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Arme Ritter, Kalter Hund und Co.

Nostalgie auf dem Teller! Was ist/sind eigentlich …

Arme Ritter, Kalter Hund und Co.: Nostalgie auf dem Teller

Omas Rezeptbücher sind voll von Gerichten mit merkwürdig klingenden Namen, die oftmals nicht selbsterklärend sind. mio ist auf Spurensuche gegangen und beleuchtet: Was ist/sind eigentlich …

… Arme Ritter?

Dieses Gericht hat international viele, teils amüsante Namen: In Amerika kennt man es als French Toast, in Frankreich wiederum als Pain perdu (verlorenes Brot). In Portugal isst man Rabanadas, in den Niederlanden Wentelteefje und in Ungarn Bundáskenyér (Brot im Pelz). Die Schweizer nennen es Fotzelschnitten und die Österreicher Pavesen. Mit allem ist dasselbe gemeint: in einer Milch-Ei-Masse getränkte Weißbrotscheiben, die in Fett kross ausgebacken und oftmals mit Zimt und Zucker serviert werden. Arme Ritter wurden bereits im Römischen Reich zubereitet und waren aufgrund der günstigen und stets verfügbaren Zutaten vermutlich ein Essen für arme Leute. Da auch trocken gewordenes Brot damit optimal verwertet werden kann, sind Arme Ritter ein ideales Resteessen.

Übrigens: Mit ein wenig mehr Zutaten werden aus den armen reiche Ritter – dafür vor dem Braten zwei getränkte Brotscheiben mit beispielsweise Schinken und Käse oder Schokocreme, Marmelade sowie Früchten füllen.

… Strammer Max?

Eine dicke Scheibe Mischbrot mit Butter, rohem Schinken, darauf ein Spiegelei – fertig ist der klassische Stramme Max. Dieses sehr einfache (aber sehr leckere) Gericht stammt ursprünglich aus Ostdeutschland und ist mittlerweile bundesweit bekannt. Oft wird beim Belag variiert und beispielsweise Koch- oder Räucherschinken genommen sowie Käse und Essiggurken ergänzt. Seinen Namen hat der Stramme Max vermutlich von sächsischen Gastwirten erhalten, die meinten, das sehr kräftigende Gericht hätte auch eine Wirkung auf die männliche Potenz.

… Kalter Hund?

Obgleich der Name nicht vielversprechend klingt, überzeugt das sich dahinter verbergende Dessert umso mehr: Für den Kalten Hund werden abwechselnd Butterkekse und Schokoladenmasse in einer Form geschichtet und dann zum Aushärten kalt gestellt. Das Ergebnis ist im Grunde ein riesiger Schoko-Keks-Riegel, der – mit bunten Schokolinsen oder Zuckerstreuseln verziert – besonders auf Kindergeburtstagen gut ankommt. Praktisch: Eventuelle Reste halten sich problemlos einige Tage im Kühlschrank. Erfinder des Schoko-Keks-Kuchens ist wohl die Firma Bahlsen, die das Rezept in den 1920er-Jahren veröffent­lichte. Heutzutage gibt es einige Variationen – versuchen Sie zum Beispiel einmal weiße Schokolade mit Himbeeren und Oreo-Cookies!

… Herrgottbescheißerle?

Unter Herrgottbescheißerle versteht man tatsächlich nichts anderes als schwäbische Maultaschen. Einer Legende nach bekamen die Mönche des Klosters Maulbronn im Dreißigjährigen Krieg ein großes Stück Fleisch geschenkt. Da allerdings gerade Fastenzeit war, war der Genuss desselben eigentlich untersagt. Also griffen die Ordensmänner zu einer List und versteckten das Fleisch klein gehackt und mit Kräutern sowie Spinat aus dem Klostergarten vermischt in Teigtaschen. So glaubten sie, dass der Herrgott ihre Sünde nicht sehen könne.

… Bubespitzle?

Noch ein Gericht mit zweideutigem Klang – was das wohl sein könnte? In manchen Regionen nennt man es auch Wargelnudeln, Dràdewixpfeiferl, Schoppala oder Fingernudeln. Die geläufigste Bezeichnung ist aber wohl Schupfnudeln. Diese hat ihren Ursprung in der Herstellungsweise: Der Kartoffelteig wird ­zwischen den gewölbten Handflächen hin und her gerollt. „Schupfen“ bedeutet in etwa „anstoßen“ oder „stupsen“. Schupfnudeln werden besonders gerne in Süddeutschland sowie auch in Österreich und der Schweiz gegessen und schmecken sowohl deftig wie auch süß.

… Nonnenfürzchen?

Zwar ranken sich um die Entstehungsgeschichte der Nonnenfürzchen oder auch Nonnenfürzle einige „windige“ Legenden, doch wie so oft lässt sich die Herkunft des Wortes nicht mehr genau rekonstruieren. Es bedeutet in etwa „von den Nonnen am besten zubereitet“. Das Gebäck besteht aus Brandteig, der in kleinen Portionen in heißem Fett ausgebacken und anschließend in Zucker gewendet wird. Die Nonnenfürzchen werden vornehmlich in Süddeutschland ­traditionell zur Fastnachtszeit gebacken.

… Tote Oma?

Man hatte schon einen skurrilen Humor in der DDR, als man diesem gutbürgerlichen Gericht den Namen „Tote Oma“ verlieh. Gemeint ist Grützwurst mit Sauerkraut und Salzkartoffeln. Optisch macht die Grützwurst – eine Mischung aus Blutwurstbrät, Brühe, Zwiebeln, Semmelbröseln und Speck – wirklich nicht viel her, doch geschmacklich kann sie durchaus überzeugen! Kein Wunder, dass Tote Oma auch heute noch viele Fans in den östlichen Bun­desländern hat. Übrigens: Manch einer bezeichnet ­dieses Gericht auch als „Verkehrsunfall“.