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Psychotherapie

Was dahinter steckt und wann sie Sinn macht.

Psychotherapie – was dahinter steckt und wann sie Sinn macht

Über seelische Krisen wird oft nicht offen gesprochen. Dabei kann eine Psychotherapie unterstützen und viele Menschen haben diese schon als hilfreich erlebt. Andere scheuen Gespräche über ihre Gefühle. Wieder andere fragen sich, ob eine Therapie überhaupt wirkt. Wir haben Antworten auf die wichtigsten Fragen und möchten Mut machen, sich mit vertrauten Menschen auszutauschen und sich Hilfe bei Experten zu suchen.

Wann kann eine Psychotherapie sinnvoll sein?

Seelische Hochs und Tiefs kennt fast jeder. Die meisten Menschen kommen mit dem Auf und Ab ihres Seelenlebens sehr gut alleine zurecht. Viele tauschen sich darüber mit ihrem Lebenspartner oder ihren Freunden aus und finden so wieder zu einem inneren Gleichgewicht. Manchmal reichen jedoch solche Gespräche mit vertrauten Personen nicht aus.

Eine Psychotherapie ist dann ratsam, wenn psychische Probleme nicht mehr allein oder mithilfe der Familie oder von Freunden gelöst werden können, zu Krankheitserscheinungen führen und die alltäglichen Anforderungen des Lebens nicht mehr bewältigt werden können. Dazu gehören unter anderem Depressionen, Ängste, Suchterkrankungen, aber auch Folgeerscheinungen nach schweren traumatischen Lebensereignissen. Auch bei schweren körperlichen Erkrankungen wie Krebs kann Psychotherapie unterstützen. Bei sehr schweren psychischen Erkrankungen wie Psychosen unterstützt Psychotherapie die medikamentöse Behandlung. Auch körperliche Symptome wie ständige Kopfschmerzen können durch psychische Ursachen ausgelöst werden.

Wer wird denn psychisch krank?

Psychische Erkrankungen können jeden treffen. Nach einer im Dezember 2016 veröffentlichten Studie der Bundespsychotherapeutenkammer sind psychische Krankheiten die zweithäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeit.

Können auch Kinder psychisch erkranken?

Ja, auch Kinder können psychisch erkranken. Häufige seelische Erkrankungen bei Kindern sind Hyperaktivität, Störungen des Sozialverhaltens, Ängste und Zwangsstörungen. Auch bei Kindern können körperliche Beschwerden, zum Beispiel Bauchschmerzen, psychisch bedingt sein und eine Psychotherapie notwendig machen.

Was können Anzeichen sein?

Wenn Sie eingehender prüfen möchten, ob eine Psychotherapie Ihnen helfen könnte, schauen Sie sich die folgende Liste an. Wenn eine oder mehrere dieser Beschreibungen bei Ihnen schon länger andauern, könnte eine Psychotherapie sinnvoll sein.

  • Irgendwie bin ich anders als sonst.
  • Ich kann mir gar nicht erklären, was mit mir ist.
  • Ich mache mir ständig Sorgen und grübele viel.
  • Ich liege häufig wach und kann nicht einschlafen.
  • Ich habe häufig körperliche Beschwerden – aber organisch ist alles in Ordnung.
  • Ich habe zu gar nichts mehr Lust.
  • Ich bin ständig gereizt.
  • Ich fühle mich sehr einsam und ziehe mich häufig zurück.
  • Ich habe Selbstmordgedanken.
  • Ich habe am Arbeitsplatz und/oder in der Familie schwerwiegende Probleme.
  • Meine Symptome dauern schon länger als drei Monate an.

Was ist überhaupt Psychotherapie?

Psychotherapie ist eine Behandlung von psychischen („seelischen“) Erkrankungen mithilfe von wissenschaftlich anerkannten Verfahren. Die psychotherapeutische Behandlung hilft, seelisches Leid zu lindern oder zu bessern.

Wie verläuft eine Psychotherapie?

Alle psychotherapeutischen Behandlungen haben gemeinsam, dass sie über das persönliche Gespräch erfolgen, das durch spezielle Methoden und Techniken ergänzt werden kann (wie die freie Mitteilung von Gedanken und Einfällen, konkrete Aufgaben um zum Beispiel Ängste zu bewältigen oder spielerisches Handeln in der Therapie von Kindern).

Die Qualität der Beziehung zwischen dem/der Psychotherapeuten/in und dem/der Patienten/in ist ein ganz wesentlicher Wirkungsfaktor. In der Psychotherapie werden die Ressourcen und Fähigkeiten wieder geweckt und Motivation zur Veränderung geschaffen. Die Probleme, die in der Therapie verändert werden sollen, werden unmittelbar erfahrbar. Dabei setzen Therapeuten wissenschaftlich anerkannte Verfahren ein.

Das kann dadurch geschehen, dass reale Situationen aufgesucht werden, in denen die Probleme (wie Ängste) auftreten, oder dass die Probleme durch besondere therapeutische Techniken wie Rollenspiele, Vorstellungsübungen und intensives Erzählen erlebnismäßig erfahrbar werden. So können die Patienten die Ursachen und Hintergründe ihrer problematischen Gefühle oder Verhaltensweisen erkennen. Darauf aufbauend übt der/die Therapeut/in mit ihnen, wie sie diese Situationen positiv bewältigen können.

Wer führt psychotherapeutische Behandlungen durch?

Psychotherapeutische Behandlungen dürfen im Rahmen der gesetzlichen Krankenversicherung nur von Psychologischen Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten, Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutinnen und -psychotherapeuten sowie von psychotherapeutisch tätigen Ärztinnen und Ärzten durchgeführt werden, wenn diese über eine Kassenzulassung verfügen.
Neben der psychotherapeutischen Behandlung von psychischen Erkrankungen kann zusätzlich eine medikamentöse Behandlung notwendig sein. Vor Beginn einer Psychotherapie ist eine Abklärung durch eine Ärztin oder einen Arzt notwendig, ob körperliche Ursachen für die psychische Erkrankung verantwortlich oder mitverantwortlich sein können. Ist dies der Fall, sollten in einem ersten Schritt die körperlichen Ursachen behandelt werden.

Wie finde ich eine Psychotherapeutin oder einen Psychotherapeuten?

Zunächst können Sie sich an den Arzt oder die Ärztin Ihres Vertrauens wenden. Eine weitere Möglichkeit ist die Nachfrage bei der Psychotherapeutenkammer oder der Kassenärztlichen Vereinigung Ihres Bundeslandes, beispielsweise der PTK Saarland oder der KV Saarland. Falls es Ihnen nicht gelingt, einen Termin für eine psychotherapeutische Erstsprechstunde zu bekommen, können Sie sich an die Terminservicestelle der KV Saarland wenden: 0681 / 857730.

Und wenn ich mir nicht sicher bin, ob ich tatsächlich eine Therapie brauche?

Um sich über seelische Probleme und Beschwerden Klarheit zu verschaffen, empfiehlt es sich, eine psychotherapeutische Sprechstunde aufzusuchen. In dieser klären Sie mit der/dem Therapeutin/en, ob eine Psychotherapie oder eine andere Maßnahme für Ihre individuelle Problemlage geeignet ist. Dies kann zum Beispiel eine einfache Beratung sein oder eine Empfehlung zu einer Selbsthilfegruppe.

Wie geht’s weiter, wenn ich eine Psychotherapie benötige?

Eine Psychotherapie muss bei gesetzlich Versicherten bei der zuständigen Krankenkasse beantragt werden. Privatversicherte sollten die individuellen Vertragsbedingungen mit ihrer Privatkasse vorher im Einzelnen klären. Vor Beginn einer Psychotherapie finden Probegespräche, sogenannte probatorische Sitzungen, statt. Hierbei prüfen Patient/in und Therapeut/in, ob die „Chemie“ zwischen ihnen stimmt und eine vertrauensvolle Beziehung aufgebaut werden kann. Dies ist für einen Therapieerfolg ganz wichtig. Therapieziele, Behandlungsplan und voraussichtliche Therapiedauer werden gemeinsam besprochen und festgelegt. Entscheiden sich Patient/in und Therapeut/in für eine Psychotherapie, stellt der/die Patient/in bei seiner oder ihrer Krankenkasse einen Antrag auf Übernahme der Kosten.

Aber das dauert doch – und wenn es tatsächlich sehr dringend ist?

Kommt Ihr/e Psychotherapeut/in in der Sprechstunde mit Ihnen zu der Auffassung, dass eine Psychotherapie dringend begonnen werden muss, um zum Beispiel einen stationären Krankenhausaufenthalt zu vermeiden, kann eine sofortige Akutbehandlung eingeleitet werden. In diesen Fällen beginnt die Psychotherapie direkt nach der psychotherapeutischen Sprechstunde. Eine Akutbehandlung dient der Krisenintervention und kann – falls erforderlich – in eine Kurzzeit- oder Langzeitpsychotherapie überführt werden.

Wer übernimmt die Kosten für eine Psychotherapie?

Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten für eine Psychotherapie, wenn diese zur Behandlung einer psychischen Erkrankung notwendig ist. Ambulante Psychotherapie ist eine zuzahlungsfreie Leistung. Eine Überweisung ist nicht erforderlich, die Vorlage der elektronischen Gesundheitskarte ist ausreichend. Bei Privatversicherten hängt die Übernahme der Kosten von den jeweiligen Vertragsbedingungen ab und sollte vor Behandlungsbeginn geklärt werden.

Wieder unbelastet leben

Psychische Probleme können das Erleben, das Verhalten sowie das geistige und körperliche Wohlbefinden stark beeinträchtigen und mit Leid, Angst, Verunsicherung und Einschränkungen der Lebensqualität einhergehen. Erfreulicherweise lassen sich psychische Erkrankungen heutzutage genauso gut zu behandeln wie körperliche Krankheiten.Zögern Sie also nicht, über seelische Nöte zu sprechen oder sich professionelle Hilfe zu suchen.

“Wir können den Wind nicht ändern, aber die Segel anders setzen.“
(Aristoteles)

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine gute Zeit!

Ihre
Susanne Münnich-Hessel

-> Lesen Sie auch: Welche Therapieformen gibt es? <-

Susanne Münnich-Hessel ist Diplom-Psychologin und kassenzugelassene Verhaltenstherapeutin mit Approbation für Erwachsene, Kinder und Jugendliche. Neben ihrer Tätigkeit in der Praxis bietet sie Fortbildungen und Supervision an. Außerdem ist sie im Vorstand der saarländischen Psychotherapeutenkammer tätig und engagiert sich in der KV Saarland als Vertreterin der Psychologischen PsychotherapeutInnen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

Hier geht‘s zum Angebot der KV Saarland.