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Savoir-vivre

Die Kunst der französischen Lebensfreude

Savoir-vivre

Den Moment genießen, mehr Ruhe und Ausgeglichenheit im Alltag – wer wünscht sich das nicht? Dabei liegt die Lösung fast nebenan: Die Franzosen scheinen den Dreh rauszuhaben für mehr Genuss und Gelassenheit. mio hat mit dem deutschfranzösischen Koch Christoph Brzeski gesprochen und zeigt Ihnen außerdem, wie Sie sich die französische Lebensfreude nach Hause holen.

Ein Spaziergang in der Abenddämmerung, ein Plausch mit Freunden im Café um die Ecke oder ein Gläschen Wein in gemütlichem Ambiente – klingt das nicht nach einer schönen kleinen Auszeit? Doch nicht selten holen uns Gedanken über wichtige Termine und lange To-do-Listen in den stressigen Alltag zurück und es ist vorbei mit der ausgelassenen Stimmung. Fast jeder kennt das. Außer die Franzosen – es scheint zumindest so zu sein, dass sie das Leben in vollen Zügen genießen, gelassen, leichtfüßig und elegant. Egal ob im verworrenen Pariser Verkehr, in langen Warteschlangen oder auf einem chaotischen Familientreffen: So wie es aussieht, lassen sich die Franzosen ihre innere Ruhe nicht nehmen. Doch was genau sorgt für den unbeschwerten Lebensgenuss und die grundlegende Gelassenheit? Die Antwort ist einfach: Savoir-vivre – die Kunst, das Leben zu genießen. Dabei spielt das Essen oder die Mahlzeit eine wichtige Rolle und ist ohnehin ein allgegenwärtiges Thema in Frankreich. Wann immer es etwas zu feiern gibt, treffen sich die Menschen zu gutem Essen in geselliger Runde – was sich oft über mehrere Stunden und Gänge erstrecken kann. Und auch hier scheint Stress ein Fremdwort zu sein. Denn statt den perfekten Gastgeber inszenieren zu wollen, kochen die Franzosen nicht selten gemeinsam mit ihren Gästen und legen zwischen den Gängen gemütliche Pausen für das ein oder andere philosophische Gespräch ein. So wird aus einem kleinen Aperitif und einem netten Plausch schnell ein mehrgängiges Menü.

Hinzu kommt, dass die französische Küche mit Gerichten wie Coq au Vin, Bouillabaisse oder Éclairs und Macarons auf der süßen Seite zum Genießen geradezu einlädt. Überall schätzt man die klassischen und originellen Gerichte aus qualitativ hochwertigen Zutaten, sagt Koch Christoph Brzeski, der mit dem Restauran „Louis Laurent“ ein Stück Savoir-vivre nach Berlin holt. Denn statt auf ausgefallene Speisen setzt der Deutsch-Franzose auf Einfachheit und Authentizität. Da ist nicht nur Gelassenheit, sondern auch pure Gaumenfreude vorprogrammiert. Bleibt die Frage, wie Sie sich dieses Lebensgefühl des Savoir-vivre nach Hause holen können. Wir zeigen Ihnen, wie Genuss auf Französisch geht und welche Angewohnheiten Sie sich abschauen können, um für jede noch so stressige Situation gewappnet zu sein.

Mit Liebe zum Detail

Die Franzosen lieben Essen und zelebrieren jede Mahlzeit. Probieren Sie es aus und speisen Sie einen Tag lang auf Französisch.

Frühstück

PETIT-DÉJEUNER

Wörtlich übersetzt bedeutet petit-déjeuner „kleines Mittagessen“ und stammt aus der Zeit, als man morgens auf dem Land Suppe zum Brot aß. In der Stadt tauchte man sein Butterbrot stattdessen in Milch und später in Kaffee. Das französische Frühstück, wie wir es kennen, entstand erst in den 1950er-Jahren. Star auf dem Frühstückstisch ist das Baguette. Hinzu kommen Croissants, Brioches (Hefegebäck) oder Rosinenbrötchen mit Tee oder Kaffee. Am liebsten trinken die Franzosen ihren Kaffee am Morgen mit Milch als Café au lait im Bol – das ist eine kleine Schale.

Mittagessen

DÉJEUNER

Zum Mittagessen wird in Frankreich gut gegessen mit Vorspeise, Hauptspeise und Dessert. Probieren Sie dazu doch unsere Gerichte aus der Rezeptstrecke! Zum Schluss gibt es einen Espresso.

Der kleine Happen

CROÛTER

Nachmittags gegen 16 Uhr gibt es meist eine kleine Zwischenmahlzeit – beispielsweise ein Croissant zum Tee.

Abendessen

DÎNER

Später als hierzulande Üblich, wird in Frankreich oft erst gegen 20 Uhr zu Abend gegessen. Auf dem Menüstehen in der Regel wieder drei Gänge. Wird im großen Stil diniert, weil Freunde oder Familie zu Gast sind, gibt es zu Beginn einen Aperitif und zum Schluss einen Digestif; dazwischen liegen mindestens vier Gänge bestehend aus Vorspeise, Fisch oder Fleisch, Käse und Dessert. Natürlich mit den beiden stetigen Begleitern: Baguette und Wein.

MEHR ALS NUR ESSEN

Weil die Franzosen die schönen Dinge im Leben so gut zu schätzen wissen, ernannte das UNESCO-Komitee die französische Küche 2010 zum immateriellen Weltkulturerbe. Dabei geht es vor allem um das gastronomische Mahl der Franzosen als gesellschaftliche Praxis. Gewürdigt wurde die Art, in mehreren aufeinander abgestimmten Gängen mit passendem Wein und bei gemütlichem Beisammensein mit Familie und Freunden zu speisen. Außerdem spielten auch die Tischgestaltung
und der Kauf lokaler und hochwertiger Produkte eine Rolle bei der Ernennung.

Kleines Savoir-vivre-Wörterlexikon:

C’est la vie! = So ist das Leben!
l’élégance de coeur = Eleganz des Herzens
Laissez-faire = lassen Sie (die anderen) machen
le régal = Gaumenfreude
le bonheur = Glück
la joie de vivre = Lebensfreude

Schon gewusst?

  • Jedes Jahr werden in Frankreich zehn Milliarden Baguettes verkauft.

  • Im Durchschnitt isst ein Franzose ein halbes Baguette pro Tag. Vor einem Jahrhundert waren es noch 3,5 pro Person täglich.

  • Rund 90 Millionen Touristen besuchen Frankreich pro Jahr. Damit führt das Land die Liste der beliebtesten Reiseziele weltweit an. Und wo geht es, in Frankreich angekommen, hin? Besucher verschlägt es vor allem nach Paris, an die Côte d’Azur, in die Provence oder die französischen Alpen.

INTERVIEW


„Franzosen sind Weltmeister im Genuss“

Weiß marmorierte Bistrotische und antike Deckenlampen – dazu Bouillabaisse, Entrecôtes und Escargots: Das Berliner Restaurant „Louis Laurent“ hat sich der französischen Lebensart verschrieben. Wir haben den Küchenchef, Christoph Brzeski, gefragt, was er unter dem typischen Savoir-vivre versteht und was wir von unseren Genießer-Nachbarn lernen können.

MONSIEUR BRZESKI, SIE SIND DEUTSCH-FRANZOSE UND HABEN BEI DEM BEKANNTEN KOCH LOUIS NOU IHRE AUSBILDUNG GEMACHT. WAS VERSTEHEN SIE UNTER DEM FRANZÖSISCHEN SAVOIR-VIVRE?
In erster Linie Gelassenheit. Bei uns im À-la-carte-Geschäft passiert es oft, dass das Restaurant voll ist und jeder schnell bedient werden möchte. Während viele in dem Stress untergehen, kommt bei mir die typische französische Gelassenheit zur Geltung. Während ich an meinem Weißwein oder Bier nippe, wird entspannt und liebevoll konzentriert weitergearbeitet.
Diese Gelassenheit ist „bei uns Franzosen“ auch im Alltag zu finden – sei es, dass der Bus zu spät kommt, die Warteschlange lang ist, oder auch in familiären Situationen.

ALSO WISSEN DIE FRANZOSEN EINFACH, WIE SIE DAS LEBEN GENIESSEN KÖNNEN?
Richtig! In meinen Augen sind die Franzosen im Genuss Weltmeister. Gib einem Franzosen ein Entrecôte, einen Salat, frisches Baguette und hervorragenden Wein und er ist auf ewig dankbar. Wenn dazu noch ein paar gute Freunde kommen, haben wir das Paradies auf Erden. Für mich persönlich gibt es keine bessere Küche! Und in allen Restaurants auf der Welt gibt es französische Einflüsse, zum Beispiel die Jus, die als Grundlage von Suppen und Soßen dient, oder auch Arbeitstechniken, wie das Bardieren, bei dem Fleisch mit dünnen Speckscheiben umwickelt wird.

WIE SETZEN SIE DAS IM RESTAURANT UM?
Ich glaube, unsere Gäste schätzen unsere klassischen und qualitativ sehr hochwertigen Speisen. Manch einer würde sagen, unsere Speisen sind einfach, simpel und rustikal, gerade das ist der Clou daran. Eine Bouillabaisse, der ganze Stolz der Franzosen, Schmorgerichte wie Boeuf Bourguignon und Coq au Vin und dazu guter Käse wie Fourme d’Ambert, Roquefort und Brie: Das ist einfach originale Küche, ohne viel Chichi.

IN STILFRAGEN WIRD FRANZOSEN FEINHEIT, AUTHENTIZITÄT UND KLASSIK NACHGESAGT: TRIFFT DAS AUCH AUF IHREN KOCHSTIL ZU?
Ja, voll und ganz. Die Authentizität gehört zum Wichtigsten; der Gast sollte jedes Mal denken, er sitzt am Louvre und bekommt die Speisen bei himmlischem Sonnenschein kredenzt. Die Qualität und Herkunft der Lebensmittel sind nicht minder wichtig. Wir beziehen unsere Lebensmittel vom Berliner Feinkostmarkt Frischeparadies und einige auch direkt aus Frankreich, um möglichst authentische französische Speisen zu kochen.

WIE UNTERSCHEIDEN SICH DEUTSCHE VON FRANZOSEN UND WAS KÖNNEN SIE VON IHNEN LERNEN?
Ich würde sagen, die Franzosen sind definitiv gelassener und geselliger. Die Deutschen – zu denen ich mich auch zähle – sind das auch, aber halt doch ein bisschen strikter und humorloser. Gerade im Beruf ist es ratsam, immer gelassen zu bleiben, egal wie hoch der Druck ist. Das bringen wir auch all unseren Mitarbeitern bei.

DIE FRANZÖSISCHE KÜCHE IST ZUM WELTKULTURERBE ERNANNT WORDEN, WEIL SIE LAUT UNESCO DAZU DA IST, DIE „WICHTIGSTEN MOMENTE IM LEBEN ZU FEIERN“. WAS VERSTEHEN SIE DARUNTER?
Ich verstehe darunter, die kleinen Momente zu feiern und zu leben. Gemeinsam mit Freunden Bouillabaisse essen, am Silvesterabend mit Champagner anstoßen oder durch die vielen französischen Märkte schlendern. Diese jahrhundertealte Kochkunst ist etwas Überdauerndes. Denn wir werden alle verantwortungsvoller, achten mittlerweile sehr auf nachhaltige Lebensmittel und die regionale Bedeutung der Waren wird auch immer größer.

So versetzen Sie sich gedanklich nach Frankreich
Mit einer frischen Bouillabaisse, Foie gras auf geröstetem Baguette oder im Winter deftiger Choucroute (Sauerkraut und Würstchen). Dazu lässt die Musik von Edith Piaf perfekt abschalten und in Fantasien schwelgen.

Gelassen durch den Tag

Wer wünscht sie sich nicht, die innere Gelassenheit? Wir haben ein paar einfache Tipps für Sie, um entspannt durch den Alltag zu kommen.

Mit ein bisschen Liebe

Grundlage der französischen Gelassenheit ist gesunde Selbstliebe. Schon früh wird Kindern beigebracht, sich selbst mit all seinen Vorzügen und Makeln zu lieben. Daraus wächst auch das Bedürfnis, sich selbst etwas Gutes zu tun. Probieren Sie doch einmal neue Pflegeprodukte aus und überlegen Sie sich passend dazu eine tägliche Routine. So bauen Sie ganz einfach eine entspannte Auszeit in Ihren Alltag ein. Wenn es besonders stressig wird, erschaffen Sie sich zu Hause ein kleines Spa mit einem langen Bad, entspannender Musik und einer wohltuenden Maske für Haar und Gesicht. Nehmen Sie sich Zeit für ein spannendes Buch oder ein Hobby, das Sie aus dem Alltagsstress entführt.

Entspannung auf die Ohren: Die kostenlose 7mind-App macht’s möglich! Erhältlich bei Google Play und im App Store.

Laissez-faire

Einfach machen lassen!

Neben der Entspannung gibt es noch andere Möglichkeiten, sich in Gelassenheit zu üben. Probieren Sie es aus!

Perspektivwechsel: Das nächste Mal, wenn Sie sich aufregen, atmen Sie kurz durch und versuchen Sie die Situation nicht zu persönlich zu nehmen. Wechseln Sie die Perspektive: Wie geht es Ihrem Gegenüber? Warum tut er oder sie das?

Alles easy: Eignen Sie sich einige Entspannungstechniken an, beispielsweise ruhiges Ein- und Ausatmen oder ein paar kleine Dehnübungen.

Übung macht den Meister: Nur wenige Menschen sind von Grund auf entspannt – auch Franzosen nicht. Nehmen Sie sich vor, in Situationen, die Sie für gewöhnlich aufregen, gelassener und ruhiger zu reagieren. Je häufiger Sie üben, desto besser werden Sie.

Reden hilft: Tauschen Sie sich über Sorgen und Ängste mit Freunden oder Familienmitgliedern aus. Das entlastet nicht nur, sondern zeigt auch, dass Sie mit so manchem Problem nicht alleine sind.

Halb voll statt halb leer: Schwarzmalerei sorgt nur für Unsicherheit und die wiederum für innere Unruhe. Eine gesunde Portion Optimismus ist also die perfekte Grundlage für mehr Gelassenheit.

Gelassenheit hilft uns,

… die beste statt der schnellsten Lösung zu finden.
… Konflikten nicht aus dem Weg zu gehen, sondern kompromissbereit an ihnen zu arbeiten.
… Vorurteile aus dem Weg zu räumen.
… anderen zuzuhören.
… aus Fehlern zu lernen.
… positiv zu bleiben.