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Herzstolpern

Ist ein unregelmäßiger Herzschlag gefährlich?

Herzstolpern

Ein unregelmäßiger Herzschlag hat in den meisten Fällen eine harmlose Ursache. Doch der Weg zum Arzt ist unumgänglich, damit die Herzrhythmusstörung gründlich untersucht werden kann. Kardiologe Dr. Jörg Schmidt klärt auf, was Patienten erwartet.

Der unregelmäßige Herzschlag, auch als Stolperherz bezeichnet, beschäftigt die Menschen seit dem Altertum. Hippokrates hat bereits im 5 Jh. v. Chr. den sichtbaren Puls an Hand, Schläfe und Hals beschrieben. Noch heute ist das Fühlen des Pulses die einfachste Untersuchung, um ein Stolperherz zu erkennen.

Häufig liegt der erste Hinweis auf ein Stolperherz in einem subjektiven Erleben des Betroffenen selbst. Er spürt möglicherweise ein Poltern oder ein unregelmäßiges Klopfen in der Brust, bisweilen auch ein Herzjagen. Nicht selten ist es allerdings der Fall, dass ein Stolperherz von den Menschen selbst gar nicht verspürt, sondern anderweitig erkannt wird, beispielsweise durch andere Menschen beim Körperkontakt, durch den Pulsmesser am Fitness-Rad oder aber durch ein Warnsignal am Blutdruckmessgerät.

Was soll man tun, wenn man bei sich ein Stolperherz erkennt oder vermutet?
In jedem Fall erst einmal zum Hausarzt gehen! Im Gegensatz zu Hippokrates stehen in der heutigen Zeit – neben dem Fühlen des Pulses – weitreichende Untersuchungsmethoden zur Verfügung, die für den Patienten in der Regel wenig belastend sind.

Wieso muss ich unbedingt zum Arzt? Welche Untersuchungen erwarten mich?

Hinter dem Herzstolpern können sich ganz unterschiedliche Arten von Herzrhythmusstörungen verbergen. Hier liegt die Spannweite von ganz harmlos – was meistens der Fall ist – bis zu seltenen, lebensgefährlichen Erkrankungen.

Zunächst wird sich der Arzt ein Bild der Beschwerden machen. Wichtig für ihn ist, was der Patient berichtet. Wird das Stolperherz verspürt und wenn ja, wie? Welche Vorerkrankungen sind bereits bekannt? Diese sogenannte Anamnese, also das Befragen des Patienten durch den Arzt, gibt bereits die ersten wichtigen Hinweise, welche Herzrhythmusstörungen sich hinter dem Stolperherz verbergen könnten.

Als nächsten Schritt wird der Arzt ein EKG durchführen. Sollte das Herzstolpern während der EKG-Schreibung bestehen, kann man bereits hierdurch erkennen, welche Herzrhythmusstörung vorliegt. Oftmals bestehen Herzrhythmusstörungen nicht dauerhaft, sondern treten in Episoden auf, also manchmal nur wenige Sekunden am Tag oder gar nur wenige Male im Monat.

In diesem Fall wäre eine Langzeit-EKG-Untersuchung vonnöten, also eine EKG-Ableitung über 24 Stunden. Im besten Falle werden die Herzrhythmusstörungen während dieser EKG-Aufzeichnung vom Patienten verspürt und können so über das EKG vom Arzt zugeordnet werden. Bei sehr selten auftretenden Herzrhythmusstörungen entziehen diese sich oft auch dieser Diagnostik. Hier bietet sich die Möglichkeit eines Event-Recorders an: ein kleines Gerät, das bei Auftreten von Herzunregelmäßigkeiten vom Patienten selbst auf die Brustwand gehalten wird und dabei ein EKG aufzeichnet. In sehr seltenen Fällen kann man einen Event-Recorder in Form eines kleinen Chips unter die Haut implantieren, der über einen Zeitraum von ca. 3 Jahren in der Lage ist, ein EKG aufzuzeichnen – automatisch oder durch Fernsteuerung durch den Patienten. Diese Geräte sind jedoch sehr teuer und die Kosten werden von der Krankenkasse nur bei sehr wenigen Konstellationen übernommen.

Nach der ersten Anamnese führt der Arzt ein EKG durch. Sollte das Herzstolpern während der EKG-Schreibung bestehen, kann man bereits erkennen, welche Herzrhythmusstörung vorliegt.

Neuerdings können auch Smartuhren EKG-Aufzeichnungen vornehmen, die bisweilen keine schlechte Qualität aufweisen und zunehmend in die Diagnosefindung Einzug nehmen.

Sollte es nicht gelingen, die Herzrhythmusstörung in einem EKG zu dokumentieren und somit klar zuordnen zu können, wird der Arzt weitere Untersuchungen veranlassen, die auf andere Herzerkrankungen als mögliche Ursache von Herzrhythmusstörungen abzielen. Hier steht an allererster Stelle eine Herzultraschalluntersuchung, mit der man feststellen kann, ob eine Herzschwäche oder ein Herzklappenfehler vorliegt. Eine Blutentnahme soll Aufschluss über eventuelle Schilddrüsenerkrankungen oder über eine Störung der Blutsalze geben. Sollten sich in der Anamnese Hinweise auf eine Koronare Herzkrankheit ergeben, werden weitere Untersuchungen folgen: zunächst einfache Belastungstests wie Belastungs-EKG, Stressechokardiographie, Myokardszintigraphie und bei auffälligen Befunden auch eine Koronarangiographie (Herzkatheter).

Welche Arten von Herzrhythmusstörungen können sich hinter dem Herzstolpern verbergen?

Wie bereits erwähnt, hat das Herzstolpern in den meisten Fällen eine ganz harmlose Ursache. Meist findet man als Korrelat sogenannte Extrasystolen, also Extraschläge des Herzens, die sich zwischen den normalen Herzschlägen ereignen. Diese können in der Vorkammer (Vorhof) oder in der Hauptkammer (Ventrikel) entstehen und sind in aller Regel harmlos. Man findet sie bei nahezu allen Menschen. Meist werden sie gar nicht bemerkt, sie können aber auch als Herzstolpern verspürt werden, vorwiegend in Ruhephasen. Eine Therapienotwendigkeit besteht in den allermeisten Fällen nicht und ist diese gutartige Diagnose erstmal gestellt und dem Patienten die Sorge genommen, werden die Extrasystolen im Verlauf oftmals gar nicht mehr bemerkt.

Es gibt aber auch eine ganze Reihe weiterer Herzrhythmusstörungen, von denen die meisten sehr selten auftreten und für den medizinischen Laien nur sehr schwer zu verstehen sind. Es gibt jedoch eine Herzrhythmusstörung, die häufig vorkommt sowie ernste Konsequenzen nach sich ziehen kann und somit eine genauere Betrachtung verdient: das Vorhofflimmern.

Vorhofflimmern – die häufigste Herzrhythmusstörung

Mehr als 1,8 Millionen Menschen in Deutschland sind betroffen. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko, ein Vorhofflimmern zu entwickeln. So findet man bei 9–16 Prozent aller Menschen über 80 Jahren ein Vorhofflimmern. Bei dieser Herzrhythmusstörung schlägt das Herz meist vollkommen unregelmäßig und oftmals auch zu schnell. Die vom Patienten verspürten Symptome sind sehr unterschiedlich und weisen eine große Bandbreite auf. In manchen Fällen ist das Vorhofflimmern komplett asymptomatisch, der Patient verspürt nichts und die Diagnose fällt per Zufall bei der EKG-Schreibung auf. Meistens bemerken die Patienten jedoch den unregelmäßigen Herzschlag, manchmal begleitet von Herzrasen, Unwohlsein oder geminderter körperlicher Leistungsfähigkeit. In seltenen Fällen kann die Symptomatik auch derer eines Herzinfarktes gleichen, mit plötzlich einsetzendem Druckgefühl auf der Brust, Atemnot, Schweißausbruch, Schwindel oder Ohnmacht. In diesem Fall sollte umgehend eine Notfalldiagnostik erfolgen und der Notarzt über die 112 gerufen werden, da für den Laien nicht unterschieden werden kann, um welche Erkrankung es sich handelt und im Falle eines Herzinfarktes jede Minute zählt.

Vorhofflimmern an sich ist nicht lebensbedrohlich, kann jedoch lebensbedrohliche Erkrankungen wie Schlaganfall oder eine Herzschwäche auslösen. Die Diagnose ist nur über ein EKG möglich.

Was tun bei Vorhofflimmern?
Zunächst einmal die gute Nachricht: Man kann auch mit der Diagnose Vorhofflimmern ein gutes Leben führen und ein normales Lebensalter erreichen, vorausgesetzt man beachtet einige Dinge. Der Arzt wird zunächst entscheiden, ob eine Antikoagulation vonnöten ist. Hier wird oft von einer Blutverdünnung gesprochen, was so nicht ganz stimmt. Es wird lediglich ein Medikament verabreicht, das die Bildung von Blutgerinnseln hemmen soll, die sich bei Vorhofflimmern möglicherweise im Herzen bilden und durch Verschleppung in die Gehirnstrombahn einen Schlaganfall auslösen können. Die Entscheidung, ob der Patient solch ein Medikament benötigt, wird anhand eines Risiko-Scores vom Arzt berechnet, in dem neben dem Alter auch die Begleiterkrankungen des Patienten berücksichtigt werden. Die Entscheidung zur Antikoagulation ist unabhängig davon, ob das Vorhofflimmern dauernd besteht oder nur in Episoden auftritt.

Endet das Vorhofflimmern nicht spontan, kann man versuchen, es durch Medikamente oder durch einen Elektroschock in Kurznarkose zu beenden, was in den meisten Fällen erfolgreich ist. Im Anschluss wird eine Medikation eingeleitet, die ein Wiederauftreten des Vorhofflimmerns verhindern soll. Sollte das nicht gelingen, besteht in ausgewählten Fällen die Möglichkeit einer Pulmonalvenenisolation. Hier handelt es sich um eine spezielle Kathetertechnik, mit der durch das gezielte Setzen von Verödungszonen eine elektrische Barriere zwischen den Lungenvenen und dem linken Vorhof aufgebaut wird, um das Auftreten und die Aufrechterhaltung von Vorhofflimmern zu verhindern, das nicht selten seinen Ursprung in den Lungenvenen hat.

Gelingt es nicht, den normalen Herzrhythmus dauerhaft zu stabilisieren und das Vorhofflimmern besteht folglich dauerhaft, dann richtet sich das Augenmerk auf die Herzfrequenz. Durch Medikamente wird verhindert, dass das Herz zu schnell schlägt, wodurch in den meisten Fällen die Beschwerden deutlich gemindert werden. Manche Patienten verspüren das Vorhofflimmern dann überhaupt nicht mehr.

In Kürze: Was muss ich tun bei Herzstolpern?

Gehen Sie zum Arzt! Nur mit Hilfe von modernen Untersuchungsmethoden kann das Herzstolpern zugeordnet werden. Eine Selbstdiagnose durch Pulsfühlen gibt keine Sicherheit und birgt die Gefahr, möglicherweise ernsthafte Herzrhythmusstörungen zu übersehen. In den meisten Fällen reicht eine Vorstellung beim Hausarzt aus. Bei Bedarf wird er sie an einen Facharzt für Kardiologie überweisen.

DR. JÖRG SCHMIDT ist Facharzt für Innere Medizin, Kardiologie, Angiologie und Intensivmedizin. Nach dem Studium in Freiburg i. Br. und Basel sowie ärztlicher Weiterbildung an den Universitätskliniken Heidelberg und Homburg/Saar, ist er seit 2015 in eigener Praxis in Dillingen/Saar tätig. Sein Schwerpunkt liegt in der ambulanten Versorgung von Herzkrankheiten. Er verfügt über die Zusatzqualifikationen „Interventionelle Kardiologie“ sowie „Spezielle Rhythmologie – Aktive Herzrhythmusimplantate“ der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie.
Mehr Infos unter www.kardiologie-dillingen.de.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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