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Nahrungsmittelunverträglichkeit und Lebensmittel-allergie – eine Übersicht

Circa 2 bis 3 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland leiden an einer Lebensmittelallergie.

Nahrungsmittelunverträglichkeit und Lebensmittelallergie – eine Übersicht

Schätzungen zufolge leiden 2 bis 3 Prozent aller Erwachsenen in Deutschland an einer Lebensmittelallergie. Weitere circa 30 Prozent der Erwachsenen vermuten bei sich eine Nahrungsmittelunverträglichkeit. Wie viele Menschen tatsächlich von solchen Problemen betroffen sind, lässt sich nicht exakt ermitteln.

Lebensmittelallergien

Allergien gegen gewisse Lebensmittel treten häufiger bei Säuglingen und Kleinkindern auf – vor allem, wenn diese nicht gestillt werden. Bei Erwachsenen sind sie seltener, können dafür jedoch in ihren Auswirkungen umso gravierender sein.
Ein allergischer Mensch verträgt bestimmte Nahrungsmittel überhaupt nicht: Unmittelbar nach der Nahrungsaufnahme kommt es zu allergietypischen Symptomen wie Schwellungen von Gesicht, Lippen und Zunge. Weitere Reaktionen können Niesattacken, Nesselausschlag mit Quaddeln, Husten und akute Atemnot sein, was die sofortige Behandlung durch einen Arzt erforderlich machen kann.

Prinzipiell können wir auf jedes Lebensmittel allergisch reagieren, besonders häufig und gefährlich ist eine Erdnussallergie. Während die meisten Nahrungsmittel erst ab einer bestimmten Menge allergische Reaktionen auslösen, können bei der Erdnuss schon Mikrogramm-Mengen ausreichen, um lebensbedrohliche Symptome hervorzurufen. Mit diesem Risiko zu leben, kann für den Betroffenen ziemlich kompliziert sein: Erdnüsse werden als Zutat in den unterschiedlichsten Lebensmitteln verarbeitet – vor allem in süßen und pikanten Snacks. Sie können aber auch durch gemeinsam genutzte Produktionsanlagen in viele andere Lebensmittel gelangen, die eigentlich erdnussfrei hergestellt werden.

Darüber hinaus gibt es des Öfteren allergische Reaktionen auf Hühnereiweiß, Weizen, Fisch oder Schalentiere. Häufig treten bei allergischen Menschen zudem sogenannte „Kreuzallergien“ auf, das sind zum Beispiel Pollenallergien (Heuschnupfen) mit gleichzeitiger allergischer Reaktion auf bestimmte Lebensmittel (z.B. Birkenpollenallergie und Kreuzallergie auf Äpfel). Menschen mit Nahrungsmittelallergien müssen beim Einkauf äußerst genau die Zutatenliste der Lebensmittel studieren und sich genau informieren, bevor sie außer Haus (im Restaurant oder bei Einladungen) etwas essen.

Immer häufiger: Nahrungsmittelunverträglichkeit

Weitaus häufiger als Lebensmittelallergien findet man Nahrungsmittelunverträglichkeiten. Im Gegensatz zur Allergie treten bei einer Nahrungsmittelunverträglichkeit die Beschwerden oft erst verzögert nach dem Essen auf. Meist handelt es sich um Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall oder Übelkeit. Ursache ist, dass der Körper bestimmte Lebensmittelbestandteile nicht richtig aufnehmen und verarbeiten kann.

Was tun bei Lactose-Intoleranz?

Eine der häufigsten Unverträglichkeiten ist die Lactose-Intoleranz (Milchzuckerunverträglichkeit) – nicht zu verwechseln mit der Milchallergie. Haben Sie Beschwerden nach dem Genuss eines Glases Milch? Bessern sich die Beschwerden, wenn Sie zwei Wochen konsequent auf Milchprodukte verzichten? Dann kann es sein, dass Ihnen das Enzym Lactase fehlt, welches den Milchzucker aufspaltet und dieser deshalb nicht dem Stoffwechsel zugeführt werden kann.
Die Milchzuckerunverträglichkeit entwickelt sich bei vielen Menschen bereits kurz nach dem Säuglingsalter. Weltweit besteht bei rund 75 Prozent der Erwachsenen eine Milchzuckerunverträglichkeit, insbesondere in China, Südostasien und Afrika, wo traditionell nach dem Säuglingsalter keine Milchprodukte verzehrt werden. Man geht davon aus, dass in Deutschland 15 bis 25 Prozent der Erwachsenen lactose-intolerant sind.

Bei der Milchzuckerunverträglichkeit bildet der Darm zu wenig oder gar keine Lactose, ein Verdauungsferment, das den Milchzucker aufspaltet. Dementsprechend gärt der in der Ernährung enthaltene Milchzucker im Darm und führt zu Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen. Die Betroffenen sollten Milch und Milchprodukte meiden beziehungsweise deren Zufuhr einschränken – geringe Mengen werden oft vertragen. Auch Hartkäse und Joghurt verursachen selten Beschwerden, da hier der Milchzucker vergoren ist.

Eine gute Alternative bieten die heute in vielen Geschäften in breiter Vielfalt erhältlichen lactosefreien Produkte, bei denen der enthaltene Milchzucker bereits industriell aufgespalten wurde. Eine andere Möglichkeit ist die Einnahme von Tabletten, die das fehlende Verdauungsferment Lactase enthalten. Das bietet sich zum Beispiel an, wenn Sie zum Essen eingeladen sind oder während des Urlaubs, wenn eine Diät schwierig umzusetzen ist.

Übrigens ist Milchzucker nicht nur in Milch und Milchprodukten wie Butter, Joghurt, Sahne, Quark oder Käse enthalten, sondern auch in Pudding, Mehlspeisen, Eis, Kuchen und in zahlreichen Fertiggerichten, Konserven oder Wurstwaren!

Tipp:
Zur Diagnose der Milchzuckerunverträglichkeit gibt es einen sogenannten „Atemtest“, den Gastroenterologen durchführen. Noch einfacher ist es, 8 bis14 Tage auf alle Lebensmittel zu verzichten, die Milchzucker enthalten. Wenn die Beschwerden dann verschwinden, liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit eine Lactose-Intoleranz vor.

Wenn der Fruchtzucker Probleme macht

Eine weitere, nicht ganz seltene, Unverträglichkeit ist die Fructose-Unverträglichkeit (in der Fachsprache „Fructosemalabsorption“ genannt). Diese Veranlagung findet sich bei rund 30 Prozent der Erwachsenen, wobei nur circa ein Drittel dieser Personen tatsächlich Beschwerden hat. Die Symptome sind ähnlich wie bei der Milchzucker-Unverträglichkeit (Blähungen, Durchfall, Bauchschmerzen) und werden durch Fruchtzucker (Fructose), oft auch durch Sorbit (Zuckerersatzstoff), ausgelöst.

Bei der Fructose-Unverträglichkeit wird der Fruchtzucker im Dünndarm nicht ordnungsgemäß verdaut, sondern erst im Dickdarm von Bakterien zersetzt. Die dann entstehenden Abbauprodukte, zum Beispiel Gase und Fettsäuren, lösen die Beschwerden aus. Eine Fructose-Unverträglichkeit macht sich besonders dann bemerkbar, wenn der Fructoseanteil in der Ernährung deutlich höher liegt als der Anteil an Traubenzucker beziehungsweise Haushaltszucker. Dies kann schnell passieren, da die Industrie immer mehr Lebensmitteln (insbesondere Süßigkeiten) Fructose zusetzt. Der Grund ist einfach: reine Fructose ist fast doppelt so süß wie reine Glucose und deshalb auf Dauer wohl preiswerter.

Gluten – ein Protein-Kleber, der manche Menschen quält

Eine weitere Unverträglichkeit ist die Gluten-Unverträglichkeit (Zöliakie). Gluten – ein natürlicher Protein-Klebstoff – ist in sehr vielen Getreidearten und -produkten enthalten: in Mehlen, Nudeln, Brot und Backwaren, in Pizza, Pudding, mit Mehl gebundenen Soßen und vielem mehr.

Die Zöliakie ist in den letzten Jahrzehnten immer häufiger geworden. Symptome sind unter anderem Durchfälle und Blähungen. Im Verlauf der Erkrankung kann es auch zu Vitaminmangel und weiteren Mangelerscheinungen kommen. Eine Gluten-Unverträglichkeit kann in jedem Lebensalter auftreten, am häufigsten beginnt sie im Kindesalter bis zum 2. Lebensjahr oder um das 40. Lebensjahr herum. Da die Symptomatik bei Glutenunverträglichkeit sehr unspezifisch ist, kann es manchmal viele Jahre dauern, bis die richtige Diagnose gestellt wird. Bei den Betroffenen führt die Zufuhr von Gluten zu entzündlichen Veränderungen der Darmschleimhaut, die nach Jahren im schlimmsten Fall zu Darmkrebs führen können.

Die Diagnose wird durch spezielle Bluttests sowie durch eine Darmspiegelung mit Biopsie der Darmschleimhaut gestellt. Zöliakie kann nur mit einer glutenfreien Diät behandelt werden, eine Heilung ist nicht möglich. Mittlerweile bieten viele Geschäfte glutenfreie Produkte an, die beispielsweise aus Reismehl, Maismehl oder Johannisbrotkernmehl bestehen.

Neben der absoluten Gluten-Unverträglichkeit häuft sich in den letzten Jahren die sogenannte „Gluten-/ Weizensensitivität“. Bei dieser Nahrungsunverträglichkeit führen glutenhaltige Nahrungsmittel zwar zu Beschwerden, aber nicht zu langfristigen Gesundheitsschäden. Um die Beschwerden zu lindern ist es ausreichend, auf Weizenprodukte zu verzichten. Die Ursache der Gluten-/ Weizensensitivität ist bis jetzt noch nicht geklärt. Die Diagnose kann nur gestellt werden, wenn eine Weizenallergie und eine Zöliakie ausgeschlossen sind.

In diesem Sinne alles Gute!

Ihre
Dr. Jutta Dick

Dr. Jutta Dick ist Allgemeinärztin im saarländischen Wallerfangen. Sie verfügt über die Zusatzausbildungen Ernährungsmedizin und Naturheilverfahren. Darüber hinaus befasst sie sich mit Reisemedizin und fungiert als offizielle Gelbfieber-Impfstelle. Seit einigen Jahren führt sie die Aktion „Ernährungsführerschein“ in den Wallerfanger Grundschulen durch. Sie ist außerdem Vorsitzende des Arztnetzes GENESA.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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