mio, mein Globus-Magazin Lädt...
arrow-down arrow-left arrow-right arrow-top search arrow-thin-right arrow-thin-left chevron-thin-down chevron-thin-up email instagram facebook youtube twitter remove quote www

mio, mein Globus-Magazin

mio, mein Globus-Magazin
Osteoporose

Neue Volkskrankheit? Das sollten Sie über die Osteoporose wissen.

Osteoporose

Etwa ab dem 40. Lebensjahr verringert sich die Knochensubstanz. Das ist in gewissem Umfang ein normaler Vorgang. Bei der Osteoporose ist zusätzlich die Regulation der An- und Abbauvorgänge der Knochenstruktur gestört, sodass weit über das normale Maß hinaus Knochensubstanz verlorengeht. Es wird weniger Kalzium eingebaut, das Bindegewebsgerüst des Knochens wird weitmaschiger, die Stabilität des Knochens nimmt ab.

Unter Osteoporose versteht man den fortschreitenden Verlust an Knochenmasse und Knochenstruktur. Dadurch erhöht sich das Risiko für Knochenbrüche bei Bagatellverletzungen – und das sogar ohne äußere Einwirkung. Schon ein eigentlich harmloser Sturz oder das Bücken und Heben eines Wäschekorbs können zu Knochenbrüchen führen.
Ist ein Knochen gebrochen, so sprechen die Mediziner von einer Manifesten Osteoporose. Sehr häufig sind Knochenbrüche an der Wirbelsäule, sogenannte Wirbelkörperbrüche. Ein großes Problem besteht darin, dass bei zwei von drei Brüchen nicht die typischen Rückenschmerzen auftreten. Der Patient bemerkt diese Brüche also gar nicht und es kann keine frühzeitige Therapie eingeleitet werden. Die Folge sind weitere Brüche, der Rücken wird immer runder. Gefürchtet sind zudem Brüche am Oberschenkelhals und am Oberarmkopf, da diese in vielen Fällen bleibende Beeinträchtigungen zur Folge haben.

Wie häufig ist die Osteoporose?

Aufgrund verschiedener Datenquellen kann man davon ausgehen, dass rund acht Millionen Deutsche an Osteoporose leiden. Bei Frauen über 70 wird der Anteil von Osteoporose-Patienten auf über 40 Prozent geschätzt, bei Männern auf knapp 20 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit einer Erkrankung nimmt mit dem Alter stark zu. Durch die steigende Lebenserwartung ist deshalb mit einer wachsenden Zahl von Osteoporose-Erkrankten zu rechen. Manche Mediziner bezeichnen die Osteoporose schon als neue Volkskrankheit.

Frauen sind besonders gefährdet, an einer Osteoporose zu erkranken: Das weibliche Knochengerüst ist in der Regel nicht so robust wie das von Männern und damit erreichen Verluste an Knochensubstanz schneller kritische Werte. Sexualhormone verhindern zu einem gewissen Grad den Abbau von Knochensubstanz. Der Rückgang weiblicher Sexualhormone in den Wechseljahren fördert das Auftreten einer Osteoporose, so dass Frauen ab dieser Lebensphase besonders gefährdet sind. Aber auch immer mehr Männer leiden an Osteoporose: Man schätzt, dass aktuell schon über 1 Million Männer in Deutschland von der Knochenkrankheit betroffen sind.

Formen der Osteoporose

Mediziner unterscheiden eine primäre Osteoporose von einer sekundären Osteoporose. Von sekundär spricht man, wenn die Osteoporose durch eine andere Erkrankung ausgelöst wird, zum Beispiel durch Diabetes, Schilddrüsenerkrankungen oder Niereninsuffizienz. Eine weitere sekundäre Ursache für Osteoporose können Medikamente sein, die die Knochenqualität beeinträchtigen, wie Cortison, Protonenpumpenhemmer und viele weitere. Diese Arzneimittel können den Knochenstoffwechsel beeinträchtigen, so dass „Knochenfresszellen“ (Osteoklasten) aktiviert werden.

Wer sollte sein Osteoporose-Risiko testen lassen?

Falls Sie sich durch eine Alltagstätigkeit oder bei leichtem Sport einen Knochenbruch (z.B. Handgelenk oder Sprunggelenk) zugezogen haben, sollten Sie auf jeden Fall an Osteoporose denken und sich entsprechend untersuchen lassen. Dies gilt vor allem für Frauen ab dem 50. und Männer ab dem 60. Lebensjahr.
Weitere Risikofaktoren sind länger anhaltende Rückenschmerzen oder Stürze ohne ersichtlichen Grund. Auch an eine familiäre Veranlagung ist zu denken. Falls Ihr Vater oder Ihre Mutter Knochenbrüche erlitten hat, sollten Sie an ein erhöhtes Risiko für sich selbst denken.

Weitere Risikogruppen sind:

  • Menschen mit einem sehr geringen Körpergewicht und einem BMI (Body Mass Index) unter 20
  • langjährige Raucher
  • Patienten, die Medikamente einnehmen, welche Schwindel auslösen und zu Stürzen führen können

Wo kann man sich untersuchen lassen?

Erste Anlaufstelle sollte immer der Hausarzt sein, der Sie im Verdachtsfall an einen auf Erkrankungen der Knochen spezialisierten Arzt überweisen kann, um die weitere Diagnostik und Behandlungsbedürftigkeit zu überprüfen. Eine bewährte Methode zur Bestimmung des Osteoporose-Risikos ist die Knochendichtemessung.

Welche Knochendichtemessung sollte durchgeführt werden?

Aufgrund der guten Studienlage und der Verfügbarkeit der Geräte gilt die DXA-Methode (Dual-X-Ray-Absorptiometrie) weltweit als „Goldstandard“. Hierbei wird die Schwächung eines schwachen Röntgenstrahls durch die Wirbelkörper oder das Hüftgelenk gemessen. Die aktuelle Osteoporose-Leitlinie des DVO (Dachverband Osteologie e.V.) empfiehlt daher dieses Verfahren in der Basisdiagnostik. Messverfahren mittels Computertomographie (CT) sind ebenfalls aussagekräftig, aber aufgrund der erhöhten Strahlenbelastung nicht als primäre Messmethode zu empfehlen. Wichtig: Die in der Vergangenheit häufig verbreiteten Ultraschallmessungen an der Ferse und den Fingern gelten nicht mehr als zeitgemäß. Zusätzlich zur Knochendichtemessung empfiehlt sich eine Laboruntersuchung, bei der insbesondere Erkrankungen anderer Organsysteme als Ursache für eine Osteoporose ausgeschlossen werden.

Behandlungsmöglichkeiten der Osteoporose

Wer an Osteoporose erkrankt ist, kann hoffen: Es stehen wirksame (medikamentöse) Therapien zur Verfügung, durch die man das Risiko von Knochenbrüchen wesentlich verringern kann. Eine Therapie ist außerdem nicht in jedem Fall notwendig. Empfohlen wird sie, wenn das erwartbare Risiko, innerhalb der nächsten zehn Jahre eine Fraktur zu erleiden, größer als 30 Prozent ist. Hierfür spielen mehrere Faktoren eine Rolle: Zum einen das Alter und zum anderen persönliche Risikofaktoren (zum Beispiel Lebensgewohnheiten, familiäre Risikofaktoren, Genussmittel, Medikamente, Begleiterkrankungen).
Sollte eine medikamentöse Behandlung notwendig sein, so sind heute primär Medikamente aus der Gruppe der Bisphosphonate im Einsatz. Diese Medikamente werden in den Knochen eingelagert und führen zu einem Absterben der Knochenfresszellen, wenn diese den Knochen „annagen“. Die Verträglichkeit der Medikamente ist sehr gut und gravierende Nebenwirkungen sind sehr selten. Als Alternative ist seit einigen Jahren auch eine Antikörpertherapie verfügbar, bei der ein Schlüsselmolekül blockiert wird, das die Entstehung der Knochenfresszellen verhindert. Welche Therapie sinnvoll und indiziert ist, wird der behandelnde Arzt immer individuell zusammen mit dem Patienten entscheiden.

Ist Osteoporose Schicksal oder kann man vorbeugen?

Osteoporose ist eine Erkrankung, deren Auftreten man durch den Lebensstil verzögern kann. Der Grundstein für ein kräftiges Skelett wird bereits in der Kindheit durch Bewegung und richtige Ernährung gelegt. Je größer der Ausgangswert an Knochenmasse in der Jugend ist, umso weniger macht sich ein Substanzverlust im Lauf des Alterns bemerkbar. Aber es ist nie zu spät: Untersuchungen zeigen, dass körperliches Training bei Frauen in den Wechseljahren und später einen günstigen Effekt auf die Knochendichte hat.

Auf ausreichende Kalziumzufuhr achten

Es gibt eine ganze Reihe von bewährten Maßnahmen, um das Entstehen einer Osteoporose zu verhindern oder zumindest zu verzögern. Sie können durch Ihre Ernährung einiges für die Stabilität Ihrer Knochen tun. Achten Sie vor allem auf eine ausreichende Kalziumzufuhr. Für Frauen nach der Menopause wird die Zufuhr von 1200 bis 1500 mg Kalzium pro Tag empfohlen. Trinken Sie viel Milch oder essen Sie viel Milchprodukte und grünes Gemüse. Ein Anhaltspunkt: 0,5 l Milch und 40 g Emmentaler enthalten zusammen etwa 1000 mg Kalzium. Sie können aber auch durch Mineralwasser etwas für Ihren Kalziumhaushalt tun. Achten Sie auf den in der Analyse angegebenen Kalziumgehalt. Vermeiden Sie aber eine über den Wert von 1500 mg hinausgehende Kalziumzufuhr. Zu viel Kalzium kann nämlich die Aufnahme anderer wichtiger Stoffe aus dem Darm beeinträchtigen.

Vitamin D für stabile Knochen

Dieses Vitamin sorgt dafür, dass über das Blut eine ausreichende Menge an Kalzium für die Mineralisation der Knochen zur Verfügung steht. Vitamin D ist unter anderem enthalten in Eiern, Milch und Butter, vor allem aber in Seefisch. Durch UV-Bestrahlung ist der Körper auch selbst in der Lage, Vitamin D zu bilden. Es ist sinnvoll, täglich mindestens eine halbe Stunde im Freien zu verbringen, doch in unseren Breiten und vor allem im Winter lässt sich auf diese Weise häufig keine ausreichende Versorgung mit Vitamin D erreichen. Deshalb ist eine ergänzende medikamentöse Vitamin D-Zufuhr medizinisch zu empfehlen, zum Beispiel während der Sommermonate mindestens 1.000 I.E. (= internationale Einheit) und während der Wintermonate mindestens 2.000 I.E. Vitamin-D.
Sprechen Sie auf jeden Fall vor der Einnahme entsprechender Präparate mit Ihrem Arzt. Er kann Ihnen wertvolle Hinweise geben und die für Sie am besten geeigneten Präparate empfehlen.

Ganz wichtig: körperlich aktiv sein

Bewegung und die damit verbundene Belastung der Knochen führt zu einem verstärkten Knochenaufbau. Empfehlenswert ist eine regelmäßige körperliche Aktivität mit der Zielsetzung, Muskelkraft und Koordinationsfähigkeit zu fördern. Da ein Knochen lebendes Gewebe ist, das ständig neu auf- und abgebaut wird, sorgt eine gut funktionierende, kräftige Muskulatur durch ihre Verankerung an den Knochen für die notwendige Beanspruchung und einen regen Stoffwechsel. Außerdem werden durch körperliches Training auch Gehirnleistung, Gleichgewichtssinn und Reaktionsvermögen verbessert. Auf diese Weise lässt sich das Risiko von Stürzen verringern, die im Falle geschwächter Knochen schnell zu Brüchen führen können.

Fazit

Sie sehen, dass es eine ganze Reihe von Möglichkeiten gibt, Osteoporose zu verzögern oder sogar ganz zu verhindern. Ergänzend sollten Sie bei Arztbesuchen Ihren Arzt bitten, auf körperliche Veränderungen zu achten, die möglicherweise durch Osteoporose verursacht sind, zum Beispiel Krümmungen der Brust- oder Lendenwirbelsäule. Außerdem sollten Sie einen Arzt aufsuchen, wenn Sie unter dauerhaften Rückenschmerzen leiden oder wenn Sie akute, über Tage anhaltende Schmerzen in der Wirbelsäule haben.

Ihr Dr. Bjorn Bersal

Dr. Bjorn Bersal, Jahrgang 1972, ist Facharzt für Orthopädie. Er ist verheiratet, hat drei Kinder und ist seit 2010 in einer Gemeinschaftspraxis mit Dr. Andreas Karsten und Dr. Bernd Wilhelm im orthopaedicum-saar in Völklingen tätig (Poststraße 14–18).

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

Hier geht‘s zum Angebot der KV Saarland.