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Morbus Crohn

Was ist eigentlich ein Morbus Crohn und warum entsteht er?

Morbus Crohn

Schätzungsweise 150.000 Menschen in Deutschland leiden an einem Morbus Crohn. Nach wie vor ist diese Erkrankung nicht heilbar. Die Therapieoptionen haben sich jedoch in den vergangenen Jahren entscheidend gebessert. Was ist das eigentlich – ein Morbus Crohn?

Der Morbus Crohn ist eine entzündliche, nicht ansteckende Erkrankung, die den gesamten Verdauungstrakt („von der Lippe bis zum After“) betreffen kann. Am häufigsten entwickelt sich die Entzündung im Übergangsbereich vom Dünndarm in den Dickdarm. Aber auch ein oder mehrere entfernt liegende Darmabschnitte können von der Entzündung betroffen sein. Nicht selten kommt es auch zu entzündlichen Manifestationen an anderen Organen, zum Beispiel an Haut, Augen oder Gelenken.

Typisch für den Morbus Crohn ist ein sogenannter schubweiser Verlauf. Dies bedeutet, dass Phasen starker Entzündungsaktivität abwechseln mit Perioden, in denen die Erkrankung für die Patienten kaum oder überhaupt nicht spürbar ist.

Die meisten Menschen, die an einem Morbus Crohn leiden, erkranken im jungen Erwachsenenalter. Im typischen Fall ist in dieser Lebensphase die Krankheitsaktivität auch am höchsten. Bereits im mittleren Lebensalter nimmt die Krankheitsaktivität häufig ab oder verliert sich vollständig. Insgesamt ist die Erkrankung ausgesprochen vielgestaltig. Den Morbus Crohn gibt es nicht. Gleich, ob es um die befallenen Darmabschnitte, Anzahl und Schwere der entzündlichen Schübe, Erkrankungsalter und -verlauf oder auch das Ansprechen auf die zahlreichen zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten geht: Jeder Mensch, der an einem Morbus Crohn leidet, will individuell verstanden und behandelt sein.

Wie oder warum entsteht ein Morbus Crohn?

Kurz gesagt: Wir wissen es nicht. Jedenfalls wissen wir es nicht genau und schon gar nicht beim einzelnen Patienten.
Mit hoher Wahrscheinlichkeit sind eine ganze Reihe von Faktoren in jeweils unterschiedlicher Gewichtung am Zustandekommen der Erkrankung beteiligt.

Dazu gehört eine genetische Veranlagung. Nicht selten ist in einer Familie nicht nur ein Mitglied erkrankt. Dieses erhöhte familiäre Risiko sollte jedoch keineswegs dazu führen, auf eigene Kinder zu verzichten.
Seit Jahren konzentriert sich das wissenschaftliche Interesse bei den Auslösefaktoren auf Fehlsteuerungen im darmeigenen Immunsystem. Das Abwehrsystem der Darmschleimhaut reagiert bei Crohn-Patienten überschießend und lang anhaltend. In der Folge verselbstständigt sich der lokale Entzündungsprozess und führt zu einer chronischen Darmwandschädigung.

Ein weites Feld tut sich auch mit der Mikrobiomforschung auf. Forschungsergebnisse belegen, dass sich die Darmflora von Crohn-Patienten grundlegend von der gesunder Menschen unterscheidet. Bislang ist allerdings nicht klar, ob diese Veränderungen der Mikroflora Ursache oder Folge der Erkrankung sind. Dennoch könnten sich hier in naher Zukunft interessante Therapieansätze ergeben.

Nicht zuletzt spielen Umwelteinflüsse (Ernährungsgewohnheiten, Infekte, auch Stress und Lebenskrisen) bei der Entstehung und Unterhaltung der Erkrankung eine wichtige Rolle. Alle diese Faktoren sind in ihrem Zusammenspiel äußerst komplex und in der Therapie des einzelnen Patienten wenig hilfreich – mit einer Ausnahme: Wenn Sie an einem Morbus Crohn leiden, sollten Sie keinesfalls rauchen. Keine derzeit verfügbare Therapieform ist zur Behandlung eines Morbus Crohn so effektiv wie die Aufgabe eines bestehenden Nikotinkonsums!

Häufige Symptome des Krankheitsbildes von Morbus Crohn sind krampfartige, über Wochen wiederkehrende Bauchschmerzen im rechten Unterbauch.

Symptome der Erkrankung

Aus der angesprochenen Vielgestaltigkeit des Krankheitsbildes resultieren eine ganze Reihe unterschiedlicher Symptome. Häufig sind krampfartige, über Wochen wiederkehrende Bauchschmerzen, typischerweise im rechten Unterbauch, verbunden mit Durchfällen, körperlicher Schwäche, schlechtem Appetit und allgemeinem Krankheitsgefühl. Bei schweren Verläufen kommt es zu Gewichtsverlust, Blutbeimengungen im Stuhl und Fieber. Gefürchtete Komplikationen der Erkrankung sind Abszesse sowie Verengungen betroffener Darmabschnitte, welche bis zum Darmverschluss führen können. Charakteristisch für den Morbus Crohn sind Fisteln. Es handelt sich hierbei um entzündliche Verbindungsgänge zwischen dem Darm und Organen in der Nachbarschaft, nicht selten der Haut im Analbereich.

Nach langjährigem Verlauf eines Morbus Crohn steigt grundsätzlich das Darmkrebsrisiko an. Durch die Vorsorgekoloskopie können Sie dieser Gefahr heute wirksam begegnen.

Neben einer exakten Anamnese-Erhebung ist die körperliche Untersuchung und die Analyse von Blut und Stuhlproben bei Crohn-Patienten unverzichtbar.

Wie wird die Diagnose gesichert?

Viele Menschen leiden unter wiederkehrenden Bauchbeschwerden. Es verwundert daher nicht, dass Crohn-Patienten Monate, manchmal Jahre unter ihren Beschwerden leiden, bevor die Diagnose gestellt wird. Und selbst bei typischer Symptomatik können sich hinter den Beschwerden ganz andere Erkrankungen verbergen. So gilt es, eine akute Blinddarm-, Eierstock- oder Divertikelentzündung auszuschließen. Bei jungen Menschen ist das Reizdarmsyndrom abzugrenzen, bei älteren muss immer ein Darmtumor ausgeschlossen werden.

Letztlich ist daher neben einer exakten Anamnese-Erhebung, der körperlichen Untersuchung und der Analyse von Blut und Stuhlproben die Durchführung einer Koloskopie unverzichtbar. Nach der Gabe schmerzstillender Medikamente wird dabei ein flexibles Endoskop über den After eingeführt und der gesamte Dickdarm einschließlich der Mündungsstelle des Dünndarms inspiziert. Während der Untersuchung können Gewebeproben für die mikroskopische Untersuchung gewonnen werden. Anhand dieser Befunde kann die Diagnose in der Regel gesichert werden. Im Einzelfall kommen zusätzlich radiologische Untersuchungen oder auch eine Kapselendoskopie zum Einsatz.

Wie geht es nach der Diagnosestellung weiter?

In aller Regel leitet sich aus der Diagnose eines Morbus Crohn eine unmittelbare Behandlungsindikation ab. Das ist Patienten, die mit entsprechenden Beschwerden den Arzt aufsuchen und Hilfe erwarten, problemlos zu vermitteln. Zur Abwendung von Langzeitfolgen müssen aber auch Menschen behandelt werden, bei denen die Erkrankung bisher kaum Einschränkungen hervorgerufen hat und bei denen die Diagnose zufällig, zum Beispiel im Rahmen einer Vorsorgekoloskopie, gestellt wurde.

Basis der Therapie ist die medikamentöse Behandlung. Zu unterscheiden ist dabei zwischen der Behandlung des akuten Entzündungsschubs und einer Dauerbehandlung, welche im symptomarmen oder beschwerdefreien Intervall die dann niedrige Entzündungsaktivität im Darm sichern und das Auftreten erneuter Schübe verhindern soll. Zentrales Medikament im akuten Schub ist Cortison. Die Wirkung der Substanz auf das akute Entzündungsgeschehen im Darm ist konkurrenzlos. Aufgrund der bekannten, insbesondere bei längerer Anwendung auftretenden Nebenwirkungen des Cortisons wird man immer versuchen, die Anwendung zeitlich zu begrenzen und gleichzeitig die Tagesdosis kontinuierlich abzusenken. Unter Beachtung dieser Vorgaben ist die Gabe von Cortison hilfreich und sicher. Umgekehrt sollte die dauerhafte, über Jahre erfolgende Einnahme von Cortison aufgrund der regelhaft eintretenden Osteoporose wenn irgend möglich unterbleiben.

Schon ein eigentlich harmloser Sturz oder das Bücken und Heben eines Wäschekorbs können zu Knochenbrüchen führen. Unter Osteoporose versteht man den fortschreitenden Verlust an Knochenmasse und Knochenstruktur. Was Sie über die Osteoporose wissen sollten, lesen sie hier!

Ist das Entzündungsgeschehen auf den Übergangsbereich vom Dünndarm zum Dickdarm begrenzt (was häufig der Fall ist), kann anstelle des klassischen Cortisons Budesonid eingesetzt werden. Hierbei handelt es sich um eine dem Cortison strukturell ähnliche Substanz mit jedoch deutlich geringerem Nebenwirkungsprofil.

Nach Beherrschung des akuten Entzündungsgeschehens muss die Frage geklärt werden, ob eine Rezidivprophylaxe erforderlich ist. Damit ist der Einsatz von Medikamenten gemeint, die einen erneuten Krankheitsschub verzögern oder verhindern. Alle diese Substanzen greifen als sogenannte Immunsuppressiva in unterschiedlicher Weise in das Entzündungsgeschehen des körpereigenen Immunsystems ein und dämpfen hierüber die Entzündungsprozesse im Darm. Neben den in Tablettenform einnehmbaren Thiopurinen handelt es sich hierbei um die seit circa 15 Jahren verfügbaren Biologica. Biologica sind auch beim Gesunden im Körper vorkommende hochmolekulare Eiweißstoffe, die zum therapeutischen Einsatz gentechnisch hergestellt werden und genau definierte Veränderungen in der Entzündungsreaktion vermitteln. Diese Substanzen müssen injiziert oder als Infusion gegeben werden.

Ob und wie lange eine medikamentöse Rezidivprophylaxe erforderlich ist, kann immer nur im Einzelfall mit dem jeweiligen Patienten entschieden werden. Nicht zuletzt hierfür sollte ein in der Behandlung von Patienten mit Morbus Crohn erfahrener Gastroenterologe kontaktiert werden, der das gesamte Behandlungskonzept in Abstimmung mit dem Patienten und seinem Hausarzt führt und überwacht.

Zumeist sind Patienten mit Morbus Crohn durch die alleinige medikamentöse Therapie gut zu behandeln. Bei Auftreten bestimmter Komplikationen (Fisteln, Abszesse, Darmverengungen) müssen ausnahmsweise auch operative Maßnahmen geprüft werden. Bei isoliertem Befall des Übergangsbereichs vom Dünndarm in den Dickdarm („ileozökal“) kann die operative Entfernung dieses Darmabschnitts als Alternative zur medikamentösen (Langzeit-)Therapie mit dem Patienten besprochen werden.


Wie geht es jetzt für mich weiter?

Die Diagnose einer chronischen Erkrankung stellt zunächst vieles infrage. Viele tun sich damit schwer, die Erkrankung zu akzeptieren. Hobbys, Freizeitgestaltung, berufliche Karriere, Partnerschaft und Familie – alles erscheint durch die Erkrankung bedroht.

Aber Weglaufen hilft nicht. Grübeln Sie nicht über Ihr Schicksal, Sie haben sich nichts vorzuwerfen. Informieren Sie sich. Tauschen Sie sich mit anderen Betroffenen aus. Sprechen Sie mit Freunden und innerhalb Ihrer Familie offen über die Erkrankung und die Ängste, die Sie haben.

Formulieren Sie selbst mögliche Antworten auf Ihre neue Situation. Überlegen Sie, ob und wie Sie sich hinsichtlich Sport, Ernährung, beruflicher Orientierung, Umgang mit Stress oder auch komplementärer Therapiekonzepte in Ergänzung zu Ihrer schulmedizinischen Behandlung neu aufstellen könnten und testen Sie aus, was davon am besten zu Ihnen passt. Die Erkrankung wird Sie auf Ihrem weiteren Lebensweg begleiten, aber sie wird Sie auch nicht davon abbringen. Nehmen Sie diese Tatsache an und bestimmen Sie selbstbewusst Ihren Weg, damit umzugehen.

DR. THOMAS STOLZ ist als Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie seit 1994 in Völklingen in einer gastroenterologischen Schwerpunktpraxis mit zwei weiteren Gastroenterologen niedergelassen. Seine Hobbys sind Gartenarbeit, Radfahren, Bergsteigen und Reisen.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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