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Heuschnupfen

Wollen Sie niesen oder lieber den Sommer genießen?

Heuschnupfen

Mehr als zwölf Millionen Deutsche leiden unter der lästigen Pollenallergie. Gehören Sie auch dazu? Allgemeinmedizinerin Dr. Sylvia Rinneberg verrät, wie Sie Frühling und Sommer möglichst unbeschwert genießen können.

Wollen Sie niesen oder den Sommer genießen?

In jedem Frühjahr, wenn der Blütenstaub wieder fliegt, füllt sich das Wartezimmer meiner hausärztlichen Praxis mit Menschen, die dadurch leiden. Heuschnupfen ist die häufigste Allergie und kann Leistungsfähigkeit und Lebensqualität erheblich einschränken. Ich will Ihnen hier einige grundlegende Informationen zum Thema Allergien vermitteln und Anregungen geben, wie Sie sich gegen den Heuschnupfen wehren können.

Wie kommt es überhaupt zu Allergien?

Allergien entstehen, wenn das Immunsystem auf harmlose Stoffe überreagiert und sie wie eine Gefahr behandelt. Im Normalfall schützt das Immunsystem den Menschen vor dem Eindringen und der Wirkung gefährlicher Stoffe. Bei einer allergischen Reaktion bildet der Körper aber Abwehrstoffe gegen Substanzen, die eigentlich harmlos sind. Im Falle des Heuschnupfens sind dies in der Hauptsache Blütenpollen, die dann als „Allergene“ bezeichnet werden.

Das Entstehen einer Allergie kann man sich vereinfacht wie folgt vorstellen: Nach einem ersten Kontakt mit dem Allergen werden spezifische Antikörper gebildet. Diese Antikörper sind in der Lage, das Allergen bei erneutem Kontakt sofort zu erkennen. Dieser Vorgang wird Sensibilisierung genannt. Im Verlauf dieses ersten Kontakts geschieht bis auf die Antikörperherstellung noch nichts. Angreifer und Verteidiger (das Immunsystem) müssen sich sozusagen erst kennenlernen.

Nimmt der menschliche Organismus das Allergen erneut auf, z. B. bei Pollenflug, reagiert er dieses Mal sofort: Die Antikörper erkennen das Allergen wieder und bewirken die Ausschüttung von Botenstoffen aus den Zellen. Die wichtigste Substanz ist dabei das Histamin. Es löst die für Allergien bekannten Symptome aus wie Juckreiz, Augentränen, Niesattacken oder auch Atemnot. Warum gerade diese Symptome? Dies hängt damit zusammen, dass die Blütenpollen zuerst mit den Nasen- und Augenschleimhäuten in Kontakt kommen. Dies lässt die Augen tränen und anschwellen und reizt die Nase.

Deshalb werden Frühjahr und Sommer für viele Menschen zu einer Leidenszeit, denn die Pollen sind buchstäblich überall und das in großer Zahl. Sie werden durch den Wind weit verbreitet und bis zu 300 Kilometer fortgetragen.

Warum heißt der Heuschnupfen eigentlich Heuschnupfen?

Der Begriff stammt aus früheren Zeiten, in denen besonders beim Mähen von Heu große Mengen Pollen freigesetzt wurden. Heute ist es keine Frage der Jahreszeit mehr – Pollenallergien gibt es fast das ganze Jahr, allerdings gehäuft im Frühjahr.

Darum sollten Sie Heuschnupfen ernst nehmen

Nach wie vor akzeptieren viele Menschen ihren Heuschnupfen als Schicksal und helfen sich selbst mit Augentropfen und Nasensprays. Dies ist nicht ohne Risiken. Ein auf den ersten Blick lästiger, aber als harmlos empfundener Heuschnupfen kann der Beginn weiterer Allergien sein, wie Nahrungsmittel-, Hausstaub- und Tierallergien.

Bei unbehandeltem Heuschnupfen besteht vor allem die Gefahr, dass ein so genannter „Etagenwechsel“ eintritt: Die Allergie wandert von der Nasen- und Augenetage in die darunter liegende Lungenetage. Während der einfache Heuschnupfen oft nur lästig ist, kann es bei Ausweitung auf die Bronchien zu sehr belastenden und eventuell auch gefährlichen asthmatischen Reaktionen kommen. Der Kreislauf kann bei einer allergischen Reaktion innerhalb kurzer Zeit zusammenbrechen. Man spricht dann von einem – im Einzelfall lebensbedrohlichen – allergischen Schock.

Kreuzallergien – jetzt kommen die Nahrungsmittel ins Spiel

Immer häufiger kommt es vor, dass Pollenallergiker auch bestimmte Nahrungsmittel nicht vertragen. Um die Jahrtausendwende reagierten etwa zwei Prozent der Kinder in Deutschland allergisch auf Erdnüsse, heute sind es bereits mehr als zehn Prozent.

Die Ursache für solche sogenannten Kreuzallergien liegt darin, dass manche Nahrungsmittel Eiweißstrukturen enthalten, die Ähnlichkeit mit allergieauslösenden Blütenpollen haben. Weit verbreitet ist z. B. die Birkenpollen-Apfel-Kreuzallergie. Der Biss in einen Apfel kann typische allergische Symptome auslösen: Die Lippen brennen, die Mund- und Rachenschleimhäute schwellen an. Glückerweise muss man nur in seltenen Fällen allergieauslösende Nahrungsmittel völlig meiden. Oft reicht es aus, in der Pollensaison auf die Kreuzallergene zu verzichten. So sollte man als Birken-, Hasel- oder Erlenpollen-Allergiker sicherheitshalber zumindest im Frühjahr Steinobst, Kernobst und Nüsse meiden. Viele Allergene werden übrigens beim Erhitzen zerstört. In gekochter Form sind deshalb die meisten allergieauslösenden Nahrungsmittel für den Allergiker recht gut verträglich.

Auch nach Verzehr von an sich harmlosen Nahrungs- oder Genussmitteln können allergieähnliche Reaktionen auftreten. Mögliche Ursachen sind Konservierungs-, Aroma-und Farbstoffe oder Geschmacksverstärker. In der Wissenschaft bekannt ist das „China-Restaurant-Syndrom“, eine Reaktion auf den in der asiatischen Küche beliebten Geschmacksverstärker Glutamat. Hierbei handelt sich jedoch nicht um echte allergische Reaktionen, weil keine Histamin-Ausschüttung stattfindet. Man spricht deshalb von „Pseudo-Allergien“. Für den Patienten spielt dies jedoch keine Rolle, da die Symptome die gleichen sind wie bei einer „echten“ Allergie.

Heuschnupfen untersuchen lassen: Der Besuch beim Arzt

Wenn Sie sehr unter Ihrem Heuschnupfen leiden oder einer Verschlimmerung vorbeugen möchten, sollten Sie sich eine umfassende Diagnose Ihrer Allergie stellen lassen. Je mehr Informationen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt geben können, desto besser. Daher rate ich Ihnen, als Vorbereitung für Ihren Besuch beim Arzt ein Allergietagebuch zu führen. Dort notieren Sie, in welchen Situationen (Wetter, persönliche Situation, Lebensmittel) welche Beschwerden besonders stark auftreten. Dokumentieren Sie, wann, wie schwer und wie lange Sie durch die Beschwerden in Ihrem Wohlbefinden beeinträchtigt sind. Die Selbstbeobachtung liefert wesentliche Hinweise zur Diagnose. Sie selbst sind in vielen Fällen der beste Doktor für sich. Hören Sie auf Ihren Körper und übernehmen Sie Verantwortung für ihn!

Der nächste Diagnoseschritt ist die Durchführung von Allergietests per Hauttest (Pricktest) oder auch per Bluttest. Dies geschieht meistens bei den Fachärzten für Hauterkrankungen, Allergologen, Lungenfachärzten, Hals-, Nasen-, Ohren-Fachärzten oder auch bei Hausärzten.

Ganz wichtig: Vor der Testung dürfen Sie keine antiallergischen Medikamente einnehmen, da diese die Testergebnisse verfälschen würden. Ein positiver Pricktest ist aber noch kein endgültiger Beweis für das Vorliegen einer Allergie. Hier sind noch die Erkenntnisse aus dem Tagebuch, vorherige „Allergie-Erfahrung“ und eventuell noch andere Bluttests erforderlich, z. B. die Bestimmung der Antikörperkonzentration (Immunglobulingehalt) oder auch sogenannte RAST Teste, mit denen auf bestimmte Allergene getestet wird.

Ob Bronchien und Lunge beeinträchtigt sind, lässt sich durch eine Lungenfunktionsprüfung feststellen. Manchmal ist auch eine gastroenterologische Diagnostik sinnvoll, da unser Immunsystem viele Verknüpfungen mit dem Verdauungstrakt hat.

Die Therapie

Zur Behandlung einer Pollen-Allergie stehen viele wirksame Möglichkeiten zur Verfügung.

• Es gibt örtlich anzuwendende Medikamente in Form von abschwellenden Nasentropfen mit Wirkung an den Blutgefäßen der Nasenschleimhaut.

• Während einer Schwangerschaft stehen cromoglicinhaltige örtliche Medikamente zur Verfügung. Sie sind zwar etwas weniger wirksam, aber unbedenklich für das Baby.

• Antihistaminika bremsen die Histamin-Ausschüttung im Körper. Sie können örtlich angewendet werden. Meistens wird der Wirkstoff aber in Form von Tabletten, Tropfen und Säften eingenommen. In Notfällen können Antihistaminika auch in Form von Spritzen oder Infusionen verabreicht werden.

• Universell zur Behandlung aller Formen von Allergien werden Cortisonpräparate eingesetzt. Sie mindern sehr wirksam die allergiebedingte Entzündungsreaktion.

• Eine letzte Gruppe von Wirkstoffen sind die sogenannten Leukotrien-Rezeptor-Antagonisten. Leukotriene sind Vermittler allergischer und entzündlicher Reaktionen vor allem an der Nasenschleimhaut. Durch den Wirkstoff in Tablettenform werden diese Reaktionen geblockt.

Eine weitere therapeutische Möglichkeit ist die Desensibilisierung (Hyposensibilisierung). Dabei handelt es sich um eine spezifische Immuntherapie. In regelmäßigen Abständen werden ansteigende Dosierungen der allergieauslösenden Substanz gespritzt. Ziel ist eine „Gewöhnung“ des Immunsystems an die allergene Substanz, sodass die allergischen Reaktionen abgeschwächt werden. Bei einer Hyposensibilisierung wird das Immunsystem sozusagen „umprogrammiert“. Statt den allergieauslösenden Antikörper Immunglobulin E zu bilden, lernt das Immunsystem, den „neutralen“ Immunglobulin G zu bilden, der nicht zur Ausschüttung von Histamin führt. Im Idealfall lässt sich auf diese Weise eine Allergie komplett heilen.

Die Methode ist immer einen Versuch wert, zurzeit aber erst für einige Allergene einsetzbar. Und man sollte den zeitlichen Aufwand im Auge behalten. Eine Hyposensibilisierung kann ein bis zwei Jahre dauern.

Alternativ zum Spritzen kann man bei einer Hyposensibilisierung die allergene Substanz auch einnehmen – wichtig für Kinder und Menschen mit Spritzenangst. Kleiner Nachteil: Die Behandlung verlängert sich wesentlich.

Naturheilkundliche Therapiemöglichkeiten

Zur Ergänzung der oben genannten Therapien können Sie naturheilkundliche Verfahren ins Auge fassen. Dazu will ich Ihnen ein paar Gedanken mitgeben, wie Sie Pollenallergien lindern können. Meine Überlegungen stützen sich auf meine Erfahrungen aus mehr als 20 Jahren Arbeit als niedergelassene Ärztin. Sie wurzeln auch noch tiefer, nämlich in der naturheilkundlichen Tradition meiner Familie, die mein Großvater Dr. med. Karl Thöma als Kneipparzt begründet hat.

Ein naturheilkundlicher, ganzheitlicher Ansatz ist aus meiner Sicht auch bei Allergien ein guter Weg zu Linderung der Beschwerden. Bei Allergien geht es u. a. um Therapien mit Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen. Solche Therapien beruhen auf folgenden Beobachtungen:

  • Ein zu niedriger Spiegel an Vitamin C kann zu einer Erhöhung des Histaminspiegels führen und damit allergische Reaktionen begünstigen. Auch Selen, Zink und Mangan regulieren den Histaminstoffwechsel. Calcium dichtet die kleinen Blutgefäße ab. Dadurch entstehen weniger Schwellungen der Schleimhäute. Omega-3-Fettsäuren können über Leukotrienmechanismen Asthmabeschwerden und Rhinitis lindern.

  • Vitamin D bindet und entschärft allergieauslösende Proteine, die in vielen Lebensmitteln enthalten sind. Deshalb kann eine Vitamin-D-Therapie bei Lebensmittelallergien eine Option sein.

  • Vitamin E senkt den Immunglobulin-E-Spiegel im Blut – ein Effekt, den man auch bei der Hyposensibilisierung hervorruft.

  • Eisen bindet wie ein Schwamm bestimmte Allergene und macht sie dadurch unschädlich.

  • Die B-Vitamine sind nötig für die körpereigene Cortisolproduktion in der Nebenniere.

  • Eiweiße, besonders deren Bausteine (die Aminosäuren Methionin, Arginin, Cystein, Lysin) beeinflussen den Histaminstoffwechsel.

Dies sind nur einige Beispiele, die verdeutlichen sollen, dass es in manchen Fällen sinnvoll sein kann, eine schulmedizinische Behandlung durch eine naturheilkundliche Therapie unter ärztlicher Begleitung zu unterstützen.

Man kann dabei auch an weitere Verfahren denken wie Akupunktur, Eigenbluttherapie und Homöopathie, die sich im Zusammenhang mit Allergien schon bewährt haben.

Bei manchen Pollenallergien empfehle ich den Patienten, Honig zu sich zu nehmen, der regional und saisonal – also zur Pollenzeit – gewonnen wurde. Hierbei kommt es zu einer unterschwelligen Kontaktaufnahme der allergieauslösenden Pollen mit dem Immunsystem im Sinne einer Hyposensibilisierung.

Das können Sie selbst tun, um Heuschnupfensymptome zu mindern

Das können Sie selbst tun, um Heuschnupfensymptome zu mindern

• Vermeiden Sie längere Aufenthalte im Grünen während der Blühphase.
• Informieren Sie sich über Pollenflug, Feinstaubbelastung und Ozonwerte vor Ort.
• Gehen Sie nach einem Regenschauer spazieren – Regen „wäscht“ die Luft.
• Verwenden Sie für Ihr Auto und Ihren Staubsauger Pollenfilter.
• Am Tag die Fenster geschlossen halten, nur morgens oder abends lüften. Die beste Zeit dafür liegt in der Stadt zwischen 6 und 8 Uhr, auf dem Land zwischen 19 und 24 Uhr.
• Pollenschutzgitter an den Fenstern halten mindestens 85 % der Pollen ab.
• Schleppen Sie keine Pollen ins Schlafzimmer ein. Dies gilt besonders, wenn Sie lange im Freien waren. Ziehen Sie sich außerhalb des Schlafzimmers um und waschen Sie sich die Haare, bevor Sie ins Bett gehen.
• Halten Sie Ihren Rasen im Garten kurz und mähen Sie ihn nicht selbst. Verzichten Sie auf Kompostierungen, weil dort Pollen freigesetzt werden können
• Legen Sie Ihre Ferien am besten in die Hauptsaison „Ihrer“ Pollen. Im Hochgebirge (ab 1500 Meter) und am Meer ist die Belastung am geringsten und die Erholung am größten.
• Planen Sie Ihre Freizeit- und Sportaktivitäten nach Ihren gesundheitlichen Möglichkeiten. Am besten sind Indoor-Aktivitäten wie z. B. Schwimmen. Allergiker haben meist kein Problem mit gechlortem Wasser.
• Leidet Ihr Kind an Allergien, dann informieren Sie bitte die Schule mit Hinweisen, was bei einer schweren Allergie zu tun ist.
• Halten Sie Kontakt zum Hausarzt oder zur Hausärztin Ihres Vertrauens. Ihre persönliche Lebenssituation ist dort meistens seit langem und umfassend bekannt. Die Kollegen kennen die medizinischen Aspekte und können Sie sehr gut beraten – als Ihre Gesundheitslotsen im oft verwirrenden Dschungel der Medizin.
• Ans Herz legen möchte ich Ihnen auch die Informationsangebote von Selbsthilfegruppen und Patientenorganisationen. Dort finden Sie Gesprächspartner, die Ihnen viele praktisch erprobte Tipps geben können.

DR. MED. SYLVIA RINNEBERG ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und in Orscholz/Saar in einer Gemeinschaftspraxis niedergelassen. Sylvia Rinneberg ist Ärztin in dritter Generation. Von ihrem Großvater, einem Kneipparzt, hat sie gelernt, Naturheilkunde und Schulmedizin in Einklang zu praktizieren.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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