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Schlaganfall: Jede Minute zählt

Fast 300 000 Menschen in Deutschland erleiden jährlich einen Schlaganfall. Neurologe Dr. med. Hans-Thomas Eder erklärt, wie Sie im Ernstfall richtig handeln.

Schlaganfall: Jede Minute zählt

„Time is Brain“ – dieser markante Spruch der amerikanischen Gesellschaft für Neurologie bringt es auf den Punkt: Bei einem Schlaganfall zählen Minuten.

Bei einer Durchblutungsstörung des zentralen Nervensystems (Gehirn und Rückenmark) kommt es zu neurologischen Ausfällen, das heißt zu Fehlfunktionen der Sinnesorgane oder des Gleichgewichtssinns, von Kraft und Empfindung. Da Schlaganfälle des zentralen Nervensystems wegen der speziellen Blutgefäßversorgung zu 98 Prozent das Gehirn betreffen, ist im Weiteren nur von Gehirnschlaganfällen die Rede. Andere Ausdrücke für Schlaganfall sind: Stroke (engl.), Gehirnschlag, Hirnschlag, Apoplexie, zerebraler Insult, apoplektischer Insult, Apoplexia cerebri.

Was ist ein Schlaganfall, was ist eine TIA?

Bei einem Schlaganfall fällt sozusagen „schlagartig“ in bestimmten Teilen des Gehirns oder des Rückenmarks der „Strom“ aus. Sind die dadurch hervorgerufenen Fehlfunktionen zeitlich begrenzt, d. h. unter 24 Stunden, spricht man von einer vorübergehenden Durchblutungsstörung (TIA = Transitorisch Ischämische Attacke), darüber hinaus von einem Schlaganfall. Die Ursache hierfür ist eine Unterbrechung der Gehirn-Durchblutung. Das kann einerseits eine Verstopfung der Blutgefäße (ischämischer Schlaganfall) sein, andererseits aber auch eine Blutung aus einem geplatzten Gefäß heraus ins Gehirngewebe (hämorrhagischer Schlaganfall). Beide Störungen verursachen eine Schädigung des Nervengewebes durch Sauerstoff- und Nährstoffmangel. Dauert diese Unterbrechung nur wenige Stunden an, kann sich bei erfolgreicher Therapie das Gewebe wieder vollständig erholen und seine Funktion wieder aufnehmen, sodass beim Patienten keine Störungen zurückbleiben. Wird die kritische Grenze von sechs Stunden überschritten, kommt es zu unwiederbringlichem Verlust von Nervengewebe mit dem Ergebnis unterschiedlich starker, bleibender Folgeschäden und Behinderungen, die durch intensive Übungen in der Zeit danach zum Teil wieder gemildert, aber nicht vollständig ausgeglichen werden können.

Bei einem Schlaganfall fällt schlagartig in bestimmten Teilen des Gehirns oder des Rückenmarks der „Strom“ aus. Mögliche Anzeichen können Kopfschmerzen, Schwindel oder plötzliche Sprachprobleme sein.

Da beide Schlaganfallsformen gegensätzlich behandelt werden, muss vor der Therapie eine Bildgebung, vorzugsweise eine craniale Computertomographie (CCT) durchgeführt werden. Das Ergebnis ist für die Therapie entscheidend und wird teilweise schon in speziellen Rettungsfahrzeugen durchgeführt („Stroke Mobil“).

Wie entsteht ein Schlaganfall?

Der Grund für diese Durchblutungsstörung ist bei der Gehirnblutung ein geplatztes Blutgefäß oder eine Spontanblutung bei gestörter Blutgerinnung (z. B. auch bei Einnahme von blutgerinnungshemmenden Medikamenten) und bei der Gefäßverstopfung entweder eine Embolie, ein Gefäßkrampf, ein Verschluss durch eingerissene Innenwände („Dissektion“) oder eine gefäßverschließende Arteriosklerose der gehirnversorgenden Arterien. Diese wiederum entsteht durch Bluthochdruck, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus und erhöhtes Blutfett (Triglyceride und Cholesterin), Rauchen und andere Formen des ungesunden Lebens, massives Übergewicht, selten auch durch vererbbare Faktoren.

Wie und woran kann ich einen Schlaganfall oder eine TIA erkennen?

Je nach Ort des Schlaganfalls kommt es zum Ausfall der dort angesiedelten Leistungen, zum Beispiel im Sprachzentrum zu Sprachstörungen.

Mögliche Anzeichen:

  • Bewusstseinstrübung bis hin zur Bewusstlosigkeit
  • plötzliche Schwäche (Hemiparese) oder Gefühlsstörungen einer Körperseite z. B. halbseitige Lähmungen im Gesicht (hängender Mundwinkel (Facialisparese)
  • Verlust der Sprechfähigkeit oder Schwierigkeiten, Gesprochenes zu verstehen
  • eine plötzliche Sehstörung, vor allem das Fehlen des halben Gesichtsfeldes auf beiden Augen
  • Wahrnehmungsstörungen (Neglect)
  • vorübergehende Doppelbilder
  • plötzlich einsetzender Schwindel ohne Lagewechsel mit Gangunsicherheit
  • Unfähigkeit, eigenen Speichel zu schlucken

Schmerzen gehören in aller Regel nicht zu den frühen Anzeichen eines Schlaganfalls. Gelegentlich können Kopfschmerzen auftreten, vor allem bei Blutungen ins Gehirn oder in den umliegenden Flüssigkeitsraum (Subarachnoidalraum). Alle Anzeichen können auch im Rahmen weitgehend ungefährlicher Erkrankungen wie z. B. Migräne auftreten, sind dann aber rasch – in der Regel nach 15 bis 30 Minuten – wieder vollständig verschwunden.

Was muss ich bei Verdacht auf einen Schlaganfall oder eine TIA unbedingt tun?

Ein Schlaganfall ist immer ein Notfall! Er kann mit einer vollständigen Wiederherstellung enden, aber auch mit den unterschiedlichsten und bleibenden Behinderungen oder gar mit dem Tod. Deshalb muss bei Schlaganfall oder TIA schnell gehandelt werden. Es ist unmittelbar medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen, am besten in einem Krankenhaus mit einer sogenannten „Stroke Unit“, einer Spezialabteilung für die Schlaganfallsbehandlung. Bei dringendem Verdacht kann die Notfallnummer 112 angerufen, bei fraglichem Verdacht die Rettungsleitstelle (Bundesweite Telefonnummer 116117) oder der behandelnde Arzt eingeschaltet werden. Der wird dann die erforderlichen diagnostischen und therapeutischen Schritte einleiten.

Wie kann ich einem Schlaganfall und einer TIA vorbeugen?

Die überwiegende Zahl der Schlaganfälle entsteht durch Thromben, die als Embolien aus dem Herzen in die hirnversorgenden Arterien „abgeschossen“ werden und diese verstopfen. Hier ist besonders das vorübergehende Vorhofflimmern zu nennen. Vorhofflimmern hält meist nur kurze Zeit an. Es wird entweder gar nicht wahrgenommen oder auch als sehr unangenehmes „Herzstolpern“ und Herzklopfen beschrieben. Bei entsprechenden Anzeichen in der klinischen Untersuchung oder aus der Vorgeschichte bei familiärer Belastung sollte frühzeitig eine Herzrhythmusuntersuchung durchgeführt werden. Der Blutdruck ist ganz oft bei der Entstehung des Schlaganfalls beteiligt und sollte ab 35 Jahren regelmäßig kontrolliert werden. Das Gleiche gilt für die Blutfette und Blutzucker sowie gegebenenfalls auch andere Blutwerte, wie Nierenwerte und das Blutbild. Diese Kontrollen werden von allen Krankenkassen im sogenannten Checkup der Hausärzte ab dem 35. Lebensjahr alle 3 Jahre übernommen und sollten auch regelmäßig in Anspruch genommen werden.

Was kann jeder Einzelne tun, um einen Schlaganfall zu verhindern?

In seltenen Fällen sind genetische Faktoren an der Schlaganfallsentstehung beteiligt. Überwiegend sind es aber Faktoren, die jeder Einzelne selbst bestimmen oder beeinflussen kann. Ganz vorne steht eine gesunde Lebensweise. Hierzu zählen eine ausgewogene Ernährung, z. B. die mediterrane Ernährung mit reichlich Gemüse und Obst, aber wenig Fleisch, ausreichend Bewegung, moderater und regelmäßiger Sport (Ausdauer und Muskelaufbau, dreimal pro Woche für 20 Minuten) und die Gewichtsregulierung, um das sogenannte „Normalgewicht“ zu halten. Diäten sind hierfür ungeeignet, es sollte das Essverhalten langfristig umgestellt werden.
Entscheidend ist der vernünftige Umgang mit Alkohol und anderen Genussmitteln sowie der vollständige Verzicht auf Rauchen.

Schon eine einzige Zigarette am Tag erhöht das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall um 50 Prozent! Außerdem gehört auch die seelische Ausgeglichenheit zur Gesundheit hinzu. Wenn körperliche und seelische Erkrankungen vorliegen, sollten diese konsequent behandelt werden, d. h. vor allem sollten Gefäßrisikofaktoren behandelt werden: hoher Blutdruck, hohe Blutfette und Diabetes mellitus (Zucker).

Was kann ich tun, wenn ich einen Schlaganfall oder eine TIA erlitten habe?

Eine TIA ist als Warnschuss zu verstehen, der noch zu keinem bleibenden Schaden geführt hat. Durch die eingehende Diagnostik kann die Ursache gefunden und eventuell wirksam behandelt werden, um einen vollständigen Schlaganfall zu verhindern. Dazu gehört auch die sogenannte Lysetherapie mit dem Ziel, das Blutgerinnsel (Thrombus) aufzulösen. Hierfür ist ein enges Zeitfenster von maximal 6 Stunden einzuhalten. Nach der Akutbehandlung des Schlaganfalls in einer „Stroke Unit“ (Schlaganfallsstation) folgt die Anschluss Heilbehandlung (AHB) und je nach erlittenem Schaden die ambulante Weiterbehandlung, z. B. mit Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie. Ganz entscheidend für den Behandlungserfolg ist die tatkräftige Selbstübung, je nach Behinderung täglich und ohne aufzuhören. Außerdem werden Medikamente zur Verhinderung eines Rückfalls verabreicht und die zugrunde liegende Erkrankung (z. B. Herzrhythmusstörungen) behandelt.

Info: In der Bundesrepublik Deutschland erleiden jährlich fast 300 000 Menschen einen Schlaganfall, der damit eine der häufigsten schweren Erkrankungen ist.

Weiterführende Adressen

Deutsche Schlaganfall-Gesellschaft
www.dsg-info.de

Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe
www.schlaganfall-hilfe.de

DR. MED. HANS-THOMAS EDER ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie sowie Psychotherapie und seit 1992 in eigener Facharzt-Praxis niedergelassen. Er ist Mitglied in DGPPN, DGN, BVDN sowie in der Gutachtenkommission für Fragen der ärztlichen Haftpflicht und Facharztprüfer bei der Ärztekammer des Saarlandes.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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