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Mundgeruch

Woher kommt Mundgeruch und was hilft wirklich?

Mundgeruch

Der üble Geruch ist selten ein ernstes gesundheitliches Problem, belastet aber sowohl die Betroffenen als auch deren Mitmenschen. Dr. Jutta Dick benennt die Ursachen und erläutert, was hilft.

Für viele ist es ein leidiges Thema und ein unangenehmes Übel. In Einzelfällen kann Mundgeruch sogar zur sozialen Isolation führen, wenn andere Menschen den Kontakt zu dem Betroffenen vermeiden. Problematisch dabei ist, dass derjenige den Mundgeruch oft gar nicht bemerkt, da der eigene Geruchssinn nur auf Veränderungen der Konzentration eines Duftstoffs reagiert. Der Betroffene ist selbst ständig seinem Mundgeruch ausgesetzt und kann dadurch keine Veränderungen bemerken.

Woher kommt Mundgeruch?

Mundgeruch kann sehr unterschiedliche Ursachen haben und von verschiedenen Körperregionen ausgehen. Streng genommen muss man den üblen Geruch aus der Mundhöhle (Mundgeruch im engeren Sinn) unterscheiden von der unangenehm riechenden Ausatemluft, die sich auch bei geschlossenem Mund über die Nase ausbreiten kann.

Mit großem Abstand am häufigsten wird Mundgeruch ausgelöst durch Probleme in der Mundhöhle. Die Ursache kann aber auch in einem anderen Bereich des Kopfes oder in einem tieferen Teil des Verdauungstrakts liegen. Außerdem gibt es verschiedene Störungen oder Erkrankungen außerhalb des Verdauungstrakts, die Mundgeruch verursachen oder sich gar dadurch bemerkbar machen können. Alle Gerüche, die ihre Ursache außerhalb der Mundhöhle haben, werden beim Ausatmen durch die Nase übertragen.

Wie setzt sich die ausgeatmete Luft zusammen?

Die Luft, die wir ausatmen, besteht zu 78 Prozent aus Stickstoff, zu 17 Prozent aus Sauerstoff und zu 4 Prozent aus Kohlendioxid. Nur 1 Prozent der von uns ausgeatmeten Luft besteht aus anderen Gasen, die stark geruchsaktive Verbindungen enthalten können und damit den üblen Mundgeruch verursachen können. Oft handelt es sich um Schwefelverbindungen, bestimmte Stickstoffverbindungen, Aceton oder Buttersäure (Letztere ist z. B. auch Bestandteil von unangenehmem Schweißgeruch.) Diese Stoffe entstehen zum Beispiel bei der bakteriellen Zersetzung von Nahrungsresten, von Speichel oder von totem Gewebematerial. Das können z. B. abgelöste Schleimhautbestandteile sein.

Mundgeruch kann durch eine schlechte Mundhygiene entstehen: Essensrückstände werden von Speichel und Bakterien der Mundschleimhaut unvollkommen zersetzt und verursachen üble Gerüche.

Mundhöhle und Kopf als Auslöser des Mundgeruchs

Mundgeruch aus der Mundhöhle entsteht meist durch eine schlechte Mundhygiene und den daraus resultierenden Folgen: Essensrückstände zwischen den Zähnen werden von Speichel und Bakterien der Mundschleimhaut unvollkommen zersetzt und können dadurch üble Gerüche verursachen, aber auch zu Zahnbelägen, Parodontose und Karies führen, die dann wiederum Mundgeruch verursachen können. Vor allem eiweißreiche Nahrung begünstigt Fäulnisbakterien in der Mundhöhle. Die Ausscheidungen dieser Bakterien enthalten Schwefelverbindungen, die einen Geruch nach faulen Eiern verursachen können. Fäulnisbakterien im Mund werden begünstigt durch falsche Ernährung, Alkohol, viel Kaffee und unzureichende Mundhygiene.

In kariösen Zähnen können Eiterherde entstehen, die sich ebenfalls mit unangenehmem Geruch bemerkbar machen können. Begünstigend auf unangenehmen Geruch wirkt verminderter Speichelfluss, z. B. bei zu geringer Trinkmenge, insbesondere bei älteren Menschen oder beim Schnarchen. Auch eine Fastenkur kann Mundgeruch auslösen, da durch den Verzicht auf Essen die natürliche Selbstreinigung von Mund und Rachen wegfällt. Vereinzelt kann Mundgeruch ein Begleitsymptom eines Tumors in der Mundhöhle oder im Rachen sein.
Erkrankungen im HNO-Bereich wie z. B. eine Nebenhöhlenentzündung oder eine chronische Entzündung der Gaumenmandeln oder der Nasenpolypen können ebenfalls Mundgeruch hervorrufen. Nebenhöhlen- und Mandelentzündungen sind die häufigsten Ursachen für Mundgeruch, der außerhalb der Mundhöhle entstanden ist. Banal und vorübergehend, aber für manche Menschen sehr störend, ist der Mundgeruch nach dem Genuss von Knoblauch, Zwiebeln oder Schnittlauch, aber auch nach dem Rauchen oder nach Alkoholgenuss.

Mundgeruch durch Veränderungen im Verdauungstrakt

Bei relativ vielen Menschen ist der Magen nicht, wie von der Natur vorgesehen, verschlossen, sondern der Mageneingang steht etwas offen, sodass Mageninhalt in die Speiseröhre zurücklaufen kann. Das verursacht nicht nur Sodbrennen, sondern kann auch dazu führen, dass Gerüche von angedauter Nahrung nach oben steigen und ausgeatmet werden. Beim „Aufstoßen“ ist das sicher jedem schon mal passiert. Eine Magenschleimhautentzündung, insbesondere wenn sie mit mangelnder Säureproduktion einhergeht, oder eine Störung der Darmflora können ebenfalls Mundgeruch verursachen. Insgesamt wird Mundgeruch jedoch deutlich seltener durch Probleme mit dem Magen oder der Verdauung verursacht als gemeinhin angenommen.

Mundgeruch durch Veränderungen in der Lunge

Erweiterungen der Bronchien, sogenannte Bronchiektasen, in denen sich eitriger Schleim ansammeln kann, oder andere Eiterherde in der Lunge können in Einzelfällen ebenfalls Mundgeruch verursachen.

Mundgeruch als allgemeines Krankheitszeichen

Manche Gerüche können ein typisches Zeichen für bestimmte Erkrankungen sein und teilweise sogar ein erster Hinweis auf das Vorliegen einer Erkrankung. Eine Leberzirrhose verursacht des Öfteren einen leberartigen Geruch, während bei einem Nierenversagen eine „urinöse“ Atemluft auftritt. Acetongeruch in der Ausatmungsluft weist beim Diabetiker auf ein diabetisches Koma mit Blutzuckerentgleisung hin. Aceton- oder Ketongeruch tritt auch auf bei längerem Fasten oder bei sogenannten „ketogenen Diäten“, bei denen der Kohlenhydratanteil des Essens stark reduziert ist. Bestimmte Gerüche können auch auf eine Vergiftung hinweisen. Besonders typisch ist der Bittermandelgeruch bei einer Blausäurevergiftung.

Wie kann man feststellen, woher der Mundgeruch kommt?

Da Mundgeruch vorwiegend von Veränderungen im Bereich der Mundhöhle oder im HNO-Bereich verursacht wird, empfiehlt sich zuerst eine Untersuchung beim Zahnarzt und gegebenenfalls eine professionelle Zahnreinigung oder Gebiss-Sanierung. Sollte der Zahnarzt nichts feststellen bzw. Zahnreinigung und Zahnsanierung nichts bringen, sollte ein HNO-Arzt hinzugezogen werden. Wenn weder Zahnarzt noch HNO-Arzt eine Ursache finden, sollte man eine Untersuchung beim Hausarzt oder Internisten angehen, um nach einer Erkrankung außerhalb des HNO-Bereichs bzw. einer Allgemeinerkrankung zu forschen.

Wie bekämpft man Mundgeruch?

Da Mundgeruch ganz überwiegend durch Probleme in der Mundhöhle verursacht wird, stehen Mundhygiene und Gebiss-Sanierung im Vordergrund. Oft hilft auch schon eine professionelle Zahnreinigung, die geruchsbildende Stoffe in den Zahnzwischenräumen oder Zahnfleischtaschen entfernt. Teilweise kann auch eine Zungenreinigung mit speziellen Zungenreinigern sinnvoll sein.

Unterstützend kann man Mundspülungen anwenden. Für diese Spülungen eignen sich Thymian- oder Ringelblumentee, spezielle Mundpflegelösungen oder antibakterielle Mundspülungen, z. B. mit Chlorhexidin. Chlorhexidinhaltige Mundspülungen sollte man allerdings nicht dauerhaft anwenden, da es bei längerem Gebrauch zu Verfärbungen der Zähne und Geschmacksstörungen kommen kann. Außerdem beeinträchtigen stark desinfizierende Mundspülungen bei längerem Gebrauch die normale, erwünschte Mundflora.

Die geruchsbildenden Fäulnisbakterien lassen sich auch durch verschiedene Kräuter und Gewürze mit antibakteriellen Eigenschaften reduzieren: Petersilie, Kamille, Minze, Eukalyptus, Fenchel, Rosmarin, Salbei, Gewürznelken oder Zimt. Eine andere Möglichkeit ist, auf einem Stück Ingwer zu kauen. Dadurch wird die Bildung eines Speichelenzyms angeregt, das übelriechende Partikel abbaut.

Wichtig ist ausreichendes Trinken. Besonders günstig kann schwarzer Tee sein, da die darin enthaltenen Flavonoide und Polyphenole das Wachstum von Plaquebakterien hemmen.

Abzuraten ist von Mentholpastillen, Kaugummi, Pfefferminz oder Mundsprays, da damit nicht das Grundproblem angegangen wird, sondern nur ein unangenehmer Geruch übertüncht wird.

Zugrundeliegende Erkrankungen benötigen, wenn möglich eine adäquate Therapie, also z. B. eine Einstellung des Diabetes, die Behandlung einer chronischen Entzündung oder eine Ernährungsumstellung.

Zusammenfassend lässt sich sagen: sorgfältige Mundhygiene, gesunde Ernährung, wenig Alkohol und Rauchverzicht sind die Grundlagen zur Vermeidung oder Bekämpfung von Mundgeruch.

DR. JUTTA DICK ist Allgemeinärztin im saarländischen Wallerfangen. Sie verfügt über die Zusatzausbildungen Ernährungsmedizin und Naturheilverfahren. Seit einigen Jahren führt sie die Aktion „Ernährungsführerschein“ in den Wallerfanger Grundschulen durch. Sie ist außerdem Vorsitzende des Arztnetzes GENESA. Darüber hinaus befasst sie sich mit Reisemedizin und fungiert als offizielle Gelbfieber-Impfstelle. Mehr Informationen finden Sie auf Dr. Jutta Dicks Homepage www.dick-dutt.de.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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