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Blasenschwäche

Erfahren Sie mehr über Therapieformen und Ursachen

Die Blasenschwäche der Frau

Rund neun Millionen Menschen in Deutschland sind von einer Blasenschwäche betroffen. Der unfreiwillige Urinverlust stellt somit ein weit verbreitetes Problem dar: Jede fünfte Frau im Alter zwischen 25 und 50 und jede dritte Frau über 50 Jahre leidet an einer Harninkontinenz.

Blasenschwäche wird in zwei grundlegenden Arten unterschieden: Unter Belastungsinkontinenz versteht man Harnverlust bei körperlicher Belastung wie Husten, Niesen und Lachen oder bei sportlichen Aktivitäten. Als Dranginkontinenz bezeichnet man plötzlichen bis überfallartigen Harndrang mit unwillkürlichem Urinverlust. Daneben gibt es auch Mischformen von Belastungs- und Dranginkontinenz.

Harninkontinenz hat einen sehr negativen Einfluss auf die Lebensqualität und ist oft ein Grund für soziale Isolation, Partnerschaftsprobleme und Depression. Nicht einmal 20 Prozent der betroffenen Frauen sprechen ihren Arzt auf dieses Problem an.

Dabei kann heute durch eine fachgerechte Untersuchung und fundierte Beratung jeder betroffenen Frau die Chance auf eine Behandlung und deutliche Besserung, oft sogar Heilung ermöglicht werden.

Wie entsteht die Blasenschwäche?

Ursache der Belastungsinkontinenz ist eine Schwäche des Verschlussmechanismus der Harnblase und der Harnröhre. Dies wird oft auch als Schwäche des Beckenbodens bezeichnet. Risikofaktoren für die Entwicklung einer Belastungsinkontinenz sind eine im Laufe des Lebens entstehende Bindegewebsschwäche, Übergewicht und Belastung des Gewebes durch Geburten.
Bei der Drangblase oder überaktiven Blase mit Urinverlust ist nicht der Verschlussmechanismus, sondern die Speicherfunktion der Blase durch eine Überaktivität („Nervosität“) des Blasenmuskels gestört.

Ursachen hierfür sind z. B. chronische Entzündungen der Blase, die nicht mit den typischen Zeichen der akuten Entzündung (Brennen, Fieber, sehr häufigem Drang) einhergehen, sondern sich nur durch Schmerzen in der Blase, häufigen Harndrang und einem leichten Unwohlsein in der Blase nach der Entleerung äußern können.

Bei Frauen nach den Wechseljahren liegt manchmal ein Hormonmangel der Schleimhäute vor. Hierdurch wird nicht nur die Scheidenhaut trockener und reizbarer, sondern auch die innere Haut der Blase und der Harnröhre. Ebenso kann eine Senkung der Beckenorgane, insbesondere der Harnblase, zu einer Reizblase beitragen. Ist der Harndrang sehr ausgeprägt und die abgegebenen Urinmengen oft klein, deutet das auf eine Drang- oder Reizblase hin.

Auch neurologische Störungen nach Krebs-Operationen im kleinen Becken, am Darm oder der Gebärmutter und neurologische Erkrankungen wie zum Beispiel Morbus Parkinson können ursächlich sein.

Bei einer Mischinkontinenz finden sich Symptome sowohl einer Belastungs- als auch einer Drangblase. Diese Kombination kann z. B. entstehen, wenn einer Frau zunächst bei Belastungen Urin abgeht. Dadurch geht sie sicherheitshalber oft vorsorglich zur Toilette. Die Blase gewöhnt sich dann daran, schon bei kleinen Füllmengen geleert zu werden.

Für eine erfolgreiche Behandlung ist es wichtig, zu unterscheiden, welche Art von Blasenschwäche vorliegt. Die jeweiligen Behandlungen unterscheiden sich stark.

Die Untersuchung des Urins ist eine mögliche Basisuntersuchungen zum Ausschluss einer Harnwegsinfektion.

Wie geht die betroffene Frau am besten vor?

Zunächst sollte sie sich vertrauensvoll an ihren Frauenarzt bzw. ihre Frauenärztin oder einen Urologen wenden und ihr Problem ansprechen.

Der Arzt oder die Ärztin nimmt eine ausführliche medizinische Vorgeschichte (Anamnese) inklusive etwaiger Vor-Operationen und Medikamente auf.

Danach können folgende Basisuntersuchungen erfolgen:

  • Eine körperliche Untersuchung mit Untersuchung des Beckenboden und des Schleimhautaufbaus.
  • Eine Untersuchung des Urins zum Ausschluss einer Harnwegsinfektion, eventuell auch die Anlage einer Urinkultur.
  • Bei Verdacht auf eine Belastungsinkontinenz erfolgt ein Hustentest.
  • Bei Verdacht auf Dranginkontinenz wird die Durchführung eines Trink- und Toiletten-Protokolls („Miktionsprotokoll“) über mindestens zwei bis drei Tage besprochen.

Je nach vermuteter Ursache kann bereits jetzt eine erste Behandlung eingeleitet werden.

Sollte nach der Basisuntersuchung die Diagnose weiterhin unklar sein, stehen weitere Untersuchungsmethoden zur Verfügung:

  • Bei der Blasendruckmessung (Urodynamik) werden die Druckverhältnisse der Harnblase während der Füllung der Blase sowie am Beckenboden und in der Harnröhre sowie deren Schließmuskulatur und Bindegewebe gemessen. Gleichzeitig kann dabei die Nerven-Versorgung des Beckenbodens untersucht werden.

  • Durch einen Spezial-Ultraschall des Beckenbodens – möglicherweise sogar im 3-D-Verfahren – kann man eine Aussage treffen über die funktionellen Beziehungen von Blasenhals und Harnröhre sowie Blasenboden.

Darüber hinaus bestehen Möglichkeiten einer Ultraschall-Untersuchung der Nieren und des Nierenbeckens sowie einer Blasenspiegelung.


Welche Behandlungen sind möglich?

Zur Behandlung der Belastungsinkontinenz sind folgende Maßnahmen möglich:

  • Gewichtsreduktion: Da Übergewicht das Risiko für eine Blaseninkontinenz um das Vierfache erhöht, kann eine Gewichtsreduktion eine sehr effektive Maßnahme sein. Bereits ein Gewichtsverlust von fünf Prozent reduziert messbar die Belastungsinkontinenz.

  • Beckenbodentraining: Eine Stärkung der Beckenbodenmuskulatur und insbesondere die Optimierung der Koordination von bewusster Beckenbodenkontraktion bei drohendem Urinverlust und die Entspannung des Beckenbodens in Ruhephasen spielen eine zentrale Rolle in der konservativen Behandlung. Das Beckenbodentraining sollte fachlich angeleitet werden und über mindestens drei Monate erfolgen.
  • Möglicherweise kann eine zusätzliche Elektrostimulation des Beckenbodens über einige Minuten pro Tag die Wirkungen des Beckenbodentrainings noch verstärken.

  • Darüber hinaus gibt es Medikamente, die in vielen Fällen zu einer deutlichen Besserung der Belastungsinkontinenz führen.

Sollten die beschriebenen „konservativen“ Verfahren keinen ausreichenden Erfolg zeigen, stehen erprobte operative Verfahren zur Verfügung. Der „Goldstandard“ in der operativen Behandlung der Belastungsinkontinenz ist die Einlage eines schmalen Kunststoff-Bändchens („TVT-Band“) unter die Harnröhre. Dieser Eingriff ist relativ klein und zeigt in geübter Hand Erfolgsraten zwischen 80 und 90 Prozent.

Eine geringere Erfolgsrate als die Bändchen-Operation weist die Unterspritzung der Harnröhre mit einem Füllmaterial auf, das die Harnröhre besser „abdichten“ soll. Die Erfolgsraten liegen zwischen 50 und 60 Prozent. Diese Methode ist für Frauen geeignet, bei denen die Einlage eines Bändchens ungünstig ist. Eine dritte operative Methode ist das „Anheben des Blasenhalses“ durch eine „Schlüsselloch-Operation“ und zeigt ebenfalls sehr gute Ergebnisse.

Andere Verfahren wie die Lasertherapie der Scheide oder die Behandlung mit Stammzellen im Bereich der Schließmuskulatur sind noch experimentell.

Die Behandlung der Reizblase


Die Behandlung der Reizblase (Drangblase, Überaktive Blase) unterscheidet sich erheblich von den oben genannten Behandlungsformen. Durch ein Inkontinenz-Protokoll wird zunächst erfasst, wie stark der Drang subjektiv belästigt, wie häufig Drang auftritt und wie häufig Urin ungewollt abgeht.

Eine darauf basierende Beratung zur Änderung der Trink- und Lebensgewohnheiten kann oft bereits eine deutliche Besserung der Symptomatik erreichen. So kann die Verlagerung der Haupttrinkmenge des Tages von der Abend- auf die Morgenzeit ebenso nützlich sein wie das Trainieren der Harnblase und das Wiedereingewöhnen einer größeren Blasen-Füllungsmenge.

Auch ein Beckenbodentraining – gegebenenfalls in Kombination mit einer Elektrostimulation – ist oft erfolgreich. Nach den Wechseljahren ist die lokale vaginale Anwendung eines niedrig dosierten und den Stoffwechsel schonenden und unschädlichen Östrogens ein fester Bestandteil der Behandlung.

Da das Zusammenziehen des Blasenmuskels („Detrusormuskel“) die schmerzhaften Drangreaktionen verursacht, können Medikamente eingesetzt werden, die durch die Einwirkung auf bestimmte Empfängerstellen des Blasenmuskels die Kontraktionsfähigkeit des Blasenmuskels verringern.

Sollte die medikamentöse Behandlung nicht ausreichend wirken oder gar nicht möglich sein, kann das Einspritzen von Botox (Botulinumtoxin A) während einer Blasenspiegelung in den Blasenmuskel erfolgen. Die Erfolgsquoten der Botoxbehandlung liegen bei 75 Prozent und die durchschnittliche Wirkdauer bei circa neun Monaten. In seltenen Fällen kann es zu einer vorübergehenden Restharnbildung kommen. Dieser kleine Eingriff vermag die Lebensqualität der von Harndrang und Inkontinenz gequälten Patientinnen meist ganz erheblich zu steigern.

In besonderen Situationen, zum Beispiel wenn eine ausgeprägte Blasensenkung vorliegt und diese die Ursache der Drangblase darstellt, kann durch die Einlage eines Pessars oder operativ der Blasenboden stabilisiert werden.

Sollten all diese Behandlungsverfahren nicht zum Erfolg führen, gibt es noch die Möglichkeit eines „Blasenschrittmachers“. Dieser beeinflusst die Nervenversorgung der Harnblase und des Enddarms (Neuromodulation) und damit die Funktionen der Ausscheidungsorgane in günstiger Weise. Die Erfolgsraten sind hierbei sehr hoch. Der Schrittmacher muss (ähnlich wie ein Herzschrittmacher) regelmäßig vom betreuenden Arzt kontrolliert werden.

Frauen, die an einer Mischinkontinenz leiden, erhalten eine Kombination aus den oben beschriebenen Behandlungsansätzen.
Meist wird zunächst die Komponente der Drangblase behandelt.

In jeder Situation der Blasenschwäche gibt es also für die betroffene Frau Hilfe. Im Einzelfall werden die Behandlungsverfahren mit dem betreuenden Arzt genauestens besprochen und regelmäßig kontrolliert. In guter Kooperation zwischen Frau und Arzt können so auch in kompliziertesten Situationen sehr zufriedenstellende Lösungen erzielt werden.

DR. WILHELM ADELHARDT beschäftigt sich seit 1977 mit der Diagnostik und Behandlung der Blasen- und Beckenbodenschwäche als Spezialgebiet. Der langjährige Leiter einer Frauenklinik mit dem Schwerpunkt „Uro-Gynäkologie“ ist Mitbegründer des Beckenbodenzentrums Saar und ist seit 2006 niedergelassen in einer Praxis mit Schwerpunkt Uro-Gynäkologie in Saarbrücken. Dr. Adelhardt ist Konsiliararzt der Universitätskliniken für Urologie und Frauenheilkunde in Homburg/Saar. Darüber hinaus ist er in einem Sportstudio ärztlicher Trainer für Beckenbodentraining mit Biofeedback.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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