mio, mein Globus-Magazin Lädt...
arrow-down arrow-left arrow-right arrow-top search arrow-thin-right arrow-thin-left chevron-thin-down chevron-thin-up email instagram facebook youtube twitter remove quote www

mio, mein Globus-Magazin

mio, mein Globus-Magazin
Wie viel Kaffee ist (noch) gesund?

Fachärztin Dr. Busse klärt über gesundheitliche Folgen von Kaffee auf.

Wie viel Kaffee ist (noch) gesund?

Frau Dr. Busse, zu Kaffee und Gesundheit hört man viele unterschiedliche Meinungen. Was sagen Sie als Ärztin dazu?

Zum Thema Kaffee gibt es viele Studien. Meistens werden neue Erkenntnisse über positive Wirkungen veröffentlicht, sodass ich mich schon oft gefragt habe, inwiefern die Kaffeeindustrie dahintersteckt. Allerdings prüften britische Forscher für das renommierte „British Medical Journal“ 2017 die Ergebnisse aus 201 „Kaffee-Studien“. Keine der Studien konnte negative Effekte von Kaffee finden. Körperliche Gesundheit und der Konsum von maximal drei bis vier Tassen pro Tag vorausgesetzt.

Vor Kaffeekonsum wird oft gewarnt; Kaffee steigere den Blutdruck und solle von Patienten mit Bluthochdruck keinesfalls getrunken werden. Welchen Einfluss nimmt Kaffee auf den Kreislauf?

Kaffee, aber auch schwarzer und grüner Tee, führen durch ihren Gehalt an Koffein bzw. Theobromin zu einer kurzfristigen, etwa 20 bis 30 Minuten anhaltenden individuell unterschiedlichen Blutdruckerhöhung um etwa 10 bis 20 mmHg. Ein direkter Konsum vor der Blutdruckmessung beeinflusst also möglicherweise das Ergebnis. Entkoffeinierter Kaffee führt zu keiner Blutdrucksteigerung. Bei regelmäßigem Kaffee- oder Teekonsum treten infolge des Gewöhnungseffektes nach einigen Wochen keine Blutdruckanstiege mehr auf oder sie fallen geringer aus. Insofern spricht aus medizinischer Sicht bei Menschen mit hohem Blutdruck nichts gegen maßvollen Konsum von Kaffee.

Sofern Sie allerdings unter Herzrhythmusstörungen leiden, sollten Sie beobachten, ob Kaffee einen Einfluss hat und den Konsum dann gegebenenfalls anpassen.

Wie sieht es bezüglich Magen-Darm-Trakt aus, fördert Kaffee wirklich die Verdauung und ist er auf leeren Magen weniger bekömmlich?

Durch den Röst- und Brühvorgang entstehen verschiedene Bitterstoffe, Gerbstoffe und Säuren, die sich direkt auf den Magen-Darm-Trakt auswirken können. Die Stoffe wirken stimulierend auf die Produktion von Magen- und Gallensäften. Dies führt zu einer gesteigerten Säurebildung und dadurch unter Umständen zu Magenschmerzen und/oder Sodbrennen. Eine ähnliche Wirkung besitzt das Koffein im Kaffee. Ist ein Patient magenempfindlich oder magenkrank, kann Kaffee auf nüchternen Magen zu Magenreizung und entsprechenden Beschwerden führen. Entkoffeinierter Kaffee ist allerdings auch nicht zwangsläufig schonender für den Magen.

Was die verdauungsfördernden Eigenschaften von Kaffee betrifft, ist noch wenig über das Zusammenspiel zwischen Bitterstoffen und dem Verdauungssystem bekannt. Neuere Studien lassen Zusammenhänge zwischen Kaffeekonsum und Verdauung vermuten: Eine europäische Studie konnte zeigen, dass außer den Bitterstoffen auch die Bitterstoffrezeptoren, d. h. die empfundene Bitterkeit von Kaffee, die Regulation der Magensäure beeinflussen kann. Die Magen-Darm-Peristaltik (Bewegungen des Darmes) wird dadurch stimuliert, d. h. die Verdauung wird angeregt. Die erste Tasse Kaffee am Morgen kann also durchaus zu regelmäßigem Toilettengang verhelfen.

„Italienische“ Kaffeezubereitungsarten wie Espresso und Cappuccino sind bekömmlicher als die traditionelle Filterzubereitung.

Wie kann ich auch mit empfindlichem Magen Kaffee trinken?

Wählen Sie Kaffeebohnen, die länger geröstet wurden, denn durch eine längere Röstung bleibt weniger Säure in den Bohnen.
Arabica-Bohnen gelten als säureärmer als zum Beispiel Robusta-Bohnen. Espresso-Bohnen werden in der Regel lange geröstet, dadurch reduzieren sich ihre Säuren. Der Zusatz von Milch oder Sahne zum Kaffee kann die Säure im Kaffee ebenfalls abmildern.
Von Bedeutung ist außerdem das Brühverfahren. Je kürzer die Kontaktzeit des Wassers mit der Kaffeebohne ist, desto verträglicher ist der Kaffee, da somit weniger Bitterstoffe aus dem Kaffee gelöst werden. „Italienische“ Zubereitungsarten wie Espresso und Cappuccino sind daher bekömmlicher als die traditionelle Filterzubereitung.


Was passiert eigentlich durch das Koffein im Körper?

Koffein steigert Wachsamkeit und Leistungsfähigkeit, indem es im zentralen Nervensystem stimulierend wirkt und mehr Dopamin freigesetzt wird. Somit kann die Reaktionszeit verbessert werden. Koffein hemmt außerdem den körpereigenen Botenstoff Adenosin, der bei der Aktivität von Nervenzellen entsteht. Adenosin signalisiert dem Körper durch Andocken an den entsprechenden Rezeptoren einer Nervenzelle Müdigkeit und Erschöpfung. Koffein kann sich durch eine ähnliche Struktur ebenfalls an diese Rezeptoren heften und die Weitergabe des Signals blockieren. Dadurch kommt es zum Gefühl von Wachheit beim Kaffeetrinker, obschon er es eigentlich gar nicht ist. Bei manchen Menschen kann es durch vermehrte Bildung von Stresshormonen zu innerer Unruhe und Nervosität kommen. Bei hohen Dosierungen oder besonderer Empfindlichkeit können zusätzlich körperliche Symptome auftreten wie Schwitzen und Zittern.

Wie schnell tritt die Wirkung von Koffein denn ein?

Das ist individuell sehr verschieden und hängt auch davon ab, wie viel Sie vorher gegessen haben: Im satten Zustand erfolgt die Aufnahme langsamer, sodass es erst später in den Blutkreislauf gelangt. In der Regel benötigt der Körper etwa 20 bis 45 Minuten für die Aufnahme des Koffeins.

Und wie lange hält die Wirkung an?

Das hängt einerseits von der genetischen Veranlagung ab, wie schnell der Körper Koffein abbaut, andererseits auch von Alter, Geschlecht und Gewicht. Des Weiteren ist der Gewöhnungseffekt nicht zu vernachlässigen: Je regelmäßiger Kaffee getrunken wird, desto schwächer und kürzer ist die Wirkung. Außerdem bauen Raucher Koffein schneller ab als Nichtraucher und auch Medikamente können einen Einfluss nehmen.

Es wird immer wieder vor der Entwässerung des Körpers durch Kaffee gewarnt. Wie sehen Sie das?

Es kommt tatsächlich zu einem erhöhten Harndrang durch Steigerung der Durchblutung des Nierenmarks, allerdings in so geringem Umfang, dass es nicht zu einer Entwässerung des Körpers kommt.

Welche Auswirkungen auf den Organismus sind noch bekannt?

Durch den Genuss von Kaffee kann es zu einer Erweiterung der Bronchien kommen, sowieso zu einer Beschleunigung der Atmung, d. h. einer Erleichterung des Atmens. Die neueste Forschung zeigt, dass bestimmte Kaffee-Inhaltsstoffe wie Cafestol und Kahweol die Leberzellen schützen. Dadurch wird das Risiko für Leberzirrhose gesenkt.
Durch Kaffeekonsum kommt es zu einem leichten Anstieg der Körperkerntemperatur und somit zu einem Wärmeempfinden, dadurch zu vermehrter Stoffwechselaktivität sowie Fettabbau. Koffein hat eine leicht schmerzstillende Wirkung und ist oft in Kombination mit anderen Schmerzmitteln zu finden. Besonders bei leichter Migräne kann schon eine Tasse Kaffee die Beschwerden lindern, eventuell aber auch die gegenteilige Wirkung erzielen. Eine Substanz der Kaffeebohne, die Chlorogensäure, hat eine anti-diabetogene Wirkung und wirkt Hyperglykämien (Überzuckerungen) entgegen.

Seit einigen Jahren wird diskutiert, ob Koffein süchtig macht oder nicht. Was können Sie uns dazu sagen?

Koffein erhöht zwar die Aktivität mehrerer Gehirnzentren, allerdings sind die typischen „Suchtzentren“ nicht dabei. Viele Menschen trinken zwar regelmäßig Kaffee und nehmen Koffein zu sich, dennoch bringt der Genuss von Koffein keine weiteren charakteristischen Eigenschaften für eine Abhängigkeit wie eine ansteigende Dosierung und die Unfähigkeit, diese Gewohnheit aufzugeben, mit sich.

Schwangere oder stillende Mütter sollten Kaffee nur in geringem Maße konsumieren. Da das Koffein aus dem Blutkreislauf von Schwangeren ungehindert in den Blutkreislauf des Ungeborenen übertragen wird.

Gibt es Menschen, die ihren Kaffeekonsum einschränken sollten?

Von Schwangeren oder stillenden Müttern sollte Kaffee nur in geringem Maße genossen werden. Das Koffein aus dem Blutkreislauf von Schwangeren wird ungehindert in den Blutkreislauf des Ungeborenen übertragen. Bei Stillenden erhält der Säugling die Substanz über die Muttermilch. Sein Abbau findet in dem kleinen Organismus stark verzögert statt. Eine Tasse Kaffee pro Tag schadet aber nicht.

In der Kinderernährung sollten Kaffee und andere stimulierende Energiegetränke tabu bleiben. Die psychoaktive Wirkung des Koffeins hat bei einem niedrigeren Körpergewicht sowie in der Entwicklungsphase einen noch intensiveren Effekt und kann zu Konzentrationsschwäche und Aufmerksamkeitsproblemen führen.

Außerdem sollten diejenigen, die durch Kaffee negative Auswirkungen wie Magenprobleme, Nervosität oder Herzrhythmusstörungen spüren, den Konsum einschränken.

Vorsichtig sein sollten auch Frauen, bei denen ein erhöhtes Risiko für Knochenbrüche bekannt ist. Kaffee kann dieses Risiko erhöhen.

Frau Dr. Busse, ist Kaffee nun gesund oder eher ungesund, und wie viel Kaffee ist pro Tag aus medizinischer Sicht „erlaubt“?

Die Dosis macht das Gift, das hat schon Paracelsus gelehrt. Diesen Satz kann man auch auf den Kaffeekonsum übertragen. Bis zu fünf Tassen Kaffee pro Tag haben eher gesundheitsfördernde Effekte, während mehr als sechs Tassen eher einen negativen Effekt haben.

Letzte Frage: Trinken Sie Kaffee?

Ja, ich liebe Kaffee und trinke täglich vier bis sechs Tassen in verschiedener Zubereitung, tagsüber am liebsten Cappuccino – der beste wird von meiner italienischen Mitarbeiterin bereitet! –, nach einem guten Essen Espresso macchiato.

DR. BARBARA BUSSE ist seit 2002 als Fachärztin für Allgemeinmedizin in eigener hausärztlicher Praxis in Saarbrücken-Brebach niedergelassen. Sie verfügt über eine Zusatzqualifikation in Ernährungsmedizin. Ihre Freizeit verbringt sie am liebsten mit ihren drei Kindern, Partner und Freunden. Sie kocht leidenschaftlich gerne, treibt Sport (Radfahren, Schwimmen, Laufen, Wandern, Skifahren) und interessiert sich für Kunst, Musik und Reisen

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

Hier geht‘s zum Angebot der KV Saarland.