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mio, mein Globus-Magazin

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Das Auf und Ab der Hormone

Was gegen Wechseljahrsbeschwerden hilft und was Sie über Hormonstörungen wissen sollten

Das Auf und Ab der Hormone

Als Wechseljahre oder Klimakterium bezeichnet man die Zeit der hormonellen Umstellung, die am Ende der fruchtbaren Phase einer Frau steht. Wann die Wechseljahre beginnen und wie lange sie dauern, ist von Frau zu Frau verschieden. Bei den meisten Frauen beginnen sie zwischen dem 45. und 50. Lebensjahr.

Das Klimakterium wird sehr unterschiedlich erlebt. Manche Frauen leiden kaum unter lästigen Beschwerden und Begleiterscheinungen. Andere hingegen fühlen sich in ihrer Lebensqualität und Leistungsfähigkeit erheblich beeinträchtigt.
Zum Glück ist es möglich, auch in den Wechseljahren und danach aktiv und fit zu bleiben.

Sind es die Wechseljahre?

Es gibt vielerlei Anzeichen dafür, dass sich eine Frau möglicherweise in den Wechseljahren befindet. Die meisten sind leider eher unangenehmer Natur: Von Blutungsstörungen, plötzlichen Hitzewallungen und Schweißausbrüchen, Schlafstörungen, rheumaähnlichen Schmerzen bis hin zu depressiven Verstimmungen und allgemeinem Erschöpfungsgefühl reicht die Skala der Beschwerden, die durch die hormonelle Umstellung und den Mangel an Hormonen zum Ende der fruchtbaren Zeit in Erscheinung treten können.

Hitzewallungen und Schweißausbrüchen sind häufig auftretende Beschwerden, die durch die hormonelle Umstellung und den Mangel an Hormonen zum Ende der fruchtbaren Zeit in Erscheinung treten können.

Haben Sie entsprechende Beschwerden und sind Sie über 45 Jahre alt, ist die Möglichkeit, dass Sie im Klimakterium sind, sehr groß. Die negativen Begleiterscheinungen dieser Umstellung lassen sich heutzutage medizinisch gut lindern. Suchen Sie daher Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt auf, wenn Sie denken, es sei so weit. Denn heute können Frauen jede Phase ihres Lebens aktiv und selbstbewusst gestalten.

Wenn die fruchtbare Zeit endet

In den Wechseljahren stellen die Eierstöcke nach und nach ihre Produktion ein – die Zeit der Fruchtbarkeit geht langsam vorüber. Zunächst sinkt langsam der Gestagenspiegel ab, dann lässt auch die Östrogenproduktion nach.

Dieser hormonelle Mangel ist verantwortlich für die vielen unterschiedlich stark ausgeprägten körperlichen und psychischen Beschwerden, die jetzt auftreten können.

Vor allem der Östrogenmangel ist es, der Körper, Seele und Geist in der Zeit des Klimakteriums aus der gewohnten Harmonie bringt. Östrogene beeinflussen zahlreiche Organe positiv. Demzufolge kann ein Mangel einen ungünstigen Einfluss auf Haut und Schleimhäute, Blutgefäße, Knochen, Bindegewebe, Gehirn und Sexualität haben.

Die unterschiedlichen Phasen des Klimakteriums

Nach dem 40. Lebensjahr verändert sich der weibliche Hormonhaushalt schrittweise über einen Zeitraum von etwa fünf bis zehn Jahren, diese Zeit wird in drei Phasen unterteilt.
Die Dauer der einzelnen Phasen und die damit verbundenen Symptome können bei jeder Frau individuell verschieden sein.

1. Prämenopause
Zunächst wird nicht mehr regelmäßig jeden Monat eine reife Eizelle produziert, die Fruchtbarkeit nimmt ab. Der Östrogenspiegel ist meist noch normal, jedoch tritt zunehmend ein Gelbkörperhormonmangel auf. Diese hormonelle Disbalance macht sich bemerkbar durch Blutungsstörungen sowie durch prämenstruelle Beschwerden wie z. B. Brustspannen, Wassereinlagerungen, Kopfschmerzen und Stimmungsschwankungen.

2. Perimenopause
Die Perimenopause ist die Phase des „eigentlichen Übergangs“. Sie beginnt etwa ein bis zwei Jahre vor der Menopause (letzte spontane Monatsblutung). In dieser Phase treten Blutungsstörungen und mögliche Wechseljahrbeschwerden meistens am stärksten auf.

3. Postmenopause
Das Durchschnittsalter für die Menopause liegt heute bei 51 Jahren. Sie lässt sich aber erst im Nachhinein ermitteln: Traten ein Jahr lang keine Blutungen mehr auf, ist davon auszugehen, dass die Eierstöcke ihre Tätigkeit endgültig eingestellt haben.

Häufige Wechseljahrbeschwerden – was kann man dagegen tun?


Schweiß lass nach!

Plötzliche Hitzewallungen, Schweißausbrüche, Herzrasen – die meisten Frauen im Klimakterium kennen diese typischen Symptome. Sie werden als äußerst unangenehm empfunden, gerade wenn man mitten im Arbeitsleben steht.
Der sinkende Östrogenspiegel übt einen Reiz auf das Temperaturzentrum im Gehirn aus. Um der scheinbaren Überhitzung entgegenzuwirken, reagiert der Organismus mit Hitzewallungen und Schweißausbrüchen.
Hier kann der Ersatz der fehlenden Östrogene schnell die hormonelle Balance wiederherstellen und so Hitzewallungen und Schweißausbrüche lindern bzw. beseitigen. Pflanzliche Substanzen (Traubensilberkerze, sibirischer Rhabarber und andere) können diese Beschwerden ebenso lindern, meist aber nicht beseitigen.

Komm, erholsamer Schlaf!

Es ist ganz normal, nachts ein- bis zweimal aufzuwachen und dann gleich wieder einzuschlafen. Doch im Klimakterium gelingt das Einschlafen häufig nicht mehr. Manchmal stehen die Schlafstörungen auch mit nächtlichen Schweißausbrüchen in Zusammenhang. Wenn Sie unter Schlafstörungen leiden, sollten Sie unbedingt den Rat Ihrer Frauenärztin oder Ihres Frauenarztes einholen. Schlaftabletten sind keine Dauerlösung und können schnell abhängig machen! Auch bei diesen Beschwerden kann eine pflanzliche Substanz oder eine niedrig dosierte Östrogentherapie rasch helfen.

In den Wechseljahren gelingt das Einschlafen häufig nicht mehr. Manchmal stehen die Schlafstörungen auch mit nächtlichen Schweißausbrüchen in Zusammenhang.

Wenn Unregelmäßigkeit zur Regel wird

Wenn ein zuvor regelmäßiger Zyklus unregelmäßig wird, kürzer oder länger, mit schwächeren oder stärkeren Blutungen, kann dies bereits ein erstes Anzeichen für die einsetzenden Wechseljahre sein. Am besten, Sie führen über mehrere Monate einen Menstruationskalender, in den Sie Beginn, Ende und Stärke Ihrer Blutungen eintragen. Damit haben Sie wichtige Daten für Ihre Beratung und die anschließende Behandlung in der Frauenarztpraxis.

Empfindliche Haut und Schleimhaut

Mit dem sinkenden Östrogenspiegel verlieren Haut und Schleimhäute an Feuchtigkeit und Elastizität, sie werden trockener. Eine trockene Vagina kann beim Geschlechtsverkehr Brennen oder Schmerzen verursachen und ist leichter verletzbar.
Eine niedrig dosierte lokale Hormonersatztherapie in Form einer Creme oder eines Scheidenzäpfchens kann hier oft merkliche Hilfe bringen, indem der Schleimhautaufbau wieder normalisiert wird.

Blase – wenn es nicht so läuft, wie es soll

Blasenschwäche und Harninkontinenz gehören oft zu den Begleiterscheinungen der Wechseljahre. Beschwerden beim Wasserlassen und häufiger Harndrang machen sich unangenehm bemerkbar. Für eine Inkontinenz kann es verschiedene Ursachen geben. Häufig jedoch verstärkt ein wechseljahrbedingter Östrogenmangel das Erschlaffen des Beckenbodens und des Blasenschließmuskels. Haben Sie keine Scheu, bei Blasenfunktionsstörungen Ihre Frauenärztin oder Ihren Frauenarzt aufzusuchen, um die Ursache für Ihre Beschwerden herauszufinden. Wird ein Östrogenmangel festgestellt, kann eine lokale Östrogentherapie dazu beitragen, die mit einer Inkontinenz einhergehenden Unannehmlichkeiten zu lindern.

Die Lust an der Liebe erhalten

Während in jüngeren Jahren, also vor der Menopause, nur etwa 30 Prozent der Frauen über Sexualprobleme klagen, sind es bei den älteren Frauen bereits 65 Prozent. Die Ursachen hierfür können sehr vielgestaltig sein, ein wichtiger Faktor ist aber der Östrogenmangel, der zu einer Abnahme der Durchblutung und Gleitfähigkeit der Scheide führt. Die dadurch verursachten Beschwerden beeinträchtigen die sexuelle Lust nachteilig. Wie schon ausgeführt, kann auch hier eine lokale Östrogentherapie helfen.

Wie helfen Hormonersatzpräparate?

Wechseljahrbeschwerden beruhen auf einem Östrogenmangel und können sich deshalb durch eine Hormonersatztherapie lindern lassen. Psychische und körperliche Symptome sprechen gleichermaßen gut auf die Hormonersatztherapie an. Im Allgemeinen hilft bereits eine niedrig dosierte Hormonersatztherapie, den Hormonmangel auszugleichen. Da die Beschwerden unterschiedlich lange anhalten können, sollten Sie die Dauer der Behandlung individuell mit Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt absprechen.

Gibt es Risiken?

Die Hormonersatztherapie hat zahlreiche günstige Auswirkungen. Sie kann jedoch bei manchen Frauen ein – wenn auch geringes – zusätzliches Risiko für Thromboembolien, Schlaganfall und Brustkrebs bedeuten. Deshalb sollten Sie bei einer langfristigen Anwendung regelmäßige ärztliche Kontrollen wahrnehmen.
Das Ausmaß der Zunahme des Brustkrebsrisikos unter der Hormonersatztherapie ist vergleichbar mit der Risikoerhöhung durch ein frühzeitiges Einsetzen der ersten Regelblutung, eine späte Geburt des ersten Kindes oder Kinderlosigkeit sowie durch Einflüsse des täglichen Lebens, wie z. B. regelmäßigen Alkoholkonsum.

Bekomme ich durch die Einnahme von Hormonen Krebs?

Hormone bieten vor einigen Krebsarten Schutz. So sinkt bei einer Hormonersatztherapie beispielsweise das Risiko für bösartige Erkrankungen der Gebärmutter oder des Dickdarms. Gegen Brustkrebs allerdings bieten die Hormone keinen Schutz. Die Ursachen für die Entstehung von Brustkrebs sind noch weitgehend ungeklärt. Fest steht bisher, Hormone lösen keinen Krebs aus, jedoch können sie das Wachstum von bereits bestehenden, aber noch nicht sichtbaren Tumoren in der Brust beschleunigen.

Machen Hormone dick?

Studien haben gezeigt, dass die Einnahme von Hormonen nicht zu einer verstärkten Gewichtszunahme führt. Ursache für einen Gewichtsanstieg in den Wechseljahren ist eher der Abfall der Hormone, aber hauptsächlich ist der sinkende Grundumsatz dafür verantwortlich: Der Körper benötigt mit zunehmendem Alter weniger Kalorien. Wird die Ernährung dieser Situation nicht angepasst, steigt das Körpergewicht an. (siehe auch unseren Beitrag “Wieviel Low Carb ist gesund“)

Wirkt die Hormonersatztherapie auch schwangerschaftsverhütend?

Nein. Präparate zur Hormonersatztherapie sind zur Empfängnisverhütung nicht zugelassen. Sie sollten sich von Ihrer Frauenärztin oder Ihrem Frauenarzt beraten lassen, inwieweit bei Ihnen noch eine Verhütung notwendig ist.

Schützt eine Hormonersatztherapie auch vor Osteoporose?

Östrogene bieten einen wirksamen Schutz vor Osteoporose. Selbstverständlich spielen hier auch andere Faktoren (Mineralstoffe und Vitamine) sowie ausreichende körperliche Aktivität eine wichtige Rolle, ohne die auch Hormone alleine nichts nützen. (siehe auch unseren Beitrag zu "Osteoporose")

DR. WULF GEBHARD ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und war bis 2017 in einer Gemeinschaftspraxis in Völklingen niedergelassen. Beim eigenen Älterwerden bleibt es nicht aus, dass sich klimakterische Fragestellungen in der Sprechstunde häufen und eine intensivere Beschäftigung damit für viele Patientinnen von Vorteil ist. Selbst versucht er sich durch gesunde Ernährung, Sport und Yoga fit zu halten.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

Hier geht‘s zum Angebot der KV Saarland.