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Wenn die Füße nicht mehr tragen

– von Spreiz-, Senk- und Plattfüßen

Wenn die Füße nicht mehr tragen

Unsere Mobilität steht in unmittelbarem Zusammenhang mit gesunden Füßen und Fußgelenken: Im Laufe ihres Lebens legen die meisten Menschen Tausende von Kilometern auf ihren Füßen zurück.

Es gibt eine Vielzahl von Veränderungen, die zu Fußproblemen führen können: Verletzungen, Verschleiß, angeborene und erworbene Deformitäten oder Systemerkrankungen wie Rheuma oder Diabetes mellitus.

Fehlstellungen der Füße führen fast immer zu einer Fehlstatik des gesamten Körpers und können Beschwerden an Knie- und Hüftgelenken sowie der Wirbelsäule nach sich ziehen.

Doch wann ist eine Fußfehlstellung nur eine Normvariante und wann hat sie einen Krankheitswert? Welche häufigen Veränderungen gibt es?

Ich will Ihnen im Folgenden die beiden häufigsten Fehlstellungen erläutern: den Spreizfuß und den Knick-Senk-Fuß (Plattfuß). Nicht erschrecken: Ich werde dabei einige Fachbegriffe verwenden, z. B. „Mittelfußköpfchen“. Dies sind Begriffe, die Ihr Arzt mit großer Wahrscheinlichkeit auch verwenden wird. Deshalb macht es Sinn, sie schon einmal gelesen zu haben. Dann verstehen Sie schneller, was Ihr Arzt meint.

Der Spreizfuß

Eine der häufigsten Fußveränderungen ist der Spreizfuß. Dabei weichen die Mittelfußköpfchen auseinander und die Fußquerwölbung wird flacher. Der Fuß wird im vorderen Bereich (Vorfußbereich) breiter, der Schuhkauf schwieriger. Der Spreizfuß entsteht meistens im Erwachsenenalter. Durch ein Missverhältnis von Belastung (Übergewicht, Schuhe mit hohem Absatz) und Belastbarkeit (Bindegewebsschwächen, Schwäche der Fußmuskeln) kommt es zu einer Aufspreizung des Vorfußes. Frauen leiden aufgrund der Schuhmode wesentlich häufiger unter einem Spreizfuß als Männer. Auch genetische Ursachen (Veranlagung zu schwächeren Bändern und Bindegeweben) können eine Rolle spielen, so dass mehrere Familienmitglieder die gleichen Fußprobleme bekommen können. Schließlich kann auch das Lebensalter eine Rolle spielen, weil im Alter das schützende Fußsohlenfettpolster abnimmt.

Welche Beschwerden macht ein Spreizfuß?

Ein Spreizfuß kann über länge Zeit vollkommen beschwerdefrei sein. Meist klagen Patienten zunächst über Probleme beim Schuhkauf. Die ersten Beschwerden sind meist Schmerzen in den Vorfußballen. Aber auch wegen schon bestehenden Spätfolgen wie Hallux valgus (Schiefstand des Großzehs) und/oder Kleinzehendeformitäten (z. B. Hammerzehen) sowie Schwielenbildung unter den Mittelfußköpfchen suchen Patienten den Arzt auf. Die Vorfußschmerzen führen häufig zu einer Veränderung des Abrollverhaltens mit Mehrbelastung des Schuhaußenrandes.

Wann sollte ich einen Arzt aufsuchen?

Mit einer Spreizfußfehlstellung sollten Sie so frühzeitig wie möglich zum Arzt. Eine geeignete Therapie und Übungen können das Fortschreiten des Spreizfußes stark verlangsamen. Das Ziel der konservativen ärztlichen Therapie ist die Prophylaxe der oben geschilderten schmerzhaften Folgeerkrankungen des Spreizfußes. Hierzu sind Fußstand- und Ganganalysen hilfreich. Spätestens, wenn durch die Spreizfußfehlstellung Schmerzen auftreten und die Gehstrecke im Alltag eingeschränkt ist, sollte man einen Fußspezialisten aufsuchen.

Wie sichert der Arzt die Diagnose Spreizfuß?

Schon auf den ersten Blick fällt eine fächerförmige Ausbreitung der Mittelfußknochen auf. Dazu kommen die Veränderungen der Zehen und der Haut unter den Zehenköpfchen, wie Schwielen und Hühneraugen.

Anhand einer eingehenden Befragung des Betroffenen und der körperlichen Untersuchung kann häufig bereits die Diagnose gestellt werden.
Ebenfalls wichtig ist eine Untersuchung der Wadendehnung sowie der Beweglichkeit des oberen Sprunggelenks. Sie gibt Hinweise auf eine erhöhte Vorfußbelastung durch ein verändertes Abrollverhalten. Wenn das Sprunggelenk nur noch eingeschränkt beweglich ist, sind die Fußgelenke und der Vorfuß zusätzlich belastet.

Ein Röntgenbild ergänzt die klinische Untersuchung. Im Röntgenbild kann der Arzt die veränderten Winkel zwischen den Mittelfußknochen messen, um so das Ausmaß des Spreizfußes abzuschätzen. Das Röntgenbild sollte unter Belastung durchgeführt werden. Der Patient muss also stehen und sein ganzes Körpergewicht auf den Fuß bringen. Es zeigt auch die Folgeschäden an den Gelenken. Weitere Untersuchungen wie ein MRT sind nur bei speziellen Fragestellungen notwendig.

Welche Therapie ist sinnvoll?

Eine konservative Therapie bietet die Möglichkeit, dem Fortschreiten der Spreizfußfehlstellung und damit der Überlastung der Zehengrundgelenke und Weichteile im Vorfußbereich entgegenzuwirken. Auch wenn das vordere Fußgewölbe meist nicht mehr hergestellt werden kann, können therapeutische Maßnahmen die Schmerzen deutlich reduzieren und die Gewebe im Vorfuß- und Zehenbereich gesund erhalten. Entlastung der Druckstellen kann auch durch weite und bequeme Schuhe erfolgen.
Weiterhin sollte man versuchen, sein Gewicht zu reduzieren, weil sich auf diese Weise am einfachsten die Überbelastung des Vorfußes vermindern lässt.

Entzündliche Veränderungen und Überlastungsschmerzen können durch Kälteanwendungen, basische Fußbäder, Wechselduschen und entzündungshemmende Medikamente in Form von Salben oder Tabletten (z. B. Ibuprofen oder Diclophenac) gemindert werden.

Physiotherapeutische Übungen kräftigen die gesamte tiefe Muskulatur des Fußes und wirken dadurch der fortschreitenden Spreizfußfehlstellung entgegen. Solche Übungen kann man von spezialisierten Fuß-Physiotherapeuten erlernen. Regelmäßige Eigenübungen sind der Schlüssel zum Erfolg. Bei verkrampfter oder verkürzter Wadenmuskulatur dient ein Dehnungsprogramm zur verbesserten Steuerung des Fußgewölbes.

Die am weitesten verbreitete konservative Maßnahme sind die sogenannten Spreizfußeinlagen. Diese haben eine Erhöhung, die das Fußgewölbe direkt hinter den Vorfußköpfchen anhebt. Orthopädische Schuhanpassungen wie der Einbau einer „Schmetterlingsrolle“ in den Schuh können sich lohnen. Der Druck beim Abrollen des Fußes wird so besser verteilt. Die Schmetterlingsrolle entlastet gezielt die beim Spreizfuß stark belasteten Mittelfußköpfchen durch eine gepolsterte Aussparung der Schuhsohle. Eine Fußbandage hält den verbreiterten Vorfuß zusammen, sodass wieder ein Gewölbe entsteht. Ein spezieller Einsatz (eine sogenannte Pelotte) stützt das Fußquergewölbe aktiv.

Kann ein Spreizfuß operativ behandelt werden?

Ja, als letzte Therapieoption kann eine Operation in Erwägung gezogen werden. Diese kommt immer dann zur Anwendung, wenn unter Ausschöpfung aller konservativen Maßnahmen die Schmerzen nicht dauerhaft gelindert werden konnten. Eine Operation kann die Belastbarkeit des Vorfußes im Alltag wiederherstellen.

In die Planung einer solchen Operation muss immer die Gesamtsituation des Fußes integriert werden. Ist die Bewegung des oberen Sprunggelenks eingeschränkt? Sind die Fußwurzelgelenke instabil oder von Arthrose befallen? Um Misserfolge zu vermeiden, ist für die Planung einer Spreizfußoperation eine spezialisierte fußorthopädische Aufarbeitung des gesamten Fußes und Unterschenkels erforderlich. Hier sollte Sie Ihr Fußspezialist eingehend beraten. Eine genaue Analyse der zugrundeliegenden Fehlstellung ist Voraussetzung für die Entscheidung über die richtige Fußchirurgie.

Der Knick-Senk-Fuß

Auch der Knick-Senk-Fuß ist weit verbreitet, oft wird er auch als Plattfuß bezeichnet. Der Begriff leitet sich aus der veränderten Optik des Fußes ab: Von vorne gesehen knickt der hintere Teil des Fußes (der Rückfuß) nach innen ab. Grund dafür ist eine Senkung des Fußlängsgewölbes. Der Knick-Senk-Fuß betrifft vor allem Frauen im Alter von 40–50 Jahren. Ursache ist eine Schwächung der Sehne, die von der Unterschenkelinnenseite bis in den Fuß zieht. Ihre Spannung hält das Fußlängsgewölbe im gesunden Fuß aufrecht.

Die Schwächung der Sehne kann z. B. durch eine chronische Entzündung der Sehnenscheide entstehen. Auch Verletzungen durch Unfälle und eine damit einhergehende Überdehnung der Sehne können die Erkrankung verursachen. Auch viele Kinder und Jugendliche haben einen Knick-Senk-Fuß. Hier liegt die Ursache aber nicht im Bereich der Sehnen, sondern in einer Reifestörung der Fußlängswölbung.

Welche Beschwerden treten beim Plattfuß auf?

Das Beschwerdebild ist vielfältig. Die Betroffenen beschreiben häufig Belastungsschmerzen über dem Fußinnenrand unter dem Innenknöchel. Zum Teil lokalisieren die Patienten die Beschwerden vom Fußinnenrand um den Knöchel herum bis in den Unterschenkel reichend bis zu wiederkehrenden Wadenkrämpfen. Häufig wird auch nur eine Knöchelschwellung beschrieben, die innen und außen auftreten kann.

Neben diesen konkreten Beschwerden klagen viele über eine verminderte Gehstrecke und nicht selten über Knieschmerzen. Später entstehen Schmerzen durch Entzündungen und Überlastungen im Bereich der Fußsohlen- und Achillessehne. Die Fehlstellung lässt sich häufig auch an Veränderungen der Schuhsohlen feststellen: Der Innenrand der Schuhe ist vermehrt abgelaufen.

Wie stellt der Arzt die Diagnose?

Wie beim Spreizfuß ist der Plattfuß eine Blickdiagnose. Eine genaue klinische Untersuchung ebenso wie eine Röntgenuntersuchung unter Belastung des Fußes sichert die Diagnose ab.

Bei der Untersuchung wird auf vorhandene Fehlstellungskomponenten, Schwellungen und Druckschmerzen geachtet. Spezielle Tests helfen, die Verdachtsdiagnose weiter einzugrenzen.

Eine Untersuchung der angrenzenden Fußabschnitte, Bewegungsprüfung der Gelenke, Stabilitätstests der Bänder und Kraftuntersuchungen der Muskulatur dienen ebenfalls dazu, andere Erkrankungen auszuschließen. Wichtig ist es, die Korrigierbarkeit der Fehlstellung zu prüfen, um die bestmögliche Therapieentscheidung treffen zu können.

Durch Röntgenaufnahmen unter Belastung lassen sich die Fehlstellungen quantifizieren. Die ärztliche Untersuchung und die Durchführung geeigneter Röntgenuntersuchungen sind für die Therapieentscheidung unabdingbar. Ultraschalluntersuchungen und MRT-Untersuchungen geben dem Arzt zusätzliche Informationen über den Zustand der Sehnen.

Welche Therapiemöglichkeiten gibt es?

Der Knick-Senk-Fuß sollte zunächst immer konservativ behandelt werden. Eine „Kortisonspritze“ in die Sehne am Innenknöchel ist nicht sinnvoll, da dies die Sehne zusätzlich schwächen kann.

Der erste Therapieschritt ist die Verordnung einer stützenden Einlage, die das Fußlängsgewölbe unterstützen soll. Sie muss am Fußinnenrand deutlich erhöht sein und sollte in einen entsprechend stabilen Schuh eingelegt werden. Eine erfolgreiche Einlagenversorgung ist gerade bei einem Knick-Senk-Fuß nicht nur von der Einlage, sondern in hohem Maße vom getragenen Schuh abhängig. Unterstützende Bandagen oder Schuhversorgung mit einer leichten Innenranderhöhung können zur Schmerzreduktion beitragen. In Spätstadien kann eine orthopädische Schuhversorgung helfen.

In vielen Fällen lässt sich der flexible Knick-Senk-Fuß durch aktivierende Übungen der Füße therapieren. Dehnungstherapien der oft verkürzten Wadenmuskulatur ergänzen die Therapie. Entzündungshemmende Therapiemaßnahmen wie z. B. Ultraschallbehandlung oder Kältetherapie finden ebenso Anwendung wie die medikamentöse Therapie oder eine Stoßwellentherapie der Sehnen. In einigen Fällen ist die Fehlstellung aber schon zu stark, um einer konservativen Therapie zugänglich zu sein, dann muss über eine operative Therapie nachgedacht werden.

Fazit

Durch frühzeitige Maßnahmen wie Kräftigung der Fußmuskulatur, Belastungsreduktion (Gewichtsreduktion) und Vermeidung fußschädlicher Schuhe kann eine Prophylaxe zur Vermeidung von Fußfehlstellungen erfolgen. Liegen bereits Veränderungen und Schmerzen vor, können Einlagen, Bandagen sowie gezielte Übungen Beschwerden reduzieren. Sollten weiter Schmerzen bestehen, können auch operative Maßnahmen in Erwägung gezogen werden.

Ihr Dr. Mark Reinert

DR. MARK REINERT ist Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie sowie zertifizierter Fußchirurg. Seit 2017 arbeitet er in Saarbrücken-Brebach in einer Gemeinschaftspraxis, dem OCZ-Saar. Er ist verheiratet und hat zwei Kinder. Dr. Reinert ist sportbegeistert und startet als leidenschaftlicher Orientierungsläufer für den TV Oberbexbach. Seit 2017 unterstützt er den Saarländischen Turnerbund STB als Verbandsarzt.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

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