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Atemnot

Dr. med. Kai-Uwe Reinert über Ursachen, Diagnose und Therapieformen von Kurzatmigkeit

Atemnot

Kurzatmigkeit oder Atemnot ist ein häufiges und oft beängstigendes Zeichen einer Erkrankung. Sie sollte in jedem Fall ernst genommen werden, auch wenn sie nur gelegentlich auftritt. Die zugrunde liegende Erkrankung kann schwer und lebensbedrohlich sein, es kann sich aber auch um eine harmlose funktionelle Störung handeln.

In den meisten Fällen ist ein verstärktes Auftreten der Symptome zu beobachten, wenn der Patient körperlichen Belastungen ausgesetzt ist. Sind zunächst intensive körperliche Anstrengungen nötig, um Kurzatmigkeit und Atemnot auszulösen, genügen hierfür im fortgeschrittenen Stadium bereits geringe Anstrengungen. Die Bandbreite subjektiv empfundener Luftnot reicht von Erschwerung der Atmung über Beklemmungsgefühle bis hin zu Erstickungsängsten. Dadurch kann die bestehende Luftnot zusätzlich verstärkt und ungünstig beeinflusst werden.

Was tun bei Luftnot?

Da das Symptom Luftnot durch die unterschiedlichsten Erkrankungen ausgelöst werden kann, erfordert es manchmal eine sehr schnelle notfallmäßige Abklärung, zum Beispiel bei Lungenembolie, Herzinfarkt oder Asthma-Anfall. In den meisten Fällen hat man jedoch Zeit, einen Arzt aufzusuchen.

Fühlt sich der betroffene Mensch durch das plötzliche Auftreten von Atemnot lebensgefährlich bedroht, rechtfertigt dies immer einen Notruf. Bei eher schleichend auftretendem Gefühl der Atemnot sollte man diese zügig abklären lassen, am besten durch eine Voruntersuchung beim Hausarzt, der dann entscheidet, wann welcher Spezialist zur Abklärung hinzugezogen werden soll.

Beim Auftreten von Atemnot gilt: Ruhe bewahren, andere Personen verständigen oder um Hilfe bitten.

In allen Fällen gilt jedoch: Ruhe bewahren, andere Personen verständigen oder um Hilfe bitten, selbst überprüfen, ob man schlechter ein- oder ausatmen kann und wie schnell das Herz (der Puls) schlägt. Diese Angaben sind später wichtig für den behandelnden Arzt, um Hinweise auf die Ursache der Atemnot zu erlangen. Fast alle Ursachen der Atemnot sind heute behandelbar, teilweise zu heilen, auf jeden Fall zu lindern. Deshalb sollte man nicht zögern, ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Damit Sie das Symptom Luftnot in all seinen Facetten verstehen können, will ich Ihnen wichtige medizinische Informationen dazu geben.

Atemnot ist ein Gefühl

Atemnot ist ein Gefühl! Und es gibt keine Eichskala für dieses Gefühl, ähnlich wie für den Schmerz. Gefühl ist ein subjektives Erleben einer in diesem Falle negativen, oft als lebensbedrohlich empfundenen Körperfunktionsstörung. Die Entstehung des Gefühls Atemnot ist komplex und noch nicht in allen Einzelheiten verstanden. Am ehesten passt die Beschreibung, dass man fühlt, mehr atmen zu müssen, als man kann – in einer Situation, in der man dies normalerweise nicht erlebt hat. Das heißt, dass selbst ein Olympiasieger am Ende einer sportlichen Leistung schwer atmet und um Luft ringt. Dies ist für ihn normal und er fühlt sich dadurch nicht krank. Wenn er das gleiche Gefühl aber beim Treppensteigen erlebt, dann weiß er, dass mit ihm etwas nicht stimmt und sein Gehirn interpretiert das gleiche Gefühl als krankhafte Atemnot. Wichtig ist dabei, dass Atemnot nicht gleich Sauerstoffmangel ist, sondern mehr der Arbeit entspricht, die der Körper in die Atmung investieren muss. Die Menge der Atemarbeit, die für eine bestimmte Leistung des Körpers erforderlich ist, sei es in Ruhe, bei leichter oder schwerer Belastung, entscheidet, ob das Gefühl der Atemnot ausgelöst wird.

Warum müssen wir eigentlich atmen?

Unter Atmung verstehen wir im weitesten Sinn den Austausch von Gasen zwischen der Umwelt und einer Lebensform. Diese Lebensform können kleinste einzellige Lebewesen sein – dann tauschen sie die Atemgase über ihre gesamte Oberfläche aus – oder es sind komplexe Lebensformen wie zum Beispiel Fische oder Säugetiere und Menschen – dann brauchen sie Organe, welche den Austausch der Atemgase für den gesamten Körper gewährleisten.

All diesen Lebensformen gemeinsam ist die Tatsache, dass sie das Atemgas Sauerstoff benötigen, um die zum Leben notwendige Energie zu erzeugen. So wie wir im Alltag Kohle, Holz oder andere Kohlenstoffverbindungen (Benzin, Erdgas) unter Zufuhr von Sauerstoff zur Energiegewinnung verbrennen (= oxidieren), tut dies unser Körper auch. Die Brennstoffe sind dabei in erster Linie Fette und Zuckerverbindungen, also die bekannten Kohlenhydrate. Diese werden durch Zufuhr von Sauerstoff (O2) verbrannt. Dies geschieht natürlich nicht mit einer offenen Flamme, sondern in einer chemisch kontrollierten Reaktion. Die Abwärme heizt unseren Körper auf durchschnittlich 37 Grad Celsius. Als Ergebnis der Verbrennung von Kohlenhydraten entstehen neben der gewünschten Energie die Abfallprodukte Wasser und Kohlendioxid (CO2). Wasser kann unser Körper immer gut verwenden, von dem erzeugten Kohlendioxid muss er sich aber trennen. Da CO2 ebenfalls ein Gas ist, kann er dieses über das gleiche Atemorgan abatmen, mit dem er Sauerstoff aufnimmt: die Lungen.

Womit atmen wir?

Letztlich atmet in uns jede Körperzelle, das heißt, sie nimmt Sauerstoff auf, verbrennt damit Kohlenhydrate zur Energiegewinnung und scheidet Wasser und CO2 aus. Diesen Vorgang nennen wir innere Atmung. Wir brauchen aber Organe, die alle zur Energieerzeugung notwendigen Stoffe dem Körper zur Verfügung stellen und sie zu den Körperzellen beziehungsweise die Abfallprodukte von diesen wieder wegtransportieren. Diese Organe sind beim Menschen die Lungen sowie das Herz-Kreislauf-System mit dem darin enthaltenen Blut. Die Lungen tauschen für all die Billionen Körperzellen die Atemgase Sauerstoff und Kohlendioxid mit der atmosphärischen Umgebungsluft aus (dies ist die äußere Atmung), Herz und Blutkreislauf transportieren sie zu den Körperzellen. Diese tauschen die Gase mit dem Blut beziehungsweise Gewebswasser aus (innere Atmung). Das verbrauchte Blut fließt wieder zum Herzen zurück, wird durch die Lungen gepumpt, gibt dort CO2 ab, nimmt Sauerstoff auf und wird so aufgefrischt wieder in den Körper gepumpt. Das Verdauungssystem versorgt den Körper ebenfalls über den Blutweg mit den notwendigen Brennstoffen.

Nun geschieht dies alles nicht einfach so, sondern es müssen Pumpsysteme und Muskelarbeit eingesetzt werden. Im Falle des Kreislaufs ist die Pumpe ziemlich jedem bekannt, es ist der Herzmuskel, ein unermüdlicher Hohlmuskel, der das Blut durch die Adern des Körpers pumpt. Im Falle der Atemluft ist das Pumpsystem etwas vielfältiger. Der Hauptatemmuskel ist das Zwerchfell, eine dünne, aber ebenfalls unermüdliche Muskelplatte zwischen Brustkorb und Bauch, die durch Absenken und Erschlaffen die Lungen belüftet. Zusätzlich beteiligt sind insbesondere bei verstärkter Atmung die Rippenmuskeln, die Muskeln von Bauch und Rumpf, sogar die Halsmuskulatur kann in den Dienst der Atmung gestellt werden. Gesteuert wird dies alles von einem Nervenzentrum im Hirnstamm, dem Atemzentrum.

Welche Krankheiten können zu Atemnot führen?


Wenn man sich die obigen Erläuterungen klar macht, ergibt sich daraus zwangsläufig, welche Erkrankungen zu Atemnot führen. Prinzipiell sind es alle Störungen oder Erkrankungen, welche die äußere Atmung, das Kreislaufsystem und die innere Atmung betreffen. Bei Störungen versucht unser Atemsystem immer, diese durch Mehrarbeit auszugleichen. Dies erzeugt das Gefühl der Atemnot.

Erkrankungen der oberen Atemwege (Nase bis Kehlkopf)

Verstopfte Nasen, insbesondere anfallsartig oder saisonal wie bei Infekt-Schnupfen oder Heuschnupfen, können zu Atemnot führen, selbst wenn man frei über den Mund atmen kann. Relativ unbekannt, aber gar nicht so selten, sind Verkrampfungen des Kehlkopfes, die zur kurzfristigen Einengung der Stimmritze führen und hochgradige Luftnot auslösen können.

Erkrankungen der unteren Atemwege

Hierzu zählen alle Prozesse, welche die Luftröhre oder die Bronchien durch Druck von außen, durch Verkrampfung oder durch Verstopfung von innen einengen. Dies sind zum Beispiel ein großer Schilddrüsenkropf, Asthma bronchiale, COPD, eingeatmete Fremdkörper, Tumore in den Bronchien, wozu leider einer der häufigsten bösartigen Tumore überhaupt zählt: das Bronchialkarzinom.

Erkrankungen der Lungen
Es gibt eine Vielzahl von Erkrankungen, die sich im Bereich der kleinsten Bronchien (Bronchiolen) und Lungenbläschen abspielen. Man kann sie grob unterteilen in entzündliche Erkrankungen, typischerweise die klassische Lungenentzündung, aber auch viele andere Typen von Entzündungen, Staublungenerkrankungen, Lungenfibrosen und etliche seltene Erkrankungen. Die Lungentumore umfassen ebenfalls eine Vielzahl unterschiedlicher Typen.

Erkrankungen der Herz-Kreislauf-Organe
Alle Erkrankungen des Herzens (Klappenfehler, koronare Herzkrankheit, Herzmuskelentzündungen etc.) sowie Störungen der Kreislauffunktion sowohl im Lungenkreislauf (Lungenembolie, Lungenhochdruck) als auch im Körperkreislauf (arterielle Verschlusskrankheit, Bluthochdruck) führen früher oder später zu Atemnot. Auch das Fehlen des für den Sauerstofftransport notwendigen roten Blutfarbstoffs (Hämoglobin) bei Anämie (Blutarmut) löst Atemnot aus.

Erkrankungen des Zellstoffwechsels
Relativ selten sind Vergiftungen oder Erkrankungen, die den Energiestoffwechsel der Zellen betreffen, Auslöser für die Luftnot.

Neurologische Erkrankungen und psychische Ursachen von Luftnot
Da Atemnot ein Gefühl ist, können natürlich auch psychische Erkrankungen oder Ausnahmezustände (Hyperventilation) dieses Gefühl auslösen. „Mir bleibt die Luft weg“ ist ein geflügelter Ausspruch bei – meist negativen – Überraschungsmomenten. Allerdings gibt es auch ernste Erkrankungen des Nervensystems, die zu behinderter Atmung führen können.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer gut Luft bekommen. Und wenn dies einmal nicht der Fall sein sollte, helfen Ihnen diese Informationen vielleicht, die Atemnot einordnen und richtig behandeln zu können.

DR. MED. KAI-UWE REINERT ist Internist, Pneumologe und Allergologe. Er ist seit 1994 niedergelassener Facharzt auf dem Gebiet der Lungen- und Bronchialheilkunde in Saarbrücken. Seit über 20 Jahren ist er berufspolitischer Sprecher der saarländischen Pneumologen sowie stellvertretender Landesvorsitzender des Berufsverbandes der Pneumologen Rheinland-Pfalz und Saarland e. V.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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