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Faszien – eine verborgene Welt

Dr. med. Lothar König erklärt, was es mit den Faszien auf sich hat und wie sie unseren Körper beeinflussen.

Faszien – eine verborgene Welt

Ihr Name ist ein wahrer Zungenbrecher und dennoch sind sie in aller Munde: Die Rede ist von jenen feinen Gewebehüllen, die alle Muskeln, Muskelgruppen, ganze Gliedmaßen und auch die inneren Organe umkleiden – den Faszien.

Faszien – ein Maßanzug für den Körper

Faszien umfassen das gesamte Bindegewebe, Kapseln, Bänder, Sehnen und flächige Bindegewebsschichten. In einer Mischung aus Kollagen-, elastischen und Bindegewebsfasern, sowie Fett-, Bindegewebs- und einzelnen Muskelzellen bilden die Faszien teils röhrenförmige, teils flächenhafte Gebilde. So entstehen dehnbare, teilelastische und zum Teil aktiv arbeitende Hüllen und Faszienflächen – vergleichbar mit einem individuell angefertigten Maßanzug. Faszien bilden die Führungsstrukturen, innerhalb derer sich Muskeln und Muskelgruppen ausbreiten. Auch die Organe werden von Faszien überzogen beziehungsweise benutzen Faszien zur Verankerung. Faszien unterstützen die Arbeit der Muskeln und inneren Organe, indem sie das reibungsarme Aneinandergleiten gewährleisten. Dabei ist auch von Bedeutung, dass der Rückfluss der Gewebsflüssigkeit – der sogenannten Lymphe – teilweise entlang der Faszien erfolgt. Außerdem wirken Faszien als Barriere gegenüber Infekten.

Faszien – nicht nur formgebend, sondern auch funktionell

Neben ihrer Funktion für den aktiven und passiven Bewegungsapparat erfüllen Faszien auch eine sehr wichtige Funktion für unser Gefäßsystem. Arterien, Venen und Lymphgefäße sind quasi an die aktive quergestreifte Muskulatur gefesselt. Dadurch bewirken die Pulswellen der Arterien und die Kontraktionen der Muskulatur den wichtigen Rückfluss von Blut und Gewebsflüssigkeit zum Herzen.

Was tun, wenn's klemmt ...

Faszien sind deshalb so bedeutend, weil unser Körper sehr «leiden» kann, wenn etwas mit den Faszien nicht stimmt. Rückenschmerzen, Gelenkschmerzen, eingeschränkte Beweglichkeit – die Ursachen können durchaus in den Faszien liegen. Im Falle von Funktionsstörungen können sie ihre Aufgaben nur eingeschränkt erledigen, was schmerzhafte Folgen haben kann. Im Rahmen von Verletzungen können Leitstrukturen unterbrochen oder narbig verändert werden. Beides wirkt sich negativ auf alle Vorgänge aus, die wir bereits zuvor kennengelernt haben.

„Panta rhei“ – alles fließt

Um die Funktionen der Faszien wiederherzustellen, gibt es bewährte Massage- und Mobilisationstechniken. Diese wirken sich mechanisch, biochemisch oder physiologisch aus. Einerseits soll die Gewebsflüssigkeit wieder zum Fließen gebracht werden. Andererseits sollen Beweglichkeit und Bewegungsmuster wiedererlangt werden. Bei den mechanischen Therapieformen werden im Gewebe verschiedenartige Stoffe freigesetzt, wie beispielsweise Histamin. Dadurch verbessert sich die Durchblutung an der betreffenden Stelle. Andere Stoffe, die bei der Physiotherapie freigesetzt werden, fördern durch lokal begrenzte Entzündungsreaktionen den Heilungsverlauf. Erkennbar werden all diese Reaktionen an der typischen Hautrötung nach einer klassischen Massage mit Kneten oder Walken.

Hilfsmittel – ob neu oder althergebracht, entscheidend ist die Wirkung

Bei den physiotherapeutischen Techniken kommen auch verschiedenste Hilfsmittel zum Einsatz. Die bekanntesten sind Tennis- oder Igelball und neuerdings auch die Faszienrolle. All diese Hilfsmittel beruhen auf lokalen Massagetechniken. Auch Dehneffekte sind zu beobachten. Vor allem die Faszienrolle wird manchmal als Wundermittel gelobt. Unbestreitbar kann sie durch Druck und Bewegung die Durchblutung steigern und Verhärtungen in den Faszien und Muskeln mildern.

Viel hilft nicht immer viel ...

Noch wichtiger als mechanische Hilfsmittel sind für den Therapieerfolg die regelmäßige und korrekte Durchführung der Übungen. Statt ab und zu eine Unsumme von Übungen halbherzig oder falsch zu praktizieren, führen Sie lieber zwei oder drei Übungen richtig und regelmäßig durch. So gelangen Sie schneller und effektiver zum Ziel.

Der Gruppeneffekt – Teil der Therapie

Dr. med. Lothar König: „Aus meiner langjährigen Erfahrungen halte ich auch den Gruppeneffekt für ganz erfolgsentscheidend. Es macht einfach mehr Spaß, Übungen in einer Gruppe von Gleichgesinnten durchzuführen und sich gegenseitig anzuspornen.“

Dr. med. Lothar König ist Facharzt für Physikalische- und Rehabilitative Medizin, Sportmedizin, Chirotherapie und physikalische Therapie. Er war Lehrer für Anatomie und Biomechanik an der Physiotherapeutenschule der CTT (Cusanus Trägergesellschaft) in Lebach.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

Hier geht‘s zum Angebot der KV Saarland.