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Prämenstruelles Syndrom

Wie Sie PMS-Beschwerden richtig deuten und welche Maßnahmen helfen können

Prämenstruelles Syndrom

Etwa 20 bis 40 Prozent aller Mädchen und Frauen im gebärfähigen Alter haben mehr oder weniger ausgeprägte PMS-Beschwerden, die sie im Alltag spürbar belasten. Dr. Wulf Gebhard erklärt, was dahintersteckt und was an den Tagen vor der Menstruation Linderung verschaffen kann.

Als Prämenstruelles Syndrom (PMS) bezeichnet man eine Kombination aus körperlichen und psychischen Beschwerden, die wenige Stunden bis zu zehn Tage vor der Menstruation einsetzen und einige Stunden nach Beginn der Periode wieder verschwinden. Voraussetzung für das Auftreten des PMS ist dabei immer, dass ein natürlicher Zyklus stattfindet. Bei jeder Art der hormonellen Verhütung (Pille, Verhütungspflaster, Verhütungsring oder Drei-Monats-Spritze) kann ein PMS nicht vorkommen. Nach dem Ausbleiben der Periode in der Postmenopause gibt es ebenfalls kein PMS mehr.

Welche Beschwerden verursacht das Prämenstruelle Syndrom (PMS)?

Es können eine Vielzahl (über 150) unspezifischer körperlicher und psychischer Beschwerden auftreten. Die meisten dieser Symptome kennt man auch im Zusammenhang mit anderen hormonellen Einflüssen, zum Beispiel bei einer Schwangerschaft oder einer Hormonbehandlung. Charakteristisch für das PMS ist jedoch das Auftreten ausschließlich vor der Menstruation.

Körperliche Beschwerden:

  • Brustschmerzen und Spannungsgefühl durch Brustschwellung
  • Wassereinlagerungen in den Beinen
  • Kopfschmerzen/Migräne
  • Spannungs- und Völlegefühl im Unterbauch
  • Verdauungsprobleme
  • Hautunreinheiten
  • Gewichtszunahme
  • Rückenschmerzen
  • Hitzewallungen

Psychische Beschwerden:

  • Heißhungerattacken
  • Gereiztheit
  • Stimmungsschwankungen
  • Konzentrationsschwierigkeiten
  • Energiemangel oder Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • emotionale Überempfindlichkeit
  • sozialer Rückzug

Wie sieht die Diagnosestellung aus?

Da es sich beim PMS um ein vielfältiges Beschwerdebild handelt, das von Frau zu Frau sehr unterschiedlich sein kann, empfiehlt sich das Führen eines Tagebuchs über mindestens drei Zyklen. In diesem Tagebuch sollten die auftretenden Beschwerden in Abhängigkeit von der Zyklusphase vermerkt werden. Da auch genetische Faktoren eine Rolle zu spielen scheinen, ist die Kenntnis der Familienanamnese hilfreich. Anhand dieser Informationen ist es dem Frauenarzt oder der Frauenärztin möglich, die Diagnose zu stellen und einen Eindruck über den Schweregrad der Ausprägung zu gewinnen. Obwohl hormonelle Ursachen für das PMS wahrscheinlich sind, helfen Laboruntersuchungen in den meisten Fällen bei der Diagnosefindung nicht weiter.

Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen beim PMS zur Verfügung?

PMS kann schwierig zu behandeln sein. Es gibt bisher keine Therapie, die bei allen Frauen gleich gut wirksam ist. Nur wenige Patientinnen werden durch eine einzelne Methode vollständig geheilt. Somit sind Geduld und empirische Therapieversuche notwendig.

Viele Frauen mit PMS erleben dieses Beschwerdebild von Beginn ihrer Periode an und haben gelernt, ohne größere Probleme damit umzugehen. Sie wissen, dass es sich um einen begrenzten Zeitraum im Monat handelt und keine ernsthaften Folgeschäden dadurch verursacht werden. Bewährt haben sich gerade in dieser Zeit ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, körperlicher Bewegung und gesunder Ernährung. Von entscheidender Bedeutung ist hierbei der Verzicht auf Alkohol und Nikotin, eine salzarme Kost und nicht zu viele Kohlehydrate. Hilfreich sind auch Entspannungsübungen, Yoga oder Meditation.

Pflanzliche Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel haben inzwischen einen festen Platz im Spektrum medikamentöser Behandlungsmöglichkeiten gewonnen. In wissenschaftlichen Studien gibt es Hinweise darauf, dass Calcium, Vitamin B6 und Magnesium eine lindernde Wirkung auf die Beschwerden haben können. Zu Mönchspfeffer, Johanniskraut, Safran und Ginkgo biloba liegen ebenfalls ermutigende Ergebnisse vor. Sinnvoll ist es auf jeden Fall, einmal einen Versuch damit zu unternehmen. Es ist dabei wichtig, die Dosierungs- und Anwendungsempfehlungen sowie die Kontraindikationen auch bei solchen Präparaten zu beachten.

Da es sich bei dem Prämenstruellen Syndrom um ein streng zyklusabhängig auftretendes Beschwerdebild handelt, stellt auch eine hormonelle Verhütung oder eine hormonelle Zyklusregulierung eine Behandlungsmöglichkeit dar. Hierdurch finden dann all jene Veränderungen, die als Ursache für das PMS verantwortlich gemacht werden, nicht mehr statt. Vorzuziehen wäre eine niedrig dosierte Pille mit der Kombination aus Östrogen und dem Gestagen Drosperinon, das leicht entwässernd wirkt. Selbstverständlich sind auch hierbei die bekannten Kontraindikationen, insbesondere eine erhöhte Thromboseneigung zu beachten. Stehen Brustschmerzen (Mastodynie) als Hauptsymptom im Vordergrund, bietet sich die Behandlung mit einem in Deutschland zugelassenen progesteronhaltigen Gel an. Auch ein Versuch mit einem vaginal angewandten Gestagenzäpfchen kann unternommen werden.

Ob eine kognitive Verhaltenstherapie (KVT) Frauen mit PMS helfen kann, ihre Beschwerden besser zu bewältigen, ist noch unklar. Bisher fehlen aussagekräftige Studien, um diese Fragen zu beantworten. Bei einer KVT geht es vor allem darum, nachteilige Denkmuster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern. Ein Ziel dabei ist es, mit den Belastungen durch das PMS so umgehen zu können, dass der Alltag besser gemeistert werden kann.

Wann muss sogar an ein Prämenstruelles Dysphorisches Syndrom (PMDS) gedacht werden?

Treten regelmäßig mindestens fünf der genannten PMS-Symptome in ausgeprägter Form auf, so dass es zu einer nachhaltigen Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens kommt, spricht man bei diesem komplexen Beschwerdebild von einer Prämenstruellen Dysphorischen Störung (PMDS). Die Stimmung ist merklich gedrückt, und es wird über Angst, Reizbarkeit und emotionale Labilität geklagt. Sogar Selbstmordgedanken können vorhanden sein. Das Interesse an täglichen Aktivitäten ist stark verringert. Im Gegensatz zum PMS ist die Symptomatik beim PMDS so stark, dass der Tagesablauf und/oder der Allgemeinzustand beeinträchtigt sind. Obwohl das PMDS sehr belastend ist, wird es oft nicht oder erst sehr spät diagnostiziert. Dieses Störungsbild ist seit dem Jahr 2000 als eigenständige Erkrankung anerkannt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten stehen beim PMDS zur Verfügung?

Ergeben sich aus der Anamnese und den in dem Tagebuch aufgezeichneten zyklusabhängigen Beschwerden Hinweise darauf, dass es sich um eine Prämenstruelle Dysphorische Störung handelt, müssen weitergehende Therapieschritte von fachärztlicher Seite erwogen werden. Klinische Untersuchungen haben gezeigt, dass Frauen in diesen „Tagen vor den Tagen“ deutlich erniedrigte Serotoninspiegel aufweisen. Serotonin ist eine Substanz, die Nervenzellen dabei unterstützt, untereinander zu kommunizieren. Es ist Voraussetzung für ein ausgeglichenes Stimmungsbild. Die Befunde deuten darauf hin, dass beim PMDS eine depressive Komponente eine Rolle spielt. Die therapeutischen Möglichkeiten reichen dann von einer Behandlung mit Antidepressiva (Fluoxetin, Paroxetin oder Sertralin) evtl. kombiniert mit Schmerzmitteln der NSAR-Gruppe (nicht steroidale Antiphlogistika) bis letztlich zur vollständigen Blockade der körpereigenen Östrogen-und Progesteronproduktion durch Depotspritzen, die vorübergehend eine postmenopausale (wie nach den Wechseljahren) Hormonsituation herbeiführen. Dies stellt allerdings einen schwerwiegenden Eingriff in die natürlichen Abläufe des weiblichen Organismus dar, der sehr sorgfältig abgewogen werden muss.

Kann ich selbst etwas tun?
Wie immer bei Beschwerden, gegen die es keine schnelle und vollständige Heilung gibt, so ist es beim PMS ratsam, sich auch selbst mit den diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten zu beschäftigen. Empfehlenswert ist auch die Einbindung des Partners und das Ausloten eigener Verbesserungsmöglichkeiten.

DR. WULF GEBHARD ist Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe und war bis 2017 in einer Gemeinschaftspraxis in Völklingen niedergelassen. Selbst versucht er sich durch gesunde Ernährung, Sport und Yoga fit zu halten.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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