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Die Welt der Vitamine

Béatrice Gospodinov, Ärztin für Allgemeinmedizin, erklärt, wie wichtig Vitamine sind und warum Nahrungsergänzungsmittel nicht empfehlenswert sind.

Die Welt der Vitamine

"Immer schön viel Obst und Gemüse essen, so bleibt man gesund" – Wer kennt diesen Satz nicht?
Béatrice Gospodinov ist Ärztin für Allgemeinmedizin und erklärt Ihnen wie wichtig Vitamine für uns sind und warum Sie in Zukunft auf Nahrungsergänzungsmittel verzichten sollten.

Warum heißen Vitamine eigentlich Vitamine?

Das Wort Vitamin ist eine Kombination aus dem lateinischen Vita für „Leben“ und einer Stickstoffverbindung (= Amin). Der Name ist also bereits Programm. Die Bezeichnung geht zurück auf den polnisch-amerikanischen Biochemiker Casimir Funk, der 1912 das Thiamin (eines der Vitamine aus der B-Gruppe) isolierte. Inzwischen weiß man, dass viele Vitamine gar keine Aminogruppe besitzen. Tatsächlich sind Vitamine chemisch recht unterschiedliche Verbindungen. Der Einfachheit halber ist es jedoch beim schönen Namen Vitamin geblieben.

Wie wichtig sind Vitamine?

Vitamine sind für viele lebensnotwendige Vorgänge unseres Körpers erforderlich, und trotzdem kann unser Organismus diese Substanzen (mit einer Ausnahme) nicht selbständig produzieren. Unser Körper ist also darauf angewiesen, dass wir ihm diese essentiellen chemischen Verbindungen mit der Nahrung zuführen. Und zwar entweder in Form einer Vorstufe, man spricht dann von Provitamin, oder fix und fertig zum Gebrauch.

Die Entdeckung der Vitamine

Die Vitamine wurden erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts entdeckt, wobei man bereits im 16. Jahrhundert wusste, dass gewisse Erkrankungen durch bestimmte Nahrungsmittel geheilt werden können. So war beispielsweise der Skorbut (Vitamin-C-Mangelkrankheit) auf langen Schiffsfahrten gefürchtet. Die monatelangen Segeltörns im Zeitalter der Entdeckungen kosteten hunderten von Seeleuten das Leben durch einseitige Ernährung ohne frisches Obst oder Fleisch.
Nach Einfuhr der Reisschälmaschinen Anfang des 20. Jahrhunderts erkrankten in Japan und auf Java sehr viele Menschen an Beriberi (Schafsgang), einer Krankheit, die durch Vitamin-B1-Mangel entsteht. Durch das Schälen des Reiskorns war dem Reis die Vitamin-B1-haltige Hülle entfernt worden. Der japanische Arzt Takaki Kanehiro konnte durch Zuführen der Reiskleie die Krankheit heilen. Wie Knochenfunde bestätigen, litten bereits 50 000 v. Chr. Menschen unter Rachitis, einer Knochenerkrankung, die durch Mangel an Vitamin D entsteht. Später fand man heraus, dass Lebertran und UV-Licht diese Erkrankung verhindern können. Durch diese schwerwiegenden Vitaminmangelerkrankungen der Vergangenheit wurde die Forschung auf diesem Gebiet intensiviert und führte bis 1948 zur Entdeckung und Isolierung von 13 Vitaminen.

Diese 13 Vitamine sind wichtig für die unterschiedlichsten Grundfunktionen des Körpers, zum Beispiel die Energiegewinnung, die Bildung und Aufrechterhaltung des Immunsystems, den Aufbau von Zellen, Blutkörperchen, Knochen und Zähnen.
Es gibt fettlösliche und wasserlösliche Vitamine. Die ersten können im Körper gespeichert werden und benötigen Fettsäuren zur Verwertung. Die wasserlöslichen Vitamine sind nicht speicherbar und müssen ständig mit der Nahrung zugeführt werden. Konkret sind dies das Vitamin C und die Gruppe der B-Vitamine. Natürlich hat jedes Vitamin auch eine spezifische Funktion

Die Mitglieder der „Familie Vitamin“ von A bis K

Die Mitglieder der „Familie Vitamin“ von A bis K

- Vitamin A (Retinol)
Stärkt die Sehkraft und die Haut, aktiviert das Zellwachstum.
Zu finden in Leber und Fisch.
- Vitamin B1 (Thiamin)
Ist wichtig für die Schilddrüsen- und Nervenfunktion. Aktiv beim Kohlenhydratstoffwechsel. Zu finden in Fleisch, Erbsen und in der Reiskleie.
- Vitamin B2 (Riboflavin)
Fördert die Merkfähigkeit und die Konzentration.
Zu finden in Fleisch, Vollkornprodukten und grünem Gemüse.
- Vitamin B3 (Niacin)
Verwertet Fett, Eiweiß und Kohlenhydrate, gut für Haut und Nägel.
Zu finden in Fleisch und Fisch.
- Vitamin B5 (Pantothensäure)
Wichtig für die Wundheilung und das Immunsystem.
Zu finden in Leber und Gemüse.
- Vitamin B6 (Pyridoxin)
Schützt die Nerven und hilft beim Proteinstoffwechsel.
Zu finden Leber, Kiwis und Kartoffeln.
- Vitamin B7 (Biotin)
Wichtig für Haut, Haare und Nägel.
Zu finden in Leber und Blumenkohl.
- Vitamin B9 (Folsäure)
Wichtig für Wachstum und Regeneration.
Zu finden in Leber und Weizenkeimen.

- Vitamin B12 (Cobalamin)
Regt den Appetit an und regeneriert Nervenzellen und Blutkörperchen.
Zu finden in Leber, Fisch und Milch.
- Vitamin C (Ascorbinsäure)
Schützt vor Infektionen und wirkt als Radikalfänger.
Zu finden in Zitrusfrüchten.
- Vitamin D (Cholecalciferol)
Wichtig für die Knochen durch Förderung der Calciumaufnahme.
Wird von der Haut bei UV-Einfluss produziert, ist auch in Fischprodukten enthalten.
- Vitamin E (Tocopherol)
Stärkt das Immunsystem und wirkt entzündungshemmend.
Zu finden in pflanzlichen Ölen.
- Vitamin K (Phyllochinon)
Reguliert die Blutgerinnung.
Zu finden in Leber, Eiern und Grünkohl.

Wie häufig ist Vitaminmangel?

In Deutschland kann unter normalen Umständen kein Vitaminmangel auftreten. Menschen, die täglich frisches Obst und Gemüse essen, sind ausreichend mit Vitaminen versorgt. Der Bedarf an Vitaminen kann allerdings variieren und ist abhängig von Geschlecht, Alter und Lebensweise. Stress, Krankheit, Nikotin- und Alkohol können den Bedarf erhöhen. Auch während einer Schwangerschaft und Stillzeit ist der Bedarf selbstverständlich erheblich gesteigert. Die deutsche Gesellschaft für Ernährung [DGE] gibt detaillierte Empfehlungen über den Vitaminbedarf. Wer häufig alkoholische Getränke zu sich nimmt, kann durch eine alkoholbedingte Veränderung des Essverhaltens und eine Schädigung des Verdauungsapparates einen Vitaminmangel der B-Gruppe bekommen. Auch Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes können die Aufnahme von Vitaminen verringern. Dies gilt ebenso für einige Medikamente, zum Beispiel Kontrazeptiva („Pille“) oder Protonenpumpenblocker (gegen Sodbrennen). Bekannt ist auch, dass manche entwässernde Arzneimittel zu Elektrolytverlust führen und dass bestimmte Diabetes-Medikamente die Aufnahme von Vitamin B12 stören. Diese Nebenwirkungen erfordern manchmal einen Ausgleich. In diesen seltenen Fällen verordnet Ihr Arzt beispielsweise Calcium mit Vitamin D3 in der empfohlenen Dosis (8 IE Vitamin D3 mit 1000 mg Calcium pro Tag) oder Elektrolyte unter Kontrolle der betroffenen Werte. Ein weiteres Thema ist die Prävention von Osteoporose. Hier kann es unter Umständen sinnvoll sein, zur Vorbeugung eine Kombination von Vitamin D und Calcium einzunehmen. Dies gilt allerdings in erster Linie für Frauen, die ein erhöhtes Risiko haben, möglicherweise an Osteoporose zu erkranken, zum Beispiel wenn eine familiäre Veranlagung gegeben ist oder bei Raucherinnen. Eine solche vorbeugende Therapie sollten Sie aber nur nach Rücksprache mit Ihrem Arzt durchführen.

Wie sinnvoll sind Nahrungsergänzungsmittel?

Frei verkäufliche Nahrungsergänzungsmittel enthalten meist Mineralstoffe, Antioxidantien und natürlich Vitamine. Weitere häufige Bestandteile sind Coenzym Q10, Kreatin, L-Carnitin und Phytoöstrogene. Außer den Vitaminen kann unser Körper alle diese Stoffe selbst in ausreichenden Mengen produzieren.
Behauptungen, dass Stress oder Schadstoffe zu einem generalisierten Mangel an Vitaminen oder Mineralstoffen führen möchte ich entgegnen: Noch nie wurden Menschen in den Industrieländern der Welt so alt wie heute. Mir ist auch wichtig, mit einem Irrglauben aufzuräumen: Folgen einer ungesunden Lebensführung oder einer einseitigen Ernährung lassen sich nicht durch Nahrungsergänzungsmittel „reparieren“. Laut der deutschen Gesellschaft für Ernährung gibt es nur eine einzige sinnvolle Ergänzung der Ernährung – und das ist Jod in Form von jodiertem Speisesalz.
Für Schwangere, Stillende und Neugeborene gelten gesonderte Empfehlungen. In den ersten drei Monaten einer Schwangerschaft entsteht häufig ein Eisenmangel, der selbstverständlich ausgeglichen werden sollte. Darüber hinaus profitieren Schwangere von einem Folsäurezusatz. Neugeborenen gibt man Vitamin K, Vitamin D und Fluorid.

Kann man auch zu viele Vitamine zu sich nehmen?

Ja, bei ständiger und/ oder hochdosierter Einnahme von vitaminhaltigen Nahrungsergänzungsmitteln kann eine Vitaminüberversorgung (Hypervitaminose) auftreten. Dies gilt allerdings nur für die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K, da diese im Körper gespeichert werden.

Welche Empfehlungen gibt es?

Unser Stoffwechsel braucht Vitamine, und zwar am besten aus frischen, schonend zubereiteten Nahrungsmitteln. Eine selbst verordnete Dosierung von Vitaminpräparaten kann mehr Schaden als Nutzen bringen. Immer mehr Studien unter anderem zu den Themen Herzinfarktrisiko und Krebsprophylaxe zeigen, dass hohe Vitamindosierungen eher schädlich sind. Das Deutsche Krebsforschungszentrum bringt die vorliegenden Ergebnisse auf die Kurzformel: „Wer Vitamintabletten nimmt, lebt kürzer.“

Eine besondere Gefährdung sehen Wissenschaftler bei zu hohen Dosen von Vitamin A. Vitamin A kann zu einer Austrocknung der Haut sowie zu Krampfanfällen führen. Auch das Risiko von Knochenbrüchen kann sich durch Einnahme von Vitamin A erhöhen. Deshalb sollten vor allem ältere Menschen nicht mehr als 1,5 mg Vitamin A pro Tag zu sich nehmen. Eine erhöhte Zufuhr der Vitamine B und C gilt als weniger gefährlich, da diese wasserlöslich sind, und Überdosierungen über die Nieren wieder ausgeschieden werden. Ob es durch eine überhöhte Einnahme von Vitamin B und C oder anderen wasserlöslichen Vitaminen dennoch zu Risiken kommen kann, ist zurzeit noch nicht geklärt. Zusammenfassend kann festgehalten werden: Eine regelmäßige Einnahme von Vitaminen und Mineralstoffen bringt keinen Nutzen für die Gesundheit, ist eher mit Risiken verbunden und sollte nur nach Rücksprache mit dem Arzt erfolgen.

Béatrice Gospodinov ist Ärztin für Allgemeinmedizin und in einer Gemeinschaftspraxis in Saarbrücken niedergelassen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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