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Diabetes mellitus

Facharzt Alexander Segner erklärt im Interview, wie man die Stoffwechselerkrankung erkennen, behandeln und ihr vorbeugen kann.

Diabetes mellitus

Wie man die im Volksmund als „Zucker“ bekannte Stoffwechselerkrankung erkennen, behandeln und ihr vorbeugen kann, erklärt Facharzt Alexander Segner im Interview.

Woher weiß ich, ob ich gefährdet bin, Diabetes zu entwickeln?

Alexander Segner: Schon ein Blick in die Familiengeschichte lässt erkennen, ob ein genetisches Risiko vorliegt. Haben Verwandte ersten Grades (Eltern oder Geschwister) einen Diabetes mellitus 2, so besteht bereits ein deutlich erhöhtes Risiko. Körperliche Inaktivität, Übergewicht und erhöhter Bauchumfang, Leberverfettung und zunehmendes Lebensalter erhöhen außerdem das Risiko für eine Erkrankung. Vorsorgeuntersuchungen helfen zu erkennen, ob Blutzuckerwerte nüchtern bereits grenzwertig erhöht sind; Blutzucker ab 100 mg/dl bis 125 mg/dl bedeutet bereits eine Störung in der Regulierung der Blutzuckerwerte, die nüchtern normalerweise zwischen 60 und 90 mg/dl liegen.

Was kann ich tun, um Diabetes zu vermeiden?

Sind Vater, Mutter oder Geschwister an einem Diabetes mellitus 2 erkrankt, so besteht für Sie selbst ein Risiko von über 30 Prozent, diese Erkrankung selbst einmal zu bekommen. Die effektivsten Methoden, die Erkrankung zu vermeiden beziehungsweise ihr Auftreten so spät wie möglich zu erleben sind:

  • Auf eine gesunde Ernährung achten. Diese sollte viel Eiweiß, wenig Zucker und wenig Kohlehydrate enthalten.
  • Übergewicht vermeiden.
  • Regelmäßige körperliche Aktivität für mindestens 45 Minuten an mindestens drei Tagen pro Woche. Wichtig ist, dass Sie sich bewegen; welche Bewegungsart – ob Joggen, Nordic Walking, Fahrradfahren oder auch strammes Spazierengehen – ist dabei zweitrangig.
  • Vorsorgeuntersuchungen wahrnehmen und leicht erhöhte Blutzuckerwerte nicht verharmlosen, sondern zum Anlass nehmen, den Lebensstil zu überprüfen und gegebenenfalls Änderungen auf den Weg zu bringen.

Sollte man bei Diabetes mellitus zunächst einmal versuchen, solange wie möglich ohne Medikamente auszukommen?

Ja, viel wichtiger ist eine radikale Änderung des Lebensstils. Sie muss immer an erster Stelle stehen. Bewegung und gute Ernährung helfen gewaltig. Schon fünf Prozent Gewichtsabnahme haben einen großen Effekt auf den Stoffwechsel. Das ist wichtig, denn Diabetes ist eine Stoffwechselerkrankung.

Warum ist Diabetes so gefährlich?

Diabetes zerstört systematisch die Blutgefäße. Schäden an den großen Blutgefäßen begünstigen Herzinfarkt und Herzkranzgefäßerkrankungen, Verkalkung der Hirngefäße und Schlaganfall sowie Verkalkung der Gefäße, die durch Bauch, Becken und Beine ziehen. Schäden an den kleinen Blutgefäßen führen zu Nierenschwäche, mit der Folge, dass Sie möglicherweise nur noch mit Dialyse überleben können. Weitere Folgen sind Netzhautblutungen und Makula-Erkrankungen. Außerdem können auch Nervenstörungen auftreten mit Missempfindungen an den Füßen bis hin zum diabetischen Fuß-Syndrom. Wissenschaftliche Erhebungen und große weltweite Studien zeigen übereinstimmend, wie wichtig es ist, direkt mit dem Beginn des Diabetes alle vorhandenen Gefäßrisikofaktoren konsequent zu behandeln.

Welche beruflichen Auswirkungen hat Diabetes beziehungsweise die Anwendung der notwendigen Medikamente?

In den letzten Jahren hat sich viel getan. Bei der Behandlung des Diabetes stehen mittlerweile eine Reihe von Medikamenten zur Verfügung, wenn Änderungen des Lebensstils nicht zu den gewünschten Erfolgen führen. Unter den verwendbaren Medikamenten gibt es einige, die nur erhöhten Blutzucker senken und im Vergleich nicht das Risiko der Unterzuckerung erhöhen. Die Therapie des Diabetes ist unter Verwendung dieser Medikamente sicher geworden und somit oft mit dem Beruf vereinbar.

Warum stehen die Füße so im Fokus bei Diabetes mellitus?

Langjähriges Bestehen (mehr als 15 Jahre) eines Diabetes mellitus erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Folgeerkrankungen auftreten. Eine häufige ist die Nervenstörung an den Beinen (periphere Neuropathie). Betroffene beklagen ein Kribbeln, Brennen, Ameisenlaufen an den Füßen und Beinen oder ein Gefühl von „dumpfem“ Empfinden, Taubheit, Kälte. Die längsten Nerven unseres Körpers durchziehen die Beine und enden an den Füßen; das unterste Nervenende erkrankt meist als erstes. Für die Betroffenen kann die übermäßige Nervenempfindung mit Brennen oder Kribbeln quälend und sogar schlafraubend sein; gerade im Ruhezustand treten diese Beschwerden gerne in den Vordergrund.

Gesellen sich zu dieser Nervenbeteiligung (PNP = Periphere Neuropathie) noch andere Faktoren wie Fußdeformitäten mit Fehlbelastungen an der Fußsohle dazu, so kann es schnell zu erheblichen Komplikationen kommen. Ein gemeinsames Auftreten von Nervenschädigung und Durchblutungsstörung in den Beinen ist nicht selten und birgt besonders hohe Gefahr bei kleinsten Verletzungen. Schulung, Kenntnisse um die richtige Fuß-, Nagel- und Hautpflege, geeignete und der individuellen Situation angepasste Einlagenversorgung stellen zusammen mit gutem, konfektioniertem Schuhwerk (Komfortschuhe) und ärztlichen Kontrollen der Situation des Fußes hervorragende Möglichkeiten dar, Schlimmeres zu verhindern.

Muss man sich zum Blutzuckermessen in den Finger stechen oder gibt es andere Methoden?

Für Patienten, die darauf angewiesen sind, mehrfach am Tag den Blutzucker zu messen und ihre Insulindosis dem aktuellen Blutzucker und dem Gehalt an Kohlehydraten in der anstehenden Mahlzeit anzupassen, gibt es inzwischen im Alltag sehr gut verwendbare unblutige Messmethoden. Man nennt sie entweder Real-Time-Geräte, die kontinuierlich den aktuell im Gewebe vorliegenden Zuckergehalt anzeigen, oder Flash-Glucose-Systeme, die durch Überfahren einer kleinen, meist am Oberarm platzierten Sonde den aktuellen Zuckergehalt im Gewebe anzeigen. Die Sonden müssen alle 10 bis 14 Tage erneuert werden und stehen über diese Zeit dem Betroffenen zur Steuerung und Erfassung seines Blutzuckerverlaufes zur Verfügung. Dabei erfassen und speichern beide Systeme den Zuckerverlauf rückwirkend, sodass eine Betrachtung des gesamten Tagesverlaufes (Tag und Nacht) möglich ist. Die Systeme sind in die Hilfsmittelleistung der Krankenkassen aufgenommen und können in der Diabetes-Behandlung Anwendung finden. Sie sind darüber hinaus mit Warnfunktionen ausgestattet, sodass der Betroffene bei zu tief sinkendem oder zu hoch hinaus schießendem Blutzucker eine Warnmeldung erhalten kann. Bei der Behandlung von mehrfach täglich spritzenden Diabetikern, Insulinpumpenträgern, aber auch Insulin benötigenden Schwangerschaftsdiabetikerinnen finden diese Geräte zunehmend Verwendung.

Sogenannte Flash-Glucose-Systeme erfassen und speichern den Zuckerverlauf rückwirkend, sodass eine Betrachtung des gesamten Tagesverlaufes möglich ist. Die kleine Sonde wird meist am Oberarm platziert.

Was ist Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes)?

Aufgrund der Hormonlage kann in der Schwangerschaft eine Form der Insulinresistenz auftreten. Dies führt zu abgeschwächter Wirksamkeit des körpereigenen Insulins. Bei sechs bis acht Prozent aller Schwangeren findet man dann Blutzuckerwerte, die über den Grenzwerten liegen (Nüchtern über 92 mg/dl, eine Stunde nach Gabe einer 75 g Glucose-Testlösung über 180 mg/dl und zwei Stunden danach über 153 mg/dl). Wird nur eine dieser Grenzen bei einem zwischen der 22. und der 26. Schwangerschaftswoche durchgeführten Test überschritten, so bezeichnet man dies als Schwangerschaftsdiabetes. Erhöhte Blutzuckerwerte in der Schwangerschaft können die Entwicklung des heranwachsenden Kindes stark beeinflussen und zu Störungen bei und nach der Geburt führen. Viele betroffene Frauen durchlaufen mithilfe von Ernährungsberatung und -umstellung die Schwangerschaft komplikationslos, mache benötigen zusätzlich die Gabe von Insulin. Sechs bis zwölf Wochen nach der Schwangerschaft sollten die jungen Mütter für sich selbst nochmals einen Zuckerbelastungstest durchführen lassen, um sicherzustellen, dass diese Stoffwechselstörung sich nicht fortgesetzt hat. Dabei erfahren sie auch, welche weiteren Maßnahmen wichtig sind.

DR. ALEXANDER SEGNER ist seit 2000 als Facharzt für Innere Medizin in St. Ingbert niedergelassen. Er ist Vorsitzender der saarländischen Diabetologen und Vater von fünf Söhnen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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