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Chronische Verstopfung

Hilfe bei Verdauungsproblemen: So lassen sich Beschwerden lindern.

Chronische Verstopfung

Kennen Sie das? Sie müssen beim Toilettengang regelmäßig hart pressen, haben sehr festen oder klumpigen Stuhl, Sie haben das Gefühl, Ihr Darm entleert sich nicht vollständig oder Sie müssen manuell bei der Entleerung nachhelfen? Wenn Sie zusätzlich weniger als drei Stühle pro Woche haben und die gesamte Symptomatik seit mindestens drei Monaten besteht, leiden Sie an einer chronischen Verstopfung oder – in der Arztsprache – einer chronischen Obstipation.

Das Krankheitsbild ist nicht selten: Größenordnungsmäßig leiden etwa fünf bis zehn Prozent der Erwachsenen unter dieser Form von Verdauungsbeschwerden; Frauen deutlich häufiger als Männer, ältere Menschen häufiger als jüngere. Und auch wenn eine Verstopfungsneigung in aller Regel eine letztlich völlig ungefährliche Funktionsstörung des Verdauungstrakts darstellt (bitte vergessen Sie die Mär, Sie könnten sich innerlich vergiften!), so ist die Lebensqualität der Betroffenen doch dauerhaft empfindlich beeinträchtigt. Schauen wir also etwas genauer hin.

Welche Ursachen können einer chronischen Verstopfung zugrunde liegen?

Unser Verdauungstrakt, dessen „zentrales“ Organ der Darm darstellt, ist ein hochkomplexes Gebilde, das durch ein eigenes Nervensystem (manche sprechen auch vom Gehirn des Darms) gesteuert wird. Entsprechend vielfältig sind die Einfluss- und Störfaktoren auf unsere Verdauungstätigkeit. Einige Beispiele:

Bei Verstopfungen und Darmträgheit spielt Sport und Ernährung eine wichtige Rolle.

Unsere Ernährung

Trinkmengen unterhalb der empfohlenen Tagesdosis von eineinhalb bis zwei Liter begünstigen eine Obstipation gleichermaßen wie eine ballaststoff- und faserarme Kost – einerseits. Andererseits lässt sich leider durch eine Erhöhung der Trinkmenge über das Tagessoll eine Verstopfung ebenso wenig beheben wie durch unmäßige Zusatzrationen von Ballaststoffen.

Gleiches gilt für die körperliche Aktivität:
Immobilität begünstigt die Darmträgheit und sollte daher vermieden werden, überdurchschnittliches körperliches Training hat jedoch keinen weiteren stuhlregulierenden Effekt.

Wussten Sie, dass auch Medikamente hinter einer chronischen Verstopfung stecken können?

Eine ganze Reihe von Grunderkrankungen kann im Nebeneffekt eine chronische Obstipation hervorrufen, zum Beispiel Hormonstörungen (langjähriger Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion), neurologische und psychiatrische Erkrankungen (Parkinson, Multiple Sklerose, Depressionen), sogenannte funktionelle Erkrankungen (Reizdarmsyndrom) und nicht zuletzt leider auch bösartige Tumore wie zum Beispiel Darmkrebs.

Auch zahlreiche Medikamente führen zu Verstopfung, so zum Beispiel bestimmte Schmerzmittel, Präparate gegen Depressionen und Parkinson, entwässernde Medikamente, Blutdrucksenker oder auch Eisenpräparate – die Liste ist nicht abschließend.

Nicht zuletzt beeinflussen sicher auch unsere Lebensumstände (beruflicher Stress, Verschiebung des Tag-Nacht-Rhythmus, psychische Verfassung) unsere Verdauungsfunktion.

Die Erfahrung zeigt allerdings: Alle genannten Faktoren sind zwar durchaus sogenannte „Schrittmacher“, die eine Verstopfungsneigung auslösen oder auch verschlimmern können. Grundvoraussetzung zur Entwicklung einer Obstipation ist jedoch fast immer eine „Veranlagung“, gegen die sich der Betreffende nicht wehren kann. Mit anderen Worten: Wenn Sie an einer chronischen Obstipation leiden, haben Sie sich in der Regel nichts vorzuwerfen. Vermutlich essen Sie richtig, Sie trinken ausreichend und bewegen sich auch vernünftig. Leider löst dieses Wissen Ihr Problem nicht.

Was können Sie also tun, um der lästigen Verstopfung Abhilfe zu schaffen?

Therapiemöglichkeiten der chronischen Obstipation

Wenn Sie die vorgenannten Einflussfaktoren für sich geprüft und – soweit möglich – optimiert haben (zusätzliche Ballaststoffgabe, zum Beispiel Flohsamenschalen oder Weizenkleie), ohne dass sich Ihr Stuhlverhalten der Norm annähert, benötigen Sie medizinische Hilfe. Spätestens jetzt sollten Sie Ihr Problem mit Ihrem Arzt besprechen.

Eine wichtige Aufgabe des Arztes besteht zunächst darin, herauszufinden, ob Ihre Verstopfung, also Ihre (zu) niedrige Stuhlfrequenz, Ausdruck einer Verlangsamung der Darmpassage oder einer Störung der Darmentleerung ist.
Hinweise hierauf erhält Ihr Arzt durch die Beantwortung spezieller Fragen im Gespräch mit Ihnen. Häufig sind abhängig hiervon zusätzlich weitere Untersuchungsverfahren erforderlich, so zum Beispiel eine gynäkologische Untersuchung, eine Blut- und/oder Stuhlanalyse, eine Ultraschalluntersuchung der Bauchorgane, eine Darmspiegelung (Koloskopie) oder auch spezielle Untersuchungstechniken wie die Messung der Kolon-Transitzeit, eine Defäkographie oder eine anorektale Manometrie.

Liegt eine Störung der Darmentleerung vor, also eine Fehlfunktion des Entleerungsapparates von Mastdarm und Beckenboden, so kann im Einzelfall bereits eine veränderte Sitzhaltung auf der Toilette unter Zuhilfenahme einer Fußbank Erleichterung verschaffen. Führt auch dies nicht zum gewünschten Ergebnis, bleiben dann oft nur operative Maßnahmen, welche im Erfolgsfalle allerdings auch dauerhafte Heilung versprechen.

Wesentlich häufiger beruht die Obstipation auf einer verzögerten Darmpassage des Speisebreis. Diese Form der Obstipation wird nicht operativ behandelt – sie ist nach Optimierung der Störfaktoren (siehe oben) eine Domäne der medikamentösen Therapie. Dabei hat sich hier in den letzten Jahren ein Paradigmenwandel vollzogen: Wurden früher „Abführmittel“ offiziell geächtet (deswegen allerdings nicht weniger eingenommen), weil sie bei längerfristiger Anwendung angeblich den Darm lähmen und somit die Obstipation verschlimmern sollten, so ist der Einsatz stuhlregulierender Medikamente unter Führung des Arztes inzwischen nach Leitlinie fester Bestandteil der Therapie der chronischen Obstipation. Mittel der ersten Wahl sind dabei Macrogol, Bisacodyl und Natriumpicosulfat, daneben kommen die altbekannten Zuckerstoffe (Laktulose) und Anthrachinone zum Einsatz.

Ich persönlich empfehle meinen Patienten gerne auch die Einnahme von Glaubersalz. Der Geschmack ist sicher gewöhnungsbedürftig, die Wirkung jedoch garantiert und der Preis unschlagbar. Allerdings sollte Glaubersalz bei chronischen Herz- und Nierenerkrankungen nicht eingesetzt werden. Alle diese Präparate werden nach Wirkung dosiert, Sie erhöhen die Dosis also schrittweise so lange, bis sie sich zumindest jeden zweiten Tag weitgehend mühelos entleeren können.

Die früher weit verbreitete Annahme, die Einnahme von Abführmitteln könne den Darm schädigen, ist längst widerlegt. Die Einnahme, auch dauerhaft („lebenslang“) oder in der Schwangerschaft, gilt inzwischen nicht nur als unproblematisch, sie wird ausdrücklich in der Leitlinie empfohlen.

Auftretende Symptome sollten Sie, wenn sie neu auftreten, unbedingt mit Ihrem Arzt besprechen.

Vorsorge rettet Leben

Eines liegt mir noch am Herzen: Alles bisher Gesagte gilt ausschließlich für die chronische Form der Obstipation. Neu auftretende Änderungen des Stuhlverhaltens, gleich ob es sich dabei um eine Verstopfung, um Durchfall, um Verstopfung und Durchfall im Wechsel, um schmerzhafte Stuhlentleerungen, um Blut im Stuhl oder sonstige Änderungen Ihres gewohnten Stuhlverhaltens handelt: Alle diese Symptome sollten Sie, wenn sie neu auftreten, unbedingt kurzfristig mit Ihrem Arzt besprechen und weiter abklären lassen. Sie wissen vermutlich, warum: Die genannten Symptome können ein erster Hinweis auf Darmkrebs sein, dessen Heilungschancen maßgeblich vom Zeitpunkt der Diagnose abhängen. Besser noch, Sie gehen daher zur Darmkrebsvorsorge, bevor Sie Verdauungsprobleme entwickeln – entweder als Basismaßnahme durch eine Untersuchung des Stuhls auf verstecktes Blut oder, verlässlicher, direkt durch eine Vorsorgedarmspiegelung.

Ihr Dr. Thomas Stolz

Dr. Thomas Stolz ist als Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie seit 1994 in Völklingen in einer gastroenterologischen Schwerpunktpraxis mit zwei weiteren Gastroenterologen niedergelassen. Seine Hobbys sind Gartenarbeit, Radfahren, Bergsteigen und Reisen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

Hier geht‘s zum Angebot der KV Saarland.