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Eisenmangel

Fünf bis zehn Prozent der europäischen Bevölkerung sind von Eisenmangel betroffen. Doch was sind die Ursachen?

Eisenmangel

Eisen ist für den menschlichen Organismus unentbehrlich. Doch nach Angabe der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie sind fünf bis zehn Prozent der Bevölkerung in Europa von einem Eisenmangel betroffen. Besonders sind es Frauen im gebärfähigen Alter, Säuglinge und Kleinkinder. Dr. Béatrice Gospodinov erklärt, worauf Sie achten sollten.

In jedem Milliliter Blut sind 0,4–0,5 mg Eisen enthalten. Es sind also bei einem Durchschnitt von 5 Litern Blut insgesamt 2 Gramm Eisen in einem Organismus. Über 50 % des Eisens sind an das Hämoglobin (roter Blutfarbstoff) gebunden. Aber Eisen ist auch ein elementarer Bestandteil zahlreicher Enzyme, so dass es eine Schlüsselrolle bei vielen Stoffwechselvorgängen spielt.

Was sind die Ursachen?

Weltweit ist Eisenmangel die häufigste Mangelerkrankung des Menschen. Er entsteht durch ein Missverhältnis zwischen Eisenaufnahme und Eisenbedarf. Dabei kann es sich um eine ungenügende Zufuhr mit der Nahrung handeln oder um einen gesteigerten Eisenbedarf oder um einen vermehrten Verlust des Eisens. Einige Beispiele sind zum besseren Verständnis aufgeführt:

1. Verminderte Eisenaufnahme

  • durch mangelnde Eisenzufuhr, z. B. bei vegetarischer Ernährung
  • bei Resorptionsstörungen (Aufnahmestörung durch Krankheit, z. B. atrophische Gastritis oder Zustand nach bariatrischer OP, das sind Magenverkleinerungseingriffe bei Übergewicht oder auch Zöliakie (Glutenunverträglichkeit))

2. Erhöhter Verbrauch

  • in der Schwangerschaft oder in der Wachstumsphase
  • beim Hochleistungssport und bei Hämolyse (Zerstörung der Blutkörperchen)
  • bei angeborenen Defekten der roten Blutkörperchen oder Bildungsstörung derselben (Sichelzellanämie und Thalassämie)

3. Blutverlust

  • durch die Menstruation und bei Dialysepatienten (renale Anämie/Hämolyse)
  • bei chronischen Erkrankungen wie Karzinomen und chronische Entzündungen oder Blutungen aus dem Magen-Darm-Trakt (gastrointestinale Blutung)

Welche Symptome sind zu erwarten?

Die typischen Symptome sind Blässe, Müdigkeit und Konzentrationsstörungen. Es können auch Haarausfall, eingerissene Mundwinkel und Herzklopfen auftreten. Bei Zunahme des Eisenmangels können Atemnot bei Belastung und Herzmuskelschwäche erscheinen. Außerdem sind depressive Verstimmung und Kopfschmerzen sowie Schwindel möglich. Eisenmangel zeigt ein sehr buntes Bild an Beschwerden und kann schwerwiegende gesundheitliche Störungen wie Herzerkrankungen oder Entwicklungsstörungen bei Kindern verursachen.

Wie wird Eisenmangel festgestellt?

Bei entsprechenden Beschwerden wird eine Blutuntersuchung angesetzt. Zuerst wird der Hämoglobinwert im Blut bestimmt gefolgt von Ferritin und Transferrinsättigung. Der Normwert für das Hämoglobin beträgt 12g/dl für Frauen und 13g/dl für Männer. Das Ferritin ist ein Proteinkomplex, der als Speicher des Eisens dient und Transferrin gilt als Transportvehikel für das Eisen.

Wo ist das Eisen geblieben?

Unerlässlich ist nun die weiterführende Diagnostik zur Klärung einer Eisenverlustsituation: eine Stuhluntersuchung auf okkultes Blut, eine Darm- und Magenspiegelung sowie gegebenenfalls ein Ultraschall des Abdomens. Eine gynäkologische Untersuchung bei der Frau und eine urologische Untersuchung beim Mann zum Ausschluss einer genitalen Blutung oder einer bösartigen Unterleibserkrankung sind zu veranlassen. Manchmal sind die Ursachen des Eisenmangels nicht einfach auszumachen und erfordern weitere hochspezifische Blutuntersuchungen. Diese spezifische Diagnostik wird beim Facharzt für Hämatologie durchgeführt.

Wie viel Eisen braucht der Mensch?

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt eine Eisenzufuhr je nach Alter und Geschlecht von 10 bis 12 mg pro Tag. Für die Schwangerschaft werden 30 mg/Tag und in der Stillzeit 20 mg empfohlen. Eine ausgewogene mitteleuropäische Ernährung reicht, um den täglichen Eisenbedarf zu decken und den physiologischen Verlust auszugleichen. Dieser Verlust beträgt 1 mg pro Tag beim Mann und bei den Frauen nach der Menopause. Bei den Frauen in der Menstruationsphase mit einem Eisenverlust zwischen 1–3 mg ist der Ersatz nicht immer durch die Nahrung ausreichend gewährleistet.

Was tun bei Eisenmangel?

Der alleinige Eisenmangel ist bei dialysepflichtigen Patienten und Hochleistungssportlern sowie in der Schwangerschaft medikamentös zu behandeln, auch wenn keine weiteren Symptome vorliegen. In allen anderen Fällen sind nur eisenbedingte Blutbildungsstörungen behandlungsbedürftig.

Der beste Eisenlieferant ist Fleisch. Vegetarier und Veganer neigen daher eher zum Eisenmangel. Sie müssen ihre Eisenversorgung ausschließlich aus pflanzlichen Produkten decken.

Die Ernährung

Die Umstellung der Ernährung auf eine eisenreiche Kost ist die Basis der Therapie. Leider wird nur 10 % des Eisens aus der Nahrung aufgenommen, wobei die Resorptionsrate bei Eisenmangel steigt. Die Eisenresorption wird durch Vitamin C und Fruchtsäuren zum Beispiel gefördert. Andere Stoffe wie Getreide, Wein und Antacida (Magensäureblocker) hemmen die Eisenaufnahme. Der beste Eisenlieferant ist Fleisch, denn das zweiwertige sogenannte „Häm-Eisen“ im Fleisch besitzt einen eigenen extrem effektiven Transporter.

Vegetarier und Veganer neigen natürlich eher zum Eisenmangel. Sie müssen ihre Eisenversorgung ausschließlich aus pflanzlichen Produkten decken. Da stehen Getreide wie Weizen, Hirse und Hafer neben Nüssen und Kernen wie Kürbis, Sonnenblume und Pinie an erster Stelle. Als Gemüse werden Hülsenfrüchte wie Sojabohne, Kichererbsen und weiße Bohnen empfohlen.

Therapieformen


Die orale Therapie

Bei mildem Eisenmangel ist eine Gabe von oralem Eisen in Tablettenform ausreichend. Es werden jedoch auch hier nur 5–10% der Eisendosis aufgenommen. Die Einnahme sollte streng nüchtern erfolgen, mindestens eine halbe Stunde vor oder zwei Stunden nach dem Essen. Es ist in einer vor Kurzem publizierten Studie der Universität Heidelberg gezeigt worden, dass die Eisenresorption sogar um ein Drittel höher ist, wenn der Patient die Tabletten nur alle zwei Tage einnimmt (sogenannter Hepcidin-Effekt *). Auch die Nebenwirkungen sind geringer. Denn das Hauptproblem der Eisensubstitution mit Tabletten ist die schlechte Verträglichkeit der oralen Eisenpräparate. In der Hauptsache werden gastrointestinale Nebenwirkungen wie Verstopfung, Übelkeit oder auch Durchfälle beklagt. Sollten die Nebenwirkungen die weitere Einnahme gefährden, kann das Präparat während der Mahlzeit eingenommen werden, mit dem Nachteil einer deutlich verminderten Resorption. Die Behandlung sollte mindestens drei Monate nach Ausgleichen der Anämie fortgesetzt werden.

*Hepcidin ist ein in der Leber gebildetes Hormon, das die Eisenaufnahme reduziert. Bei einem Eisenmangel wird die Produktion von Hepcidin herabgesetzt.

Die intravenöse Therapie

Bei starkem Eisenmangel oder bei extremer Unverträglichkeit kommt die intravenöse Gabe in Frage. Die Präparate können in Einzelfällen zu allergischen und anaphylaktischen Reaktionen führen. Es sollten deshalb immer die Risiken der Therapie gegenüber dem Nutzen abgewogen werden. Läuft die Infusion zu schnell, kann das Eisen zu einer Flush-Symptomatik führen. Bevorzugt werden Kurzinfusionen.

Der Erfolg der Substitution kann über den Anstieg der Retikulozytenzahl bereits nach zwei Wochen gesichert werden. Nach vier Wochen sollte das Hämoglobin um 1–2 Gramm gestiegen sein. Vier Wochen nach Abschluss der Therapie kann mit einer Kontrolle des Ferritinwerts der Eisenspeicher überprüft werden. Der sollte idealerweise zwischen 50–100µg liegen. Nach erfolgreicher Therapie der Anämie sollten alle drei Monate für ca. ein Jahr Kontrollen des Blutbildes und Ferritins erfolgen.

BÈATRICE GOSPODINOV ist Ärztin für Allgemeinmedizin und in einer Gemeinschaftspraxis in Saarbrücken niedergelassen. Mehr Infos unter www.praxis-gopro.de.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

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