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mio, mein Globus-Magazin

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Auf in die Pilze!

Egal ob Gemüse oder Obst – saisonales Einkaufen steht wieder hoch im Kurs. Jetzt im Herbst ist es vor allem die große Pilzvielfalt, die nicht nur in der Obst- und Gemüseabteilung, sondern direkt vor der Haustür begeistert. Unsere Redakteurin hat gemeinsam mit ihrem Großvater eine Pilz­wanderung gemacht und den Wald mit ganz ­anderen Augen kennengelernt!

Auf in die Pilze!

Egal ob Gemüse oder Obst – saisonales Einkaufen steht wieder hoch im Kurs. Jetzt im Herbst ist es vor allem die große Pilzvielfalt, die nicht nur in der Obst- und Gemüseabteilung, sondern direkt vor der Haustür begeistert. Unsere Redakteurin hat gemeinsam mit ihrem Großvater eine Pilz­wanderung gemacht und den Wald mit ganz ­anderen Augen kennengelernt!

Seit ich denken kann interessiert sich mein Opa für Pilze. Als kleines Mädchen habe ich ihn auf seinen Streifzügen durch unsere Wälder oft begleitet. Es gibt frühe Kinderbilder von mir, auf denen ich mit einem kleinen Holzkörbchen voller Schätze stolz an Opas Hand durch den Wald stapfe. In der Zwischenzeit ist mir das Interesse fürs Pilzesammeln leider etwas abhanden gekommen. Erst jetzt, mit Anfang dreißig, weiß ich die Ruhe des Waldes und den Wert saisonaler und regionaler Produkte wieder zu schätzen. Auch die Zeit, die ich mit meiner Familie verbringen kann, ist mir wertvoller denn je. Grund genug also, meinen Opa um eine Privatführung durch den Wald zu bitten.

Wertvolles Expertenwissen

Seit Ende der 1970er-Jahre ist er Mitglied im Pilzverein, den er mitgegründet hat. Mit mittlerweile Ende 70 sind die Pilze immer noch sein Herzensprojekt. Regelmäßig veranstaltet sein Verein Pilzwanderungen für Laien wie mich. Interessierte lernen hier eine Menge über die spannende Welt der Fungi, so der botanische Name, und können ihre Funde nach der Wanderung bestimmen lassen. Denn nichts ist fataler, als den falschen Pilz zu erwischen. Anders als Himbeeren, Brombeeren und Co. lassen sich Pilze nicht ganz so leicht identifizieren. Erwischt man einen giftigen Doppelgänger, kann das im schlimmsten Fall sogar tödlich enden! Die fundierte, sichere Bestimmung ist beim Pilzesammeln daher das A und O.

In die Pilze

Die Sonne strahlt an diesem wunderschönen Herbsttag golden vom Himmel und wir treffen uns am Rande unseres Stadtwaldes. Bevor es „in die Pilze“ geht, wie es im Fachjargon heißt, klärt mich Opa über die Regeln des Sammelns auf – so wie es Usus vor jeder Pilzwanderung ist. Dazu gehört ein respektvoller Umgang mit der Natur. Vor allem wenn wir abseits von Wegen laufen, dürfen wir nichts zertreten oder abknicken. Beladen mit Korb und Taschenmesser wandern wir los. Während wir über einen Bach hüpfen und über den weichen Waldboden laufen, lerne ich schon eine Menge über die Welt der Pilze. Sie kommen in verschiedenen Lebensweisen vor, Pilzfreunde beschäftigen sich mit zwei Klassen: den Sporenständerpilzen und den Schlauchpilzen. Außerdem leben Pilze in einer Symbiose mit oder als Parasit oder Zersetzer von bestimmten Pflanzen.

Ein erster Fund

Fast wäre ich an „meinem ersten Pilz“ vorbeigelaufen, weil ich ihn nicht als ­solchen erkannt habe. An einem abgesägten Baumstamm wächst ein hübsches, wellen­för­mi­ges Gebilde. „Das ist ein ­Trametes versicolor, auch bekannt als Schmetterlings-Tramete“, erklärt mir mein Opa. Unter Pilzfreunden sind die latein­i­schen Namen gang und gäbe. „Ich habe nie Latein gelernt, aber das bekommt man mit der Zeit drauf“, schmunzelt er. Die Schmetterlings-Tramete ist ein Zersetzer und wächst auf totem Holz, zum Beispiel Baumstämmen oder Ästen, zersetzt dieses und trägt damit zum Kreislauf der Natur bei. Optisch er­innert sie tatsächlich ein wenig an einen Schmetterling. Essbar ist sie aber leider nicht. Jetzt im Herbst ist die beste Zeit, um essbare Pilze zu finden. Viel Feuchtigkeit und eine gewisse Wärme sind ideale Bedingungen. Trotzdem dauert es noch einige Zeit, bis wir den ersten Speisepilz finden.

Am besten werden die Pilze für die Pfanne schon im Wald mit einem Messer gesäubert.

Die Bestimmung

Um einen Pilz eindeutig zu bestimmen, braucht man immer den gesamten Pilzkörper. Deshalb sollte er zur Bestimmung nicht abgeschnitten, sondern vorsichtig aus der Erde gedreht oder vom Holz entfernt werden. Der eigentliche Pilz ist nämlich im Boden und für die Bestimmung essenziell; der Pilz, den wir sammeln, ist nur die Frucht. „Das ist vergleichbar mit einem Apfelbaum: Der Pilz ist der Baum, der Fruchtkörper der Apfel und die Sporen die Kerne“, erklärt mir mein Opa. Neben dem Aussehen ist der Geruch wichtig, um herauszufinden, welchen Pilz wir vor uns haben. Der Standort und die Bäume in der Nähe verraten ebenfalls viel. Ein zusätzlicher Blick durch das Mikroskop hilft später, unbekannte Vertreter zu bestimmen. In vielen Fällen können erst durch die mikroskopische Untersuchung Vermu­tungen bestätigt oder Irrtümer erkannt werden.

Während wir mit nach unten gesenktem Blick durch den Wald spazieren, staune ich, wie viel mein Opa über Pilze weiß. Für mich sehen viele Vertreter ähnlich aus, allein würde ich mir auch mit Bestimmungsbuch niemals eine einwandfreie Bestimmung zutrauen. „Die Pilze haben eben keine Bücher gelesen und halten sich ­
nicht an das Foto im Buch“, scherzt er.

Das schmeckt!

Nach gut anderthalb Stunden kehren wir wieder zum Ausgangsort zurück. Weit sind wir zwar nicht gekommen, in meinem Körbchen liegt dafür eine stattliche Ausbeute essbarer Pilze: Violette Lacktrichterlinge, ­Maronen-Röhrlinge und sogar ein Steinpilz. Unbekannte Pilze, die Opa zu Hause unter dem Mikroskop bestimmen möchte, liegen in kleinen Plastikschälchen säuberlich von den essbaren Pilzen getrennt. „Es kam schon vor, dass Teilnehmer unserer Wanderungen ihren bis oben hin gefüllten Korb wegschütten mussten, weil sie einen giftigen Pilz dazwischen hatten“, werde ich aufgeklärt. Für einen ungetrübten Genuss sollten Pilze schon im Wald mit einem Messer geputzt und daheim gleich verarbeitet werden. Viele Vergiftungen entstehen nämlich nicht durch giftige, sondern durch verdorbene Pilze und werden als sogenannte „unechte Pilzvergiftungen“ bezeichnet. Das konnte mir nicht passieren: Ich hatte heute nicht nur einen wunderbaren Tag mit meinem Opa, sondern am Abend auch eine frische und herrlich schmackhafte Pilzpfanne!

Der Hexen-Röhrling verfärbt sich beim Anschneiden blau. Ein sicheres Bestimmungsmerkmal ist das jedoch nicht, da mehrere Pilze bei Luftkontakt eine Blaufärbung aufweisen.

Regeln für die Pilzwanderung

  • Pilze nicht in einer Tüte, sondern im Korb transportieren, da sie sehr druckempfindlich sind.
  • Nur mitnehmen, was man sicher bestimmen kann.
  • Pilze niemals ausreißen, sondern aus dem Boden drehen oder abschneiden.
  • Von unbekannten Pilzen nur wenige Exemplare, am besten ein kleines und ein größeres, mitnehmen und durch einen Experten bestimmen lassen.
  • Sauber sammeln: Unbekannte Arten getrennt von den Speisepilzen transportieren und Pilze gleich an Ort und Stelle von Schmutz befreien.
  • Kleine und alte Pilze zur Vermehrung stehen lassen.
  • Maßvoll sammeln und respektvoll mit der Natur umgehen.

Pilzsaison

Essbare Pilze finden Sie von circa Ende Juli bis Ende Oktober. Ideale Bedingungen herrschen, wenn es feucht, aber nicht zu kalt ist.

Sie sind nicht sicher im Bestimmen? Erkundigen Sie sich nach geführten Pilz­wanderungen in Ihrer Nähe oder lassen Sie einen Pilzsachverständigen über Ihre Sammlung schauen.

Nähere Infos finden Sie beispielsweise bei der
Deutschen Gesellschaft für Mykologie e.V. oder beim
Verein der Pilzfreunde Südhessen Sulzbach e.V..