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Geteiltes Grün

Mit anderen zusammen Gärtnern hat viele Vorteile – und mehr Spaß macht es auch noch. Shared Gardening für alle!

Geteiltes Grün

Ob nur zur Entspannung oder für den Anbau von Obst und Gemüse: Im Zuge des Bio-Booms ist das eigene Grün aktuell besonders beliebt. Wir stellen Ihnen die „Shared Garden-Konzepte“ vor, bei denen sich mehrere Nutzer eine Garten- oder Anbaufläche teilen.

Shared Garden, Community Garden, Urban Gardening, Gemeinschaftsgarten, Selbsterntefläche – für die gemeinsame Nutzung von Grünflächen gibt es viele Bezeichnungen und immer wieder neue Konzepte. Das Ziel ist meist das gleiche: die Verbindung von Natur und Gemeinschaft zur optimalen Nutzung von Grünraum. In manchen Fällen sind die Flächen öffentlich zugänglich, einige werden in kleinen Gruppen innerhalb von Vereinen, Schulen oder Kirchen genutzt und wieder andere werden unter Familie, Freunden oder Nachbarn geteilt. Das Tolle daran: Die Verteilung von Kosten und Arbeit auf viele Köpfe sorgt für einen sinnvollen und nachhaltigen Einsatz von Ressourcen bei überschaubarem Zeitaufwand. Wir haben mit zwei Menschen gesprochen, die auf unterschiedliche Weise ihr Grün teilen.

Der Schrebergarten: kleine Alltagsflucht unter Freunden

Genauestens eingezäunte Parzellen mit akkurat abgesteckten Beeten, die Einhaltung von Hausregeln und Mittagsruhe, der obligatorische Gartenzwerg unter dem Windspiel am Eingang – Schrebergärten besaßen lange den Ruf des typisch deutschen Spießertums. Doch diese Zeiten sind vorbei: Es sind längst nicht mehr nur Oma und Opa, die ihre wohlverdiente Freizeit im Rentenalter mit Rasenmähnen und Heckenschneiden verbringen. Auch mio-Redakteur Pascal (31) verbringt gern Zeit in seinem Gärtchen und erzählt, wie sich die gemeinsame Nutzung mit Freunden und Familie gestalten lässt.

„Schrebergärten waren für unsere Familie schon immer Teil des Lebens. Beide Großeltern besaßen ein kleines Stück gepachtetes Grün mitten in der Großstadt, in das wir uns in jeder freien Minute zurückziehen konnten. Dabei versammelten sich vor allem an den Wochenende Freunde und die ganze Familie zum Arbeiten, Feiern, Spielen, Grillen und vielem mehr. Jeder half mit und tat, was er konnte: Büsche schneiden, Unkraut jäten, Beeren pflücken oder einfach für die Verpflegung sorgen. Und dafür brauchte es meist noch nicht einmal große Absprachen: Irgendwer war immer da. Als Kinder saßen wir im Sommer oft bis nachts am Lagerfeuer, tauchten im Planschbecken oder schaukelten am Baum, bis uns schwindelig wurde. Später feierten wir dort unsere Teenager-Partys, wofür der Garten perfekt war: durch die zentrale Lage gut erreichbar und doch so weit vom Wohngebiet entfernt, dass wir niemanden störten. Heute besitzen wir nur noch einen der Gärten und es ist bei dem modernen „Freizeitstress“ komplizierter geworden, sich spontan zu treffen, aber trotzdem genießen wir vor allem im Sommer regelmäßig die Ruhe unseres Gärtchens, das mit den Jahren auch ein wenig komfortabler geworden ist. Wo vor 30 Jahren kaltes Wasser und Kerzen herhalten mussten, haben wir heute eine Stromleitung für Kühlschrank und Lampen und können sogar auf einer Herdplatte kochen. Nach wie vor ist der Garten Anlaufpunkt für viele Freunde, einige besitzen sogar selbst Schlüssel und helfen bei der Pflege mit. Und jetzt, wo meine Eltern selbst im Rentenalter sind, ist demnächst bestimmt auch wieder mehr Zeit für den Obst- und Gemüseanbau!“

Ein kleines Stück gepachtetes Grün mitten in der Großstadt – Schrebergärten sind für viele Stadtbewohner ein Rückzugsort.

Was Sie über Kleingärten wissen müssen


Wie komme ich an einen Schrebergarten?

Die Nachfrage für Kleingärten ist aktuell sehr hoch. Wenn Sie nicht direkt am Kauf eines Grundstücks interessiert sind, müssen Sie vor allem im städtischen Gebiet damit rechnen, zunächst auf eine Warteliste gesetzt zu werden. Oft werden die Gärten von den Kommunen selbst verpachtet oder über einen Verein vermietet, für den eine Mitgliedschaft notwendig ist.

Was kostet ein Schrebergarten?

Die jährlichen Kosten für eine Pacht sind vergleichsweise gering und liegen bei durchschnittlich rund 170 Euro. Hinzu kommen etwaige Nebenkosten wie Mitgliedsbeiträge, Strom, Wasser oder Versicherungen. Beim Kauf eines Grundstücks variieren die Kosten je nach Lage und Größe. Auch zwischen den Bundesländern gibt es große Unterschiede. Bei den Spitzenreitern Bayern und Berlin ist im Schnitt mit Kosten zwischen 30 und 40 Euro pro Quadratmeter zu rechnen, am günstigen ist Sachsen-Anhalt mit nur 4 Euro. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 12 Euro.

Die deutschen Städte mit den meisten Kleingärten


  1. Berlin
  2. Leipzig
  3. Hamburg
  4. Dresden
  5. Hannover
  6. Bremen
  7. Chemnitz
  8. Frankfurt am Main
  9. Magdeburg
  10. Köln

Ab auf den Acker! Gemeinsamer Anbau mit allen

Wem es in erster Linie um die Selbstversorgung mit Obst und Gemüse geht, für den ist Garden Sharing in Form einer eigenen Ackerparzelle vielleicht genau das Richtige. Dabei stellen Bauern oder Gärtnereibetriebe Teile ihrer Anbauflächen für die private Bewirtschaftung zu Verfügung. Hobbygärtner Marius Knop hat sich im letzten Jahr ebenfalls unter die Laien-Landwirte begeben und seine erste eigene Feldernte in Frankfurt-Oberrad eingefahren. „Meine Frau und ich legen schon seit Längerem Wert auf Regionalität und gehen auf dem hiesigen Wochenmarkt einkaufen“, erzählt er uns. „Als wir dann im letzten Frühjahr über Nachbarn von der Möglichkeit erfuhren, eine eigene Ackerparzelle zu bewirtschaften, waren wir sofort Feuer und Flamme – lokaler und saisonaler geht es ja nicht.“

Mehr Vielfalt geht nicht: Wem das vorgepflanzte Gemüse nicht reicht, findet vor Ort noch eine große Auswahl an weiterem Saatgut.

Reiche Auswahl

Und die beiden hatten Glück: Trotz der kurzfristigen Anfrage per Mail an die Gärtnerei, welche die Anbauflächen verpachtet, war ab Mitte Mai noch eine halbe Parzelle frei. Und die konnte direkt genutzt werden. „Das Gelände wurde uns schon gedüngt und teilweise vorbepflanzt übergeben, ungefähr die Hälfte konnten wir dann noch mit selbst ausgewählten Pflanzen belegen, die auch direkt vor Ort kostenlos erhältlich waren“, berichtet Marius Knop. So wuchs die Pflanzenvielfalt schnell an und es blieben wirklich keinerlei Wünsche offen: Unter anderem waren Karotten, Pastinaken, Radieschen, Rote Bete, Mangold, Gurken, Kürbisse, Zucchini, Süßkartoffeln, Artischocken verschiedenen Sorten Kopfsalat, Kohl und Kräuter, vorgepflanzt. Dazu gesellten sich selbst gepflanzte Feuer- und Buschbohnen, Erbsen, Lauchzwiebeln, Paprika, Chili, Brokkoli, Wirsing, Spinat, Tomatillos, Kartoffeln – und 15 verschiedene Sorten Tomaten. Unvermeidlich spross außerdem essbares „Unkraut“ wie Franzosenkraut, Portulak und Löwenzahn sowie Sonnenblumen und Studentenblumen (Tagetes), die vor allem optisch ein Blickfang waren.

Hier gibt es immer was zu tun: Vor allem im Hochsommer verlangt der Acker tägliche Bewässerung.

Von nichts kommt nichts

Vor der Ernte steht die Arbeit. Zu Beginn der Saison bedeutete das erst einmal, den Acker regelmäßig zu harken und von unerwünschtem Unkraut zu befreien. „Das war als blutiger Anfänger gar nicht so leicht, da die kleinen Pflanzen sich anfänglich alle ziemlich ähnlichsehen“, sagt Marius Knop. „Aber dank großer Unterstützung durch die Verpächterin und eine Pflanzenbestimmungs-App war auch das zu schaffen.“ Nachdem dann endlich alles spross und gedieh, ging es schon an die erste Ernte, aber auch ans Zurechtschneiden, Anbinden (zum Beispiel von Tomaten und Stangenbohnen) und natürlich musste das ganze Jahr über regelmäßig gegossen werden. Dafür stehen über das Gelände verteilt an mehreren Stellen Tanks bereit, von denen man das Wasser mit der Gießkanne holen muss. „Insgesamt bedeutete das anfangs dreimal pro Woche ungefähr drei Stunden Arbeit“, sagt der 34-Jährige. „Im Hochsommer war teilweise aber auch tägliches Gießen nötig, also dann jeden Tag nach der Arbeit noch für zwei Stunden auf den Acker. Ab September wurde es dann aber wieder merklich entspannter.“

Ein besonderes Miteinander

Was die Erfahrung neben der Pflanzenkunde so neu und außergewöhnlich machte, war das Gemeinschaftsgefühl, das unter allen Pächtern herrschte. „Anfangs habe ich mir die Arbeit mit meiner Frau geteilt. Da sie jedoch im Sommer schwanger wurde, habe ich ab Juli dann erstmal alleine ‚geackert‘“, sagt Marius Knop. Aber auch die Hilfe von Seiten der Nachbarn ließ nicht lange auf sich warten: „Das waren nahezu ausnahmslos nette, hilfsbereite Menschen, insbesondere auch die Verpächterin.“ Sogar eine „Urlaubsvertretung“ war über die Mitgärtner gut zu organisieren, weshalb trotz allem sogar der Sommerurlaub stattfinden konnte. Nach der – im wahrsten Sinne des Wortes – heißen Phase folgte dann die Pflege und Ernte von Spätsommer bis Herbst, bis schließlich im Dezember ein gemeinsames Abschlussfest die Saison besiegelte. Marius Knops Fazit bleibt ein durchweg positives: „Auch wenn es eine sehr bereichernde Erfahrung war, machen wir dieses Jahr erstmal Babypause.“ Damit ist das Projekt Ackerbau zwar erst einmal beendet, aber fest für die Zukunft wieder eingeplant.

Mehr zum Konzept

Der betreffende Acker in Oberrad ist in viele kleine Parzellen (ca. 3,50 m auf 22 m) eingeteilt. Möglich ist, eine komplette oder auch nur eine halbe Parzelle (ca. 1,75m x 22 m) für jeweils eine Saison von Ende April bis Anfang Dezember pachten. Marius Knops halbe Parzelle kostete für die ganze Saison 140 Euro „all inclusive“, d. h. mit Pflanzen, Wasser und mehr. Die ganze Parzelle kostet dann den doppelten Preis. Eine richtige Warteliste gibt es hier nicht. Pächter des Vorjahres dürfen ihre Parzelle im Folgejahr erneut pachten, alle freiwerdenden Parzellen werden neu verpachtet. Zum Gemeinschaftsgelände gehören außerdem Sitz- und Picknick-Möglichkeiten, ein Grill und eine Feuerstelle, außerdem wird dort alles notwendige Gartengerät bereitgestellt. Die Wasserversorgung erfolgt über große Wassertanks, die verteilt auf dem Gelände stehen. Strom gibt es nicht, ist aber auch nicht notwendig.

Weiterführende Links:

www.anstiftung.de

www.kleingarten-bund.de