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Endometriose

Schmerzen lindern mit der richtigen Therapie

Endometriose

Eine Endometriose geht oft mit starken Unterleibsschmerzen einher und kann die Lebensqualität von Frauen erheblich beeinträchtigen. Dr. Wulf Gebhard klärt über die Entstehung und Behandlungsmöglichkeiten auf.

Bei einer Endometriose sind die Zellen der Gebärmutterschleimhaut nicht bösartig verändert – sie befinden sich nur am falschen Ort. Es handelt sich nicht um Krebs, sondern um eine häufige, bei den betroffenen Frauen aber mitunter noch wenig bekannte Erkrankung, die schwerwiegende Folgen nach sich ziehen kann. Im Durchschnitt dauert es 6 Jahre, bis die Diagnose gestellt wird.

Da es sich um eine östrogenabhängige Erkrankung handelt, tritt sie nur während der fruchtbaren Jahre auf und zwar mit einer Häufigkeit von etwa 10 Prozent. Bei dieser Erkrankung findet sich Gebärmutterschleimhaut auch außerhalb der Gebärmutterhöhle, z. B. im Bauchfell, den Eierstöcken, der Blase oder dem Darm. Diese Endometrioseherde machen unter den hormonellen Einflüssen dieselben zyklischen Veränderungen durch wie die Gebärmutterschleimhaut. Im Unterschied hierzu kann diese Schleimhaut aber nicht nach außen abbluten, sie staut sich und führt zu entzündungsähnlichen Reaktionen im umgebenden Gewebe.

Welche Ursachen hat die Endometriose?

Trotz intensiver Forschungsarbeit sind die Ursachen der Endometriose bis heute nicht vollständig geklärt. Eine Entstehungstheorie geht davon aus, dass abgestoßene Endometriumzellen der Gebärmutterschleimhaut bei der Menstruationsblutung „rückwärts“ über die Eileiter in den Bauchraum gelangen und sich dort festsetzen können. Eine andere Theorie nimmt an, dass sich Stammzellen anderer Gewebe durch eine Fehlsteuerung in Gebärmutterschleimhautzellen umwandeln können. Die Sonderform der Endometriose in der Gebärmutterwand (Adenomyosis uteri) entsteht durch das Eindringen von Gebärmutterschleimhautzellen in tiefere Muskelschichten der Gebärmutter während der Periode. Für alle Ursachen werden Immundefekte als begleitende Ursachen mitdiskutiert.

Die Grafik zeigt, wo sich Endometrioseherde zeigen können

Bei welchen Beschwerden sollte ich an eine Endometriose denken?

Wie eingangs erklärt, führt das herdförmig im Bauchraum gestaute Menstrualblut zu entzündlichen Veränderungen. Diese wiederum verursachen im Laufe der Zeit Verwachsungen und narbenförmige Veränderungen, die die Beweglichkeit der inneren Organe gegeneinander stark einschränken können. Immer dann, wenn diese Beweglichkeit erforderlich ist, z. B. bei der Monatsblutung, beim Geschlechtsverkehr, beim Stuhlgang oder der Blasenentleerung, verursacht dies Schmerzen. Typisch ist, dass diese Beschwerden in der zweiten Zyklushälfte und während der Menstruation besonders heftig sind.

Sind von den Veränderungen die Eileiter betroffen, führt dies häufig zu einer Verklebung dieser empfindlichen Strukturen. In etwa 50 Prozent der Fälle von unerfülltem Kinderwunsch ist eine Endometriose wesentlich mitbeteiligt.

Habe ich eine Endometriose?

Da das Beschwerdebild sehr vielfältig sein kann, muss bei allen in Betracht kommenden Symptomen an eine Endometriose gedacht werden. Wichtige Hinweise gibt bereits die Krankengeschichte mit der Angabe über das erste Auftreten der Beschwerden und deren Wiederkehr. Die gynäkologische Untersuchung gibt ebenfalls erste Hinweise, z. B. bei einer nur mit Schmerzen beweglichen Gebärmutter.

Die sich ab der Pubertät schleichend und meist zunehmend ausbildenden Schmerzen im Unterleib führen nicht nur zu einer schweren Belastung der Partnerschaft durch eine Beeinträchtigung des Sexuallebens, sondern auch zu sozialer Ausgrenzung. Gemeinsame Unternehmungen mit dem Freundeskreis werden wegen der schmerzhaften Regelblutung immer häufiger zum Problem. Hilfreich ist eine frühzeitige Einbindung und Information des Partners in die Möglichkeiten der Diagnostik und Therapie. Da die verursachten Herde meist sehr klein sind (wenige mm im Durchmesser) gelingt ein Nachweis, ob es sich um eine Endometriose handelt, fast nie mit einem bildgebenden Verfahren wie Ultraschall oder Kernspintomographie. Eine Ausnahme stellt hier die Adenomyosis uteri dar, die Schleimhautinseln in der Gebärmuttermuskulatur verursacht und deshalb in der vaginalen Sonographie (Ultraschalluntersuchung) gut sichtbar ist.

Abhängig von Beschwerdebild und Stärke der Schmerzen führt nur die Bauchspiegelung zu einer sicheren Diagnose. Im Rahmen dieser Bauchspiegelung können die Verhältnisse im Bauchraum genauestens beurteilt werden, es können Probeentnahmen zur feingeweblichen Untersuchung entnommen werden und es kann eine Durchgängigkeitsprüfung der Eileiter bei bestehendem Kinderwunsch durchgeführt werden. Wenn es die lokalen Verhältnisse zulassen, können im Rahmen dieser – zunächst diagnostischen Bauchspiegelung – Endometrioseherde operativ entfernt oder zumindest verkleinert werden.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Bei leichten bis mittelschweren Schmerzen, die durch eine Endometriose verursacht sind und gleichzeitig ein Wunsch nach hormoneller Verhütung besteht, bietet sich die Einnahme einer Antibabypille an. Es sollte hier ein Typ gewählt werden, der auf Grund seiner Zusammensetzung zu einem möglichst geringen Schleimhautaufbau führt. Eine solche Pille kann dann auch im Langzeitzyklus, z. B. über sechs Monate ohne Pause eingenommen werden.

Diese Art der hormonellen Zyklussteuerung, die häufig aus anderen Gründen schon in jüngeren Jahren begonnen wird, führt dazu, dass durch das Ausbleiben der typischen Symptome die Diagnose Endometriose verschleppt und leider erst in späteren Jahren gestellt wird.

Bei starken Beschwerden muss die Behandlung aus einer operativen Bauchspiegelung mit einer möglichst weitgehenden Verminderung der im Bauchraum und dessen Organen abgesiedelten Endometrioseherden und einer anschließenden hormonellen Nachbehandlung bestehen. Aufgabe der medikamentösen Nachbehandlung ist es, evtl. noch verbliebene Gebärmutterschleimhautzellen an der weiteren Vermehrung zu hindern. Bei einer durch Endometriose verursachten Eileitersterilität kommen nach einer genauen Funktionsdiagnostik nur sehr spezielle Behandlungsmöglichkeiten in Frage. Bei der Sonderform der Adenomyosis uteri (Gebärmutterschleimhautabsiedlung in der Gebärmuttermuskulatur) bleibt als einzige Möglichkeit der Behandlung oft nur die Entfernung der Gebärmutter.

Kann ich selbst etwas tun?

Ja. Gerade bei Erkrankungen, bei denen eine schnelle Heilung nicht möglich ist oder ein hohes Risiko für ein Wiederaufkommen besteht, ist eine gesunde Lebensweise von großer Bedeutung. Die Forschung der letzten Jahre hat gezeigt, dass eine ungesunde Ernährung das Entstehen oder Wiederkommen der Endometriose begünstigt. Gemeint ist hiermit insbesondere der Verzehr von rotem Fleisch und „schlechten“ Fetten in Kombination mit Übergewicht in jungen Jahren. Im Gegensatz hierzu kann der Verzehr von Nahrungsmitteln mit einem hohen Anteil an Omega-3-Fettsäuren (z. B. Seefisch) und regelmäßige sportliche Betätigung das Risiko für die Entstehung einer Endometriose verringern. An dieser Stelle sei mir der Hinweis auf die entsprechenden Beiträge im Globus-Kundenmagazin mio erlaubt.

DR. WULF GEBHARD ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und war bis 2017 in einer Gemeinschaftspraxis in Völklingen niedergelassen. Selbst versucht er sich durch gesunde Ernährung, Sport und Yoga fit zu halten. Beim eigenen Älterwerden bleibt es nicht aus, dass sich klimakterische Fragestellungen in der Sprechstunde häufen und eine intensivere Beschäftigung damit für viele Patientinnen von Vorteil ist.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

Hier geht‘s zum Angebot der KV Saarland.