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Lang lebe die Liebe

Was Paare stark macht

Lang lebe die Liebe

Gibt es sie noch, die große Liebe? Natürlich, sagen Romantiker. Jein, sagt die Statistik: Eine Ehe hält in Deutschland im Schnitt 14,8 Jahre. Nicht gerade lang, auf die Lebenszeit gesehen. Und doch ist die Hoffnung auf die wahre, ewige Liebe groß. Wir haben Paare gefragt, wie sie ihre Beziehung lebendig halten – und Paarberater Ralf Grabowski verrät, wie wir in Beziehungen langfristig glücklich bleiben.

Sagt mal, wie macht ihr das?


„IMMER KLARTEXT REDEN“

Kathrin und Marco

Das Besondere an unserer Beziehung: Wir sind seit über zwölf Jahren ein Paar und genauso lange arbeiten wir auch schon gemeinsam als Köche. Kennengelernt haben wir uns auf der Arbeit. Zusammengekommen sind wir aber erst acht Jahre später. Kurz nachdem Marco seine eigene Catering-Firma gegründet hatte, stieg Kathrin mit ein. Obwohl jeder einen ganz eigenen Kochstil hat, lernten wir schnell, wie wir die Aufgaben durch unsere Stärken und Vorlieben am besten verteilen. Heute läuft das – zumindest meistens – ohne große Absprache. Die Trennung zwischen Privatem und Beruflichem ist natürlich eine Herausforderung und gelingt auch uns nur bedingt, gerade weil wir unregelmäßige Arbeitszeiten haben und die Büroarbeit oft in der Freizeit anfällt. Unser Geheimnis, damit es funktioniert, ist zum einen, dem Partner Freiräume für eigene Hobbys zu lassen und ihn darin zu unterstützen. Zum anderen, immer Klartext miteinander zu sprechen und nichts aufzuschieben, auch wenn es eine Kleinigkeit zu sein scheint. Das gehört nun mal dazu und tatsächlich diskutieren wir auch ganz gerne miteinander. Nur nachtragend wollen wir nicht sein. So können wir nach einem Streit wieder ganz normal miteinander reden. Wichtig finden wir auch, sich kleine Inseln im Alltag fernab der Arbeit zu schaffen, die nur für die Zeit mit dem Partner oder der Familie gedacht sind. Unsere schönste gemeinsame Erinnerung ist die Geburt unseres Sohnes. Zusammen mit ihm haben wir uns 2018 eine viermonatige Auszeit genommen und sind im Wohnmobil durch Europa gereist.

„DIE SEITE DES PARTNERS VERSTEHEN“

Lynnette und Hanno

Wir haben uns vor über zehn Jahren in der Schule ineinander verliebt. An unserer Beziehung schätzen wir, dass wir viel zusammen lachen und immer versuchen, das Positive im Leben zu sehen. Das funktioniert natürlich nicht immer gleichermaßen, aber gerade dann unterstützen wir uns gegenseitig und helfen einander. Wichtig ist uns auch, dass wir alles ansprechen – selbst unangenehme Themen, die den anderen vielleicht auch mal verletzen können. Nur so lassen sich Missverständnisse und ungute Gefühle vermeiden. Wir gehen gerne lange spazieren und sprechen dabei sehr viel, auch über vergangene Meinungsverschiedenheiten. Das tut uns sehr gut und hilft dabei, den Partner besser zu verstehen. Wenn es mal kracht, geht Hanno ein bisschen an die frische Luft. Das fällt Lynnette im ersten Moment zwar schwer, doch der kurze Abstand hilft, den Streit zu rekonstruieren und sich in die Lage des anderen zu versetzen. Im Streit schlafen gehen wollen wir nicht. Schließlich ist niemand perfekt und jeder Mensch macht Fehler. Deswegen können wir nach einem Streit oft herzhaft über diese Banalitäten lachen. Unsere schönste gemeinsame Erinnerung ist unsere Reise nach Korsika im umgebauten Transporter. Auf der Insel verlobten wir uns auch. Aber natürlich schätzen wir nicht nur die entspannten Tage am Meer miteinander. Alltäglichkeiten wie unsere Begeisterungsfreude und diese mit dem jeweils anderen teilen zu können, machen uns besonders glücklich.

INTERVIEW


"JEDER SOLLTE AUS SICH SELBST HERAUS EIN GLÜCKLICHES LEBEN FÜHREN – DIE PARTNERSCHAFT KANN DANN DAS SAHNEHÄUBCHEN SEIN."

Ralf Grabowski ist Paarberater und Gestalttherapeut mit eigener Praxis in Darmstadt. Beratungen bietet er auch online an: www.grabowski.de

WAS IST DAS GEHEIMNIS LANGFRISTIG GLÜCKLICHER BEZIEHUNGEN?
Darauf gibt es keine universal gültige Antwort. Ich glaube, es braucht Freiheit. Wer öfter sein eigenes Ding macht, kann den anderen auch wieder neu erleben und für ihn interessant bleiben. Jeder sollte aus sich selbst heraus ein glückliches Leben führen – die Partnerschaft kann dann das Sahnehäubchen sein. Ein weiteres zentrales Geheimnis von langjährigen Beziehungen ist in meinen Augen, kein Rechthaber zu sein. Man muss Kompromisse eingehen, Bedürfnisse abwägen und flexibel bleiben. Eine gewisse Gelassenheit und Nachsicht ist genauso angebracht, damit sich Paare nicht an Kleinigkeiten wie liegen gelassenen Socken oder der berühmten offenen Zahnpastatube aufreiben, sondern über solche Dinge hinwegsehen können. Schließlich hat jeder so seine Eigenarten oder Angewohnheiten.

WELCHE TIPPS HABEN SIE FÜR PAARE?
Im Kontakt miteinander zu bleiben ist eine wichtige Zutat für eine gelingende Beziehung. Wichtig ist deshalb eine möglichst große Offenheit dem anderen gegenüber. Paare sollten lernen, sich über die individuellen Vorstellungen, Ärgernisse und Wünsche auszutauschen. Dazu gehört Selbstreflexion, denn nur wer seine eigenen Bedürfnisse wahrnimmt, kann sie auch kommunizieren. Unangenehme Dinge auszusprechen und Konflikte zu bewältigen, kann man lernen – zum Beispiel durch Bücher, Podcasts, (Online-)Kurse oder eine Paarberatung. Man muss nicht einer Meinung sein, aber sollte zu seinen Ansichten stehen und offen für die des anderen sein. Kritik und Unterschiede zwischen den Partnern auszuhalten, fällt oft schwer. Doch wir sollten uns bewusst machen, dass je nach Lebensphase auch mal völlig unterschiedliche Bedürfnisse aufeinanderprallen und dass es zu Meinungsverschiedenheiten kommt – wir sollten trotzdem im Gespräch bleiben, um die Verbundenheit nicht zu verlieren.

EINE EHE HÄLT IN DEUTSCHLAND IM SCHNITT RUND 15 JAHRE, DIE SCHEIDUNGSRATE LIEGT BEI FAST 40 PROZENT. GEBEN VIELE ZU FRÜH AUF?
Unsere Erwartungen an die Liebe sind sehr überfrachtet. In vielen Köpfen herrscht der Glaube an die ewige romantische Liebe vor, die immer schön, aufregend und rundum erfüllend sein muss. Es wird ja immer wieder suggeriert, dass es den Einen gibt, mit dem man immer glücklich ist. Wenn das dann nicht so ist, wird oft zu schnell aufgegeben und nach etwas Neuem gesucht, statt gemeinsam den Weg weiterzugehen und zu schauen, was man verändern kann. Doch wir sollten nicht vergessen: Liebe verändert sich und das ist auch gut so. Es kann nicht immer aufregend und erfüllend sein. Fühlt man sich im Laufe der Zeit unwohl oder gelangweilt, sollte man sich fragen: Was brauche ich gerade? Was hätte ich gern anders? Was kann ich verändern? Wichtig ist, das Gespräch zu suchen.

WAS SIND HEUTZUTAGE TYPISCHE HERAUSFORDERUNGEN FÜR PAARE?
In der Rushhour des Lebens wird der Stress enorm. Man muss also ganz viel unter einen Hut kriegen – Arbeit, Familie, Haushalt, Freizeit, Partnerschaft, das eigene Leben –, doch unsere Energie und Zeit sind endlich. Gerade wenn Kinder kommen und sich das Gefüge zwischen Beruf und Familie verändert. Auch wenn Kinder ausziehen und das Paar auf sich zurückgeworfen wird, kann eine jahrelange Vernachlässigung der Partnerschaft sichtbar werden. Deshalb ist es wichtig, sich bewusst zu machen, dass es solche Phasen und Schwierigkeiten geben kann. Gerade Eltern sollten sich bewusst Auszeiten nehmen, in denen sie ganz Paar sein können und nicht als Mama und Papa agieren.

WAS KÖNNEN PAARE TUN, WENN ES IM ALLTAG ZUNEHMEND KRISELT?
Zu mir kommen (lacht). Je früher ein Paar zur Beratung kommt, desto besser. Dann ist es ein kurzer Prozess mit wenigen Sitzungen, oft auch in längeren Abständen. Die richtigen Impulse von außen können schon viel bewirken. Wenn Konflikte den Alltag beherrschen, geht es oft um alte Kränkungen und tieferliegende Verletzungen. Oft geht es auch um Dinge, die man aus der eigenen Vergangenheit mitbringt. Da braucht es viel Selbstreflexion, damit man nicht dem Trugschluss erliegt, der andere wäre einfach der falsche Partner. Denn viele Muster nimmt man automatisch mit in die nächste Beziehung, wo sie früher oder später wieder zum Hindernis werden können. Man kann es auch philosophisch sehen: Gerade wenn man denkt, der andere sei der oder die Falsche, kann das Gegenteil zutreffend sein. Vielleicht ist der andere genau der Richtige, um selbst etwas zu lernen und über sich hinauszuwachsen.

Podcast-Tipp

Erfrischend, ehrlich, erkenntnisreich: Im Podcast „Paaradox“ geben Oskar und Claudia Clasen-Holzberg Einblick in ihre über 30-jährige Erfahrung als Eheberater und Ehepaar.

Überall verfügbar, wo es Podcasts gibt.

Liebe in Zahlen


Die berühmten drei Worte

… werden laut Forschern zuerst von Männern gesagt. Denn die lassen sich im Schnitt nur 88, Frauen dagegen sogar 134 Tage Zeit, „Ich liebe dich“ zu sagen.

Auf Wolke sieben

… scheinen Verliebte zu schweben. Das Gefühl von Schwerelosigkeit und das Dauergrinsen werden durch Hormone freigesetzt, die mit einem Drogenrausch vergleichbar sind.

Das verflixte siebte Jahr

… gibt es tatsächlich. Seit 2008 wurden die meisten deutschen Scheidungsanträge nach sechs Ehejahren eingereicht.

Ganz viel Zeit

… lassen sich deutsche Paare mit dem Heiraten. Der Bund der Ehe wird bei 37 Prozent nach drei bis sieben Jahren, bei weiteren 32 Prozent sogar erst nach bis zu 15 Jahren geschlossen. Bei Männern liegt das mittlere Heiratsalter bei 33,6 Jahren, bei Frauen sind es 30,9 Jahre. Das kommt auch der Scheidungswahrscheinlichkeit zugute, denn die sinkt mit zunehmendem Alter bei der Eheschließung.

Liebevolle Tierwelt


Nicht ohne meine Freunde!

Liebe beschränkt sich nicht ausschließlich auf die Partnerschaft. Auch eine Freundschaft kann uns Vertrauen, Rückhalt und Respekt bieten, die uns stärken, motivieren und festigen. Voraussetzung dabei ist Ehrlichkeit und Verlässlichkeit, denn nur so bleiben wir authentisch und haben die Freiheit, uns so zu zeigen, wie wir sind. Dann ist es auch möglich, durch gute Freunde das Glücksgefühl enorm zu steigern, ohne dabei verliebt zu sein.

„Frollegen“ – Wenn Kollegen zu Freunden werden

Nicht nur in der Liebe, sondern auch im Beruf ist Zusammenhalt wichtig und macht vieles einfacher. Ein gutes Klima in Büro oder Werkstatt ist oft der Grundstein für erfolgreiches Arbeiten und stärkt das eigene Wohlbefinden. Denn oftmals sind es die Kollegen, mit denen man täglich die meiste Zeit am Stück verbringt. Warum dann also nicht das Beste daraus machen? Gerade im Beruf trifft man auf Menschen, die einen ähnlichen Werdegang mit gleichen Interessen haben. Darauf kann man aufbauen! Aber Achtung: Gute Zusammenarbeit bedeutet nicht automatisch Freundschaft. Das gilt vor allem bei unterschiedlichen Hierarchien. Mehr als ein gutes Arbeitsklima dürfen Sie nicht fordern und müssen sie auch nicht gewährleisten. Alles weitere bleibt freiwillig.

So klappt’s mit den Kollegen

  • Offenheit ist das A und O. Schon ein Lächeln oder ein nettes Wort können Wunder bewirken. Gerade bei neuen Kollegen sollten Sie besonders auf Ihren Ton achten, denn diese kennen Ihre Art noch nicht und könnten daher die Situation falsch interpretieren. Auch Humor ist unterschiedlich und zunächst mit Vorsicht zu genießen.
  • Bieten Sie Hilfe an. Wer nicht nur an sich denkt, sondern bereit ist, auch etwas für andere zu tun, schafft Vertrauen und findet Verlässlichkeit, wenn er selbst Unterstützung braucht. Dies sollte sich aber im Rahmen halten, damit sich niemand ausgenutzt fühlt.
  • Zeigen Sie Interesse und stellen Sie gezielt Fragen. Nur so ist es möglich, Gemeinsamkeiten zu entdecken und den anderen richtig einzuschätzen. Setzen Sie aber auch bewusst Grenzen, indem Sie bestimmte Themen nicht mit den Kollegen besprechen und sprechen Sie im Gegenzug offen an, falls Ihnen die Offenheit des anderen unangenehm wird.
  • Üben Sie ausschließlich konstruktive Kritik und setzen Sie sichmauch mit den Vorschlägen anderer zu Ihrer eigenen Person auseinander. Dabei sollte immer nur die Verbesserung auf Berufsebene im Fokus stehen, nicht die persönlichen Gefühle dem anderen gegenüber. Sollten Sie einen Lieblingskollegen haben, ist es wichtig, auch die anderen trotzdem einzubeziehen. Sonst kann es zu erhöhtem Konkurrenzverhalten führen und Ihre Objektivität beeinträchtigen.