafte Erkrankung handelt, können sie durch ihre Unterstützung ebenfalls einen wichtigen Beitrag für die Bewältigung einer Depression leisten.

Möglichkeiten der Psychotherapie

Es gibt verschiedene therapeutische Herangehensweisen an die Behandlung einer Depression. Zu Beginn der Therapie wird immer die Problematik erkundet sowie die Diagnose und die Erkrankung erklärt. Dann wird in der Regel begonnen, den/die Patient/in zu ermutigen, wieder an regelmäßige Aktivitäten heranzugehen und aktuelle oder auch zurückliegende Konflikte zu bearbeiten. Ein wichtiger Teil der Therapie ist auch die Stärkung des Selbstbewusstseins. Sie sollen Ihre Stärken wiederentdecken lernen und sich von möglichen Schuldgefühlen befreien. Manchmal ist es auch notwendig, Partner oder andere Familienangehörige mit einzubinden, um so zu verhindern, dass man wieder in alte Muster zurückfällt. Sie können in der Therapie nämlich lernen, Frühwarnzeichen einer Depression rechtzeitig zu erkennen und im besten Falle das Wiederauftreten der Erkrankung zu verhindern. Das Ziel ist immer, dass Sie keine weiteren depressiven Episoden mehr erleben oder frühzeitig so entgegensteuern können, dass die Schwere der Episode abgemildert wird. In besonders schwierigen Situationen kann ein Klinikaufenthalt hilfreich sein.

Sie können Ihren Hausarzt oder Hausärztin nach Adressen von psychologischen Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen oder Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten und -psychotherapeutinnen fragen. Außerdem können Sie sich an die KV Saarland oder auch an die Psychotherapeutenkammer des Saarlandes wenden. (Bei der Deutschen Psychotherapeuten Vereinigung finden Sie außerdem übersichtliche Auflistungen der Psychotherapeutenkammern anderer Bundesländer sowie aller Kassenärztlichen Vereinigungen in Deutschland.)

Was Angehörige sowie Freunde und Freundinnen tun können

Die Krankheit Depression kann einen Menschen völlig verändern. So ist es zum Beispiel möglich, dass ein früher lebenslustiger Partner auf einmal schwunglos wird, an Schuldgefühlen, innerer Leere und Hoffnungslosigkeit leidet. In ihrer Hilflosigkeit gegenüber der Depression entwickeln Angehörige oft selbst Schuldgefühle oder gar Ärger über den Erkrankten. Hält die depressive Phase länger an, können sich bei den Angehörigen Überlastung und Erschöpfung einstellen, weil sie dem Betroffenen eine Vielzahl alltäglicher Aufgaben abnehmen müssen. Gerade die Kinder von Erkrankten überfordern sich oft und benötigen Hilfe. Scheuen Sie sich nicht auch für sich selbst und für betroffene Kinder Rat und Hilfe zu suchen.

Was Sie selbst tun können

Im Fall einer Erkrankung oder der Vermutung einer Depression suchen Sie bitte das Gespräch mit Arzt oder Ärztin oder Psychotherapeut/in. Um Depressionen vorzubeugen, ist Aktivität besonders wichtig. Wer sich in Bewegung setzt und etwas tut, wirkt seiner Depression entgegen.

• Richten Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Erfolg und Vergnügen und beginnen Sie mit kleinen Schritten.
• Versuchen Sie, Ihre negativen Gedankenketten zu unterbrechen und betonen Sie immer wieder ihre Selbstständigkeit.
• Gut ist auch, keine Probleme vor sich herzuschieben und lieber zu versuchen, Probleme aktiv zu lösen.

Auch der Anschluss an eine Selbsthilfegruppe kann eine Hilfe sein, soweit es vorher psychotherapeutisch abgeklärt und empfohlen wurde. Selbsthilfegruppen für Angehörige können auch für die betroffenen Familienmitglieder eine wichtige Hilfe sein. Das saarländische Bündnis gegen Depression bietet zahlreiche Informationen zu dem Thema und informiert über Selbsthilfegruppen.

In Notfällen, wie bei drängenden und konkreten Suizidgedanken, wenden Sie sich bitte an die nächste psychiatrische Klinik oder den Notarzt unter der Telefonnummer 112.

„Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“
(Hermann Hesse)

Ihre
Susanne Münnich-Hessel

-> Lesen Sie auch: Psychotherapie – was dahinter steckt und wann sie Sinn macht. <-

Susanne Münnich-Hessel ist Diplom-Psychologin und kassenzugelassene Verhaltenstherapeutin mit Approbation für Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Neben ihrer Tätigkeit in der Praxis bietet sie Fortbildungen und Supervision an. Außerdem ist sie im Vorstand der saarländischen Psychotherapeutenkammer tätig und engagiert sich in der KV Saarland als Vertreterin der Psychologischen PsychotherapeutInnen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

Hier geht‘s zum Angebot der KV Saarland.