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mio, mein Globus-Magazin

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Familienbande

Was verbindet Enkel und Großeltern wirklich? Wir haben drei Menschen nach ihrer ganz persönlichen Geschichte gefragt.

Miteinander sein, voneinander lernen

Großeltern und Enkel haben oftmals eine besondere Beziehung. Wir fragen uns: Was kann Alt von Jung lernen, wie lassen sich Barrieren abbauen und worin besteht die Verantwortung des Großelternseins? Drei Personen aus unterschiedlichen Generationen erzählen ihre persönliche Geschichte und beschreiben, worin die Bereicherung von generationenübergreifenden Bindungen besteht.

Mit der Großelterngeneration verbinden wir in der Regel positive Gefühle und Erinnerungen. Ob nun das lange Aufbleiben am Abend, die oftmals unbegrenzte Zuckerzufuhr oder ganz einfach das beste Essen der Welt – der Besuch bei den Großeltern war meistens eine unbeschwerte und glückliche Zeit. Das liegt mitunter daran, dass die Beziehung zwischen Enkeln und Großeltern unbelasteter ist als zwischen Eltern und Kindern. Man muss nicht die alltäglichen Konflikte austragen, da die Großeltern primär für Spaß und Freizeitgestaltung zuständig und in vielen Situationen nachsichtiger sind als die Eltern, die ihren Erziehungsauftrag erfüllen wollen und manches etwas konsequenter handhaben. Oft sind die etwas strengeren Eltern später umso nachsichtigere Großeltern, was wohl daran liegt, dass Großeltern von Grund auf eine andere Rolle erfüllen sollen – nämlich zu verwöhnen.

Das macht Spaß! Der Besuch bei Oma und Opa bedeutet für viele Enkelkinder eine unbeschwerte und glückliche Zeit.

Die positiven Erfahrungen, die das geborgene Heim der eigenen Großeltern bietet, bleiben immer mehr Kindern verwehrt, da sich mit der Zeit auch die familiären und gesellschaftlichen Strukturen verändert haben. Während sich die Großeltern vor 50 Jahren noch vollständig den Bedürfnissen der Enkel widmen konnten, wohnen Oma und Opa heute zum Teil weit entfernt und sind häufig noch berufstätig. Studien beweisen, dass die Paare mit Kindern am glücklichsten sind, die in der Nähe der Großeltern wohnen – ein Fakt, den viele Eltern sicher unterschreiben würden. Geografische Nähe lässt eben mehr Hilfe und Unterstützung zu, als es über die Distanz möglich wäre. Auch eine emotionale Distanz und unterschiedliche Vorstellungen vom Leben können zum Problem werden. Oft können sich die „Jungen“ nur schwer in die Lebenswelt der „Alten“ hineinversetzen
und umgekehrt. Während die Älteren (wie wohl schon alle Generationen zuvor) den zunehmenden moralischen
Zerfall der Jugend beklagen, wehren sich die jüngeren Generationen gegen die Bevormundung durch ältere Familienmitglieder.

So ist die Beziehung zwischen den Generationen ein Quell starker Verbundenheit und birgt gleichzeitig viel Konfliktpotenzial. Aus diesem Grund ist die Generationenfrage eines der ältesten Themen, aber heute aktueller denn je: Der demografische Wandel ist eine zentrale gesellschaftliche Herausforderung der nächsten Jahrzehnte. Deshalb ist es umso wichtiger, dass Jung und Alt einander helfend zur Seite stehen. Wie solche Unterstützung und Verbundenheit zwischen den Generationen aussehen kann, zeigen die persönlichen Geschichten unseres Dossiers, die von Vorbildern, Freiräumen und besonderen Bindungen erzählen.

Theresa Paeschke ist 26 Jahre alt und wurde seit ihrem ersten Lebensjahr regelmäßig von ihrer Tagesmutter betreut. Auch heute noch haben beide engen Kontakt. Theresa wünscht sich später für ihre Kinder, dass sie genauso gerne Zeit mit ihren Großeltern verbringen, wie sie es mit ihrer
Ersatzoma getan hat.

„Sie vereint alle Qualitäten einer Oma“

„Zu den Großeltern mütterlicherseits hatte ich immer regelmäßig Kontakt, da ich nach der Trennung meiner Eltern die Ferien mit meiner Mutter bei meinen Großeltern in Berlin verbrachte. Obwohl meine Großeltern väterlicherseits um einiges näher gewohnt haben, waren diese Treffen seltener und es gab keine große Chance, eine Bindung aufzubauen, da beide bereits vor meinem zehnten Lebensjahr gestorben sind. Eine tiefere und bedeutendere Beziehung hatte ich im Gegensatz zu den verwandtschaftlichen Banden zu einer ganz anderen Frau: Ob man sie nun Tagesmutter oder Ersatzoma nennt – Ilse hatte für mich alle Qualitäten, die eine wahrhaftige Großmutter ausmachen. Meine Mutter war gerade schwanger, als sie meine zukünftige Tagesmutter durch ihre Arbeit kennenlernte. Ilse war damals 50 Jahre alt, bereits im Ruhestand und ihre eigenen Kinder waren aus dem Haus, als sie begann, regelmäßig auf mich aufzupassen. Nicht nur wegen ihres ‚großmütterlichen‘ Alters habe ich sie von Anfang an als Oma gesehen, sondern weil sie für mich die klassische Großmutter verkörperte: Wir machten besondere Ausflüge an den Nachmittagen, sie kochte mir extra Mittagessen, wenn das Essen in der Schule nicht schmeckte, und generell waren die Regeln immer etwas lockerer als zu Hause. Nach gut 25 Jahren hat sich unsere Beziehung zwar verändert, ist aber immer noch so eng wie zuvor. Ich will nicht sagen, dass wir unsere Rollen getauscht haben, aber ich habe ihr gegenüber Verantwortungsbewusstsein entwickelt. Sie hat mir früher als Kind so viel gegeben, weswegen ich ihr nun ein Stück zurückgeben möchte, indem ich ihr im Haushalt oder am Computer helfe. Obwohl ich vom Alter natürlich eher die Rolle der Enkelin einnehme, war ich für Ilse jedoch immer die Tochter, die sie nie hatte, da sie selbst drei Söhne hat. Unser Verhältnis ist genauso eng wie das zu ihren eigenen Enkeln. Durch das Zusammensein mit ihr habe ich vor allem gelernt, wie wichtig es ist, seinen Mitmenschen einen Gefallen zu erweisen, Hilfe anzubieten und stets füreinander da zu sein. Genau diese Werte möchte ich später auch meinen Kindern weitergeben."

„Früher war es nicht besser, sondern anders“

„Zu meiner Zeit als junger Familienvater war es normal, dass die ganze Familie in einem Haus gewohnt hat. Auch meine Schwiegermutter hat damals noch bei uns gelebt und meine vier Kinder hatten ständig Kontakt zu ihr. Mit der Zeit verändert sich auch das Miteinander – heute würde ich mich gegenüber meinen Kindern anders verhalten, als ich es damals getan habe. Ich habe mich eben der Zeit angepasst und gehe dementsprechend mit meinen Enkeln und Urenkeln um. Außerdem gewinnt man bei seinen Kindern an Erfahrung und weiß, was man bei den Enkeln anders machen möchte. Ich habe durch meine Enkel und Urenkel vor allem gelernt, weniger ängstlich zu sein. Früher war ich in vielen Dingen sehr vorsichtig, aber Kinder wissen oft selbst, was gefährlich ist. So bin ich mit jeder Generation etwas ruhiger geworden.
Es ist für mich heute leichter, mit meinen Urenkeln zu spielen, nicht nur weil die heutige Auswahl an Spielzeug nahezu grenzenlos ist, sondern weil ich mich auch nicht in der Rolle des Erziehers sehe. Meine Frau und ich wollten damals nicht, dass sich unsere eigenen Eltern in die Erziehung unserer Kinder einmischen, und genauso halte ich es auch heute mit meinen Kindern und Enkeln. Großeltern sollen dafür sorgen, dass sich jeder wohlfühlt und alle mit Freude kommen. Es wäre das Schlimmste für mich, wenn meine Enkel und Urenkel mich nicht gern besuchen würden. Ich begrüße es zwar, dass Jung und Alt möglichst nah beieinander wohnen, aber jeder braucht dennoch seine Freiräume. Man muss die Meinung der Jungen respektieren, nur so können die Generationen friedlich zusammenleben. Schließlich war früher nicht alles besser, es war einfach eine andere Zeit. Genau das möchte ich an die Generationen nach mir weitergeben: Auch wenn man einmal anderer Meinung ist, muss man stets zusammenhalten. Das Wissen, sich auf die Familie verlassen zu können, gibt Sicherheit – und je größer die Familie ist, umso besser!“

Albert Wenke ist 85 Jahre alt und seit sechs Jahren Witwer. Zu seinen nachfolgenden Generationen zählt er gegenwärtig vier Kinder, sechs Enkel und zwei Urenkel. Ihm ist es besonders wichtig, dass jeder „Neuzugang“ in seiner Familie freundlich aufgenommen wird. Deswegen sind auch die Partner seiner sechs Enkelinnen immer herzlich willkommen und können bei jedem Familienfest tatkräftig mitfeiern.

Peter Zens ist 41 Jahre alt und betreibt einen Erlebnisbauernhof, den Gertrudenhof in Hürth bei Köln. Er hat sein Leben lang ein enges Vertrauensverhältnis zu seinem Großvater genossen und viele Neuheiten auf dem Hof eingeführt, denen Eltern und Großmutter zunächst oft skeptisch gegenüberstanden – aber sein Opa hat ihn tatkräftig unterstützt.

„Mein Opa war mein Vorbild“

Unser Hof ist ein Familienbetrieb. Insofern war die Situation eine andere als bei vielen Stadtkindern heute. Ich habe meine Großeltern nie als Gäste erlebt. Sie waren einfach immer da, genauso wie meine Eltern. Bis ich zehn war, lebte sogar noch mein Urgroßvater. Er war für mich in meiner Kindheit mein bester Freund. Zum Einschlafen hat er mir von früher erzählt. Das war spannender, als Märchenbücher es je hätten sein können! Ein besonders wichtiger Mensch war für mich auch mein Opa, der leider im vergangenen Sommer im Alter von 88 Jahren gestorben ist. Mein Vater ist Landwirt mit Leib und Seele, aber mein Opa war für seine Zeit ein Visionär, der mich als Unternehmer sehr geprägt hat. Er hat schon in den 1950er-Jahren erkannt, dass die Lage im Ort für den Hof zu beengt war. Also hat er ihn an den Stadtrand verlegt, wo der Betrieb nach und nach wachsen konnte. Obwohl er sein Leben lang viel gearbeitet hat, hat er sich für mich immer Zeit genommen. Es war ihm nie egal, was ich machte. Mein Opa war es, der dafür gesorgt hat, dass ich mit drei Jahren schwimmen lernte. Wenn ich Ideen hatte, hat er mir geholfen, sie zu verfolgen. Das war schon so, als ich mit sechs Jahren am Straßenrand Tulpen verkaufen wollte, die meine Familie eigentlich für den Großmarkt anbaute. Er hat beobachtet, wie ich das machte. Als er sah, dass ich es mit meinen sechs Jahren schon schaffte, auch auf 50-Mark-Scheine richtig rauszugeben, hat er mich gelassen. Aus dem Blumenstand unter dem Sonnenschirm ist heute ein Erlebnisbauernhof mit Direktvermarktung geworden, zu dem an den Wochenenden zahlreiche Familien aus dem Kölner Umland kommen. Für meinen Opa waren meine neuen Ideen nicht immer leicht, aber er hat sie trotzdem angenommen und unterstützt. Und auch menschlich habe ich viel von ihm gelernt. Er hatte eine sehr hohe Sozialkompetenz, auch wenn er diesen Ausdruck nie verwendet hätte. Ein einfacher Mensch war ihm genauso wichtig wie ein bedeutender. Er war lustig, schelmisch und ich habe ihn nie miesepetrig erlebt. Für mich war er ein echtes Vorbild.“

Begegnungsstätte für Groß und Klein

Mehrgenerationenhäuser basieren auf dem Wunsch, das Miteinander und die gegenseitige Unterstützung von Jung und Alt neu zu beleben. Sie werden als offener Ort zum zwischenmenschlichen Austausch genutzt. Lern-, Betreuungs- und Kreativangebote stehen ebenso auf dem Programm wie Weiterbildungen, Sprachkurse und gemütliches Beisammensein. Jeder ist willkommen!

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend unterstützt die derzeit 540 Häuser deutschlandweit. Unter mehrgenerationenhaeuser.de können Sie die Einrichtungen
in Ihrer Nähe kennenlernen