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Rückenschmerz – ein weit verbreitetes Leiden

Rund zwei Millionen Deutsche haben täglich Rückenschmerzen. Gehören Sie auch dazu? Dr. Guido Scholz fasst zusammen, was Sie wissen sollten.

Rückenschmerz – ein weit verbreitetes Leiden

80 bis 90 Prozent der Deutschen leiden im Laufe ihres Lebens ein- oder mehrmals unter Rückenschmerzen. Besonders betroffen sind Menschen ab dem 50. Lebensjahr, vor allem Frauen. Die Schmerzen können am gesamten Rücken auftreten: im Bereich der Nackenwirbel, im Bereich der Rippen und – besonders häufig und typisch – im Bereich der Lendenwirbelsäule.

Warum haben so viele Menschen Rückenschmerzen?

Rückenschmerzen können auf eine Vielzahl von Ursachen zurückgehen: Bandscheibenvorfälle, Wirbelblockaden, Wirbelsäulenverkrümmungen sind nur einige von ihnen. Auch innere Erkrankungen können Rückenschmerzen auslösen, z. B. Nierenentzündungen und Erkrankungen des Herzens oder der Lunge. In den meisten Fällen lassen sich Rückenschmerzen allerdings auf die folgenden drei Ursachen zurückführen:

  • altersbedingter Verschleiß
  • Fehlbelastungen bei körperlicher Arbeit
  • Stress und psychosoziale Ursachen

Altersbedingte Rückenschmerzen

Jenseits der 50 kann es zu Verschleißerscheinungen der Wirbelsäulengelenke kommen; in der Medizin spricht man dann von Arthrose. Die Wirbelsäule fühlt sich steif und unbeweglich an und schmerzt. Diese Schmerzen treten vor allem auf nach Ruhephasen, z. B. nach der Nacht oder nach längerem Sitzen. Eine weitere Ursache für Rückenschmerzen, die vor allem im Alter auftreten, ist die Osteoporose. Die Knochen werden poröser und schon bei geringen Belastungen kann es zu Brüchen der Wirbelkörper kommen, die erhebliche Schmerzen zur Folge haben.

Altersbedingte Rückenschmerzen, die bei Menschen jenseits der 50 auftreten, werden unter Medizinern Arthrose gennant.

Fehlbelastungen bei körperlicher Arbeit

Heben und Tragen schwerer Lasten, Vibrationen bei der Arbeit oder das Arbeiten in ungünstigen Körperhaltungen und häufiges Bücken können den Rücken schwer beanspruchen und zu Rückenschmerz führen. Dabei können sogar Schäden entstehen, die als Berufskrankheit anerkannt sind. Dies gilt für bandscheibenbedingte Erkrankungen der Lendenwirbelsäule durch langjähriges Heben oder Tragen schwerer Lasten oder durch langjährige Tätigkeiten in extremer Rumpfbeugehaltung. Bandscheibenbedingte Erkrankungen der Halswirbelsäule durch langjähriges Tragen schwerer Lasten auf der Schulter können ebenfalls als Berufskrankheit anerkannt werden. Rückenerkrankungen sind ein häufiger Grund für Frühverrentungen. Deswegen achten die meisten Arbeitgeber heute sehr darauf, Arbeitsplätze und Tätigkeiten rückenschonend zu gestalten.

Stress und psychosoziale Ursachen

In vielen Fällen haben Rückenschmerzen psychische Ursachen: Ängste, Depressionen, Probleme am Arbeitsplatz (Überforderung oder Unterforderung), soziale Konflikte und fehlende Anerkennung können Auslöser sein. In ähnlicher Weise können Schwierigkeiten im Privatleben, in der Familie oder Beziehungsstress sich durch Rückenschmerzen bemerkbar machen. Solche psychosozialen Ursachen führen häufig dazu, dass man innerlich angespannt ist. Dies überträgt sich auf den Körper, die Muskulatur verspannt sich, Muskeln verhärten, man bewegt sich weniger, Muskeln werden unterfordert und verkürzen sich. Am Ende dieser Spirale steht der Schmerz. Diese psychischen Ursachen sind so häufig, dass Ärzte bei etwa der Hälfte der Patienten keine Krankheiten und keine sicheren anatomischen Ursachen für die Rückenbeschwerden finden können.

Häufige Fragen zu Rückenschmerzen


Kann man die Ursache für Rückenschmerzen durch Röntgen finden?

Röntgen und andere bildgebende Verfahren werden bei Rückenschmerzen meistens erst dann eingesetzt, wenn innerhalb von vier Wochen keine deutliche Besserung der Schmerzen eintritt. Früher hat man bei Rückenschmerzen schnell und viel geröntgt. Inzwischen hat man erkannt, dass dies für viele Rückenpatienten eine unnötige Strahlenbelastung mit wenig Informationswert ist.

Kann man vom Sitzen Rückenschmerzen bekommen?

Viel Sitzen – ob bei der Arbeit oder nach Feierabend – ist in vielfacher Weise ungünstig für den Körper. Sitzen – und damit mangelnde Bewegung – fördert Übergewicht, Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Entgegen einem weit verbreiteten Vorurteil scheint eine überwiegend sitzende Tätigkeit allerdings nicht das Risiko für Rückenschmerzen zu erhöhen. Rückenbeschwerden nach stundenlanger Bildschirmarbeit erfüllen auch nicht die gesetzlichen Kriterien für eine Anerkennung als Berufskrankheit. Es liegen bisher keine gesicherten medizinischen Erkenntnisse über einen solchen Zusammenhang vor.

Wann sollte man zum Arzt gehen?

Schnelle Abklärung und Behandlung sollten in jedem Fall erfolgen, wenn Rückenschmerzen in die Beine ausstrahlen oder Sie Gefühlsstörungen und Schwäche in den Beinen erleben. Eine schnelle Vorstellung beim Arzt ist auch empfehlenswert, wenn Rückenschmerzen nach einem Sturz auftreten. Der Schmerz deutet unter Umständen auf eine Verletzung von Knochen hin.

Aber auch unspezifische Rücken- oder Kreuzschmerzen sollten Sie nicht zu lange tapfer aushalten. Aus medizinischer Sicht ist es sinnvoll, diese schnell zu behandeln. Ansonsten kann schon nach 4–6 Wochen das Risiko eines chronischen Schmerzes entstehen. Dies hängt mit dem sogenannten «Schmerzgedächtnis» zusammen. Darunter versteht man die Eigenschaft des Körpers, sich sehr starke oder langanhaltende Schmerzen zu «merken». Auch wenn der ursprüngliche Auslöser eines Schmerzes, z. B. eine Muskelverspannung, vielleicht längst verschwunden ist, kann sich der Körper an den Schmerz erinnern und er wird zum Dauerzustand. Das gilt es zu vermeiden.

Und noch ein Aspekt spricht für eine schnelle Behandlung: Bestehen Schmerzen über längere Zeit, optimiert der Körper die für die Schmerzweiterleitung zuständigen Nervenbahnen. Schmerzreize gelangen dann über diese «Schmerzautobahnen» noch schneller und sogar verstärkt ins Schmerzzentrum im Gehirn. So kann es passieren, dass relativ schwache Schmerzreize heftige Schmerzen auslösen.

Wie lassen sich Rückenschmerzen erfolgreich behandeln?

Bei konkreten körperlichen Ursachen, z. B. bei einem Bandscheibenvorfall, helfen in den meisten Fällen Wärmeanwendungen, schmerzlindernde oder muskelentspannende Medikamente sowie Physiotherapie. Die allermeisten Therapien sind ambulant möglich, Krankenhausaufenthalte oder Operationen sind nur ganz selten notwendig. Eine effektive Behandlung kann auch durch eine Spritzentherapie (PRT) erfolgen. In rund 90 Prozent aller Fälle haben Rückenschmerzen keine schwerwiegende körperliche Ursache. Deshalb können Betroffene selbst viel gegen Rückenschmerzen tun – von Wärmepackungen über Entspannungstraining bis hin zu Übungen gegen Rückenschmerzen. Die Vorstellungen, wie Rückenschmerz zu behandeln ist, haben sich in den vergangenen Jahren radikal gewandelt. Die Devise heißt: Bewegung statt Schonung. Wenn Sie aus Angst vor Schmerzen Bewegungen vermeiden oder sich sogar ins Bett legen, begünstigen Sie ein Chronischwerden der Schmerzen. Besser ist es, kurzfristig Schmerzmittel zu nehmen und sich ganz normal zu bewegen. Auch Spazierengehen ist empfehlenswert. Dabei lockert sich die Muskulatur und die Schmerzen lassen nach.

Im Zusammenhang mit Rückenschmerzen gibt es eine Vielzahl von speziellen Therapien. Hier die vier bekanntesten:


Chirotherapie

Bei der Chirotherapie werden durch spezielle Handgrifftechniken Blockaden an Gelenken gelöst. Umgangssprachlich spricht man von „Einrenken“. Chirotherapeuten sind ausschließlich Ärzte, die eine entsprechende Ausbildung haben und deshalb die Zusatzbezeichnung „Chirotherapie“ oder „Chirotherapie/manuelle Medizin“ tragen dürfen.

Chiropraktik

Die Chiropraktik arbeitet mit ähnlichen Handgriffen wie die Chirotherapie. Die ausübenden Personen sind allerdings keine Ärzte, sondern meistens Heilpraktiker. Chiropraktiker müssen keine verbindlichen Regelungen hinsichtlich ihrer Ausbildung (Inhalt und Umfang) erfüllen.

Osteopathie

Die Osteopathie versteht sich im Gegensatz zur Chirotherapie als ganzheitliche Heilmethode. Sie geht davon aus, dass mit gezielten Handtechniken Blockaden in den Verbindungen zwischen Bewegungsapparat, Kopf, Rückenmark sowie den inneren Organen gelöst und die Selbstheilungskräfte aktiviert werden können. Osteopathen müssen eine bestimmte Qualifikation nachweisen können. Viele sind Heilpraktiker, aber auch immer mehr Ärzte bieten Osteopathie an.

Infiltrations-Therapie

Bei starken, dauerhaften Rückenschmerzen kann eine Infiltrations-Therapie dauerhafte Hilfe bringen. Bei dieser Therapie werden Wirkstoffe direkt an die Wirbelsäule injiziert. Es gibt verschiedene Formen der Infiltrations-Therapie. Bei der periradikulären Infiltration (PRT) z. B. betäubt der Arzt gezielt einzelne Nerven, indem er einen Wirkstoff direkt um deren Wurzel injiziert.


Was lernt man in einer Rückenschule?

In einer Rückenschule lernen Sie unter anderem Übungen zur Kräftigung der Rückenmuskulatur, die Sie gut in Ihren Alltag einbauen oder zu Hause durchführen können. Ziel ist es, den Rücken stärker, flexibler und leistungsfähiger zu machen. Dann haben Schmerzen keine Chance. Sinnvoll ist es, wenn Sie in der Rückenschule auch lernen, wie Sie Ihrem Rücken in stressigen Zeiten durch Entspannungsübungen helfen können.

Der herabschauende Hund, die Katze, der Baum, der Halbmond - auch beim Yoga wird der Rücken in zahlreichen Posen gestärkt.

Soll man bei Rückenschmerzen Schmerzmittel nehmen?

Wenn die Schmerzen so stark sind, dass Sie sich schonen wollen und keine normalen Bewegungen durchführen können, sind Schmerzmittel und muskelentspannende Medikamente oft hilfreich. Wer Schmerzen hat, nimmt nämlich schnell eine Schonhaltung ein. Diese führt jedoch zu weiteren Verspannungen und damit zu noch mehr Schmerzen. Mit Schmerzmitteln können Sie diesen Teufelskreis durchbrechen. Fragen Sie Ihren Arzt. Er wird Ihnen geeignete Präparate verordnen oder empfehlen und überwachen, wie lange und in welcher Dosierung die Medikamente sinnvoll sind.

Zusammenfassend

Die beste Behandlung und Vorbeugung von Rückenschmerzen ist Bewegung. Bewegung hält die Wirbelsäule flexibel, kräftigt die Muskeln und ist gut für Bänder, Sehnen und Faszien. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen ein „bewegtes“ Leben ohne Rückenschmerzen.

Ihr Dr. Guido Scholz

DR. GUIDO SCHOLZ ist in Saarbrücken-Dudweiler und in Friedrichsthal in einer orthopädischen Gemeinschaftspraxis niedergelassen. Er ist Orthopäde, Sportmediziner und Chirotherapeut.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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