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Prostatakarzinom

Was kommt auf Patienten zu?

Prostatakarzinom

Mit rund 25 Prozent aller diagnostizierten Krebserkrankungen ist das Prostatakarzinom die häufigste Krebserkrankung des Mannes in Deutschland. Jährlich erkranken laut RKI hierzulande etwa 60.000 Männer neu an diesem Tumor.

Bei den tödlich verlaufenden Tumorerkrankungen bei Männern steht das Prostatakarzinom mit 11,3 Prozent in Deutschland an zweiter Stelle, bei der Betrachtung aller Todesursachen mit 3,1 Prozent an sechster Stelle (Daten des RKI und Statistischen Bundesamtes). In Deutschland sterben pro Jahr etwa 12.000 Patienten an den Folgen eines Prostatakarzinoms. Im Frühstadium, wenn sich das Karzinom noch innerhalb der Prostata befindet und noch keine Metastasen vorliegen, ist das Prostatakarzinom heilbar (5-Jahresüberlebensrate über 90%).

Welche Risikofaktoren gibt es?

Bei unter 40-jährigen kommt Prostatakrebs fast gar nicht vor. Das durchschnittliche Erkrankungsalter liegt heute bei 69 Jahren. Außer dem Lebensalter lässt sich auch eine familiäre Veranlagung für das Auftreten von Prostata-Krebs beobachten. Männer, deren Brüder und/oder Väter an einem Prostatakarzinom erkrankt sind oder waren, haben ein zweifach erhöhtes Risiko, im Laufe ihres Lebens ein Prostatakarzinom zu entwickeln.

Körperliche Aktivität und ein gesundes Gewicht gehören zu allgemeingültigen, präventiven Empfehlungen der amerikanischen Krebsgesellschaft.

Kann man etwas zur Vorbeugung tun?

Spezielle Präventionsstrategien im Hinblick auf die Entwicklung eines Prostatakarzinoms existieren nicht. Zu erwähnen sind allgemeingültige Empfehlungen der amerikanischen Krebsgesellschaft, die auch Aspekte der Prävention anderer Erkrankungen, wie z. B. Herz-Kreislauf-Erkrankungen umfassen. Die vier Hauptempfehlungen der amerikanischen Leitlinie lauten:

a. Streben Sie ein gesundes Gewicht an.
b. Seien Sie körperlich aktiv.
c. Achten Sie auf eine gesunde Ernährung mit Schwerpunkt auf pflanzlichen Produkten.
d. Reduzieren Sie Ihren Alkoholkonsum.

Ab wann sollte eine Untersuchung zur Früherkennung durchgeführt werden?

Männer, die mindestens 45 Jahre alt sind, sollten über die Möglichkeit einer Früherkennung von Prostatakrebs informiert werden. Ab diesem Lebensalter wird die Untersuchung von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert. Bei Männern mit erhöhtem Risiko für ein Prostatakarzinom kann diese Altersgrenze um fünf Jahre vorverlegt werden.
Die grundlegende Untersuchung zur Früherkennung von Prostatakrebs ist eine rektale Tastuntersuchung (als Kassenleistung). Ergänzend besteht die Möglichkeit eines Bluttests (PSA-Test als Selbstzahler-Leistung). Dieser Test weist im Blut das prostataspezifische Antigen (PSA) nach. Ein erhöhter PSA-Wert kann auf Krebs hindeuten, aber auch andere Ursachen haben.
Bevor man sich entscheidet, an einer Früherkennungsuntersuchung auf Prostatakrebs teilzunehmen, sollte man den Nutzen einer Untersuchung gegen die Risiken abwägen: Früherkennung kann Todesfälle durch Prostatakrebs verhindern. Gleichzeitig werden durch eine frühere Erkennung auch Karzinome entdeckt, die ohne einen Test möglicherweise zu Lebzeiten nicht auffällig geworden wären. Nicht alle Männer, die im Laufe ihres Lebens ein Prostatakarzinom entwickeln, müssen mit einer turmorbedingten Einschränkung ihrer Lebenserwartung oder Lebensqualität rechnen. Dies ist ein bekanntes Phänomen. Autopsiestudien haben schon vor Jahrzehnten gezeigt, dass die Zahl der „Karzinomträger“ höher ist als die Zahl derer, die an einem Prostatakarzinom erkranken oder versterben. Das tumorspezifische Überleben der Patienten mit Tumoren des niedrigen Risikoprofils ist auch ohne definitive Intervention sehr hoch. Der Sinn der Vorsorgeuntersuchung besteht auch darin, Tumore mit einem hohen Risikoprofil für das Überleben der Patienten zu identifizieren.

Männer ab 45 sollten sich über die Möglichkeit einer Früherkennung von Prostatakrebs informieren. Ab diesem Lebensalter wird die Untersuchung von den gesetzlichen Krankenkassen finanziert.

Wie wird die Diagnose Prostatakarzinom gestellt?

Gesichert werden kann ein Prostatakarzinom nur durch die Biopsie der Prostata und durch histologischen Nachweis eines Karzinoms innerhalb der entnommenen Gewebsproben. Im Rahmen der Früherkennung soll eine Prostatabiopsie bei Vorliegen von mindestens einem der folgenden Kriterien empfohlen werden:
a. PSA-Wert von ≥ 4 ng/ml bei 2 Kontrollen unter Berücksichtigung von Einflussfaktoren
b. karzinomverdächtiges Ergebnis bei der digital-rektalen Untersuchung

Als zusätzliches diagnostisches Verfahren vor einer Biopsie wird zunehmend ein multiparametrisches MRT (mMRT) der Prostata mit Bestimmung verdächtiger Herde anhand sogenannter PIRADS-Scores empfohlen. Da die mMRT nicht Teil der Routinediagnostik ist, wird die Leistung derzeit noch nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen.
Die Stanzbiopsie der Prostata soll unter transrektal-sonographischer Kontrolle erfolgen. Dabei sollen mindestens 10–12 Proben seitengetrennt entnommen werden.
Bei histologischem Nachweis eines Prostatakarzinoms wird der Patient in eine Risikogruppe eingeteilt, die die Basis für die spätere Therapie darstellt. Dabei werden die Parameter PSA-Wert, Gleason-Score (bestimmt der Pathologe aus der Biopsie) und lokales Tumorwachstum bzw. Vorliegen von Metastasen (wird durch bildgebende Verfahren wie CT, MRT und Knochenszintigramm bestimmt) berücksichtigt.

Welche Therapiemöglichkeiten bestehen beim Prostatakarzinom?

Wurde die Diagnose Prostata-Krebs gestellt, gibt es verschiedene Möglichkeiten, diesen zu behandeln. Die Wahl der Therapie hängt dann u. a. vom Tumorstadium und der Aggressivität des Tumors ab, sowie von individuellen Parametern des Betroffenen wie Alter, Begleiterkrankungen und persönlichen Vorstellungen über die Art der Therapie. Wenn ein Tumor bereits gestreut hat, ist eine Heilung nicht mehr möglich. Ziel der Behandlung ist dann, das Tumorwachstum zu verzögern, möglichen Komplikationen (z. B. Knochenbrüchen) vorzubeugen und Beschwerden (z. B. Schmerzen) zu lindern. Für die Behandlung fortgeschrittener Tumorstadien stehen, nach Abwägung von Vor- und Nachteilen, dann die Hormontherapie (ggf. in Kombination mit Chemotherapie) sowie weitere Medikamente zur Verfügung.

Lokal begrenztes Prostatakarzinom
Patienten mit einem lokal begrenzten Karzinom sollen über das Konzept einer zeitnahen lokalen Therapie mit kurativer (heilender) Intention aufgeklärt werden. Außerdem über das Konzept der „Aktiven Überwachung“ (Active Surveillance) sowie über die Möglichkeiten des „abwartenden Verhaltens“ (langfristige Beobachtung) und der „sekundären symptomorientierten Therapie“ (Watchful Waiting). Die Entscheidung zur jeweiligen Therapieoption hängt vom Risikoprofil des Karzinomes und den Ergebnissen der medizinischen Untersuchungen ab.
Nichtkurative – eher palliative – Strategien sind Watchful Waiting und Androgendeprivation (Hormontherapie mit Absenken der männlichen Geschlechtshormone) sowie medikamentöse, operative und Bestrahlungsmaßnahmen zur Symptomvorbeugung und -behandlung.
Folgende Faktoren sind bei der Entscheidung über die Therapie ausschlaggebend und vom behandelnden Arzt zu beachten:
• die Wünsche des Patienten;
• die eingeschränkte Lebenserwartung durch Alter oder zusätzliche Erkrankungen
• Liegt eine Erkrankung mit hohem Progressionsrisiko vor?

Patienten, für die eine kurative Therapie in Frage kommt, sollte vor der Therapieentscheidung angeboten werden, sowohl von einem Urologen als auch von einem Strahlentherapeuten über die Vor- und Nachteile der radikalen Prostatektomie (Entfernung der Prostata) und der Strahlentherapie aufgeklärt zu werden.
Unter gewissen Voraussetzungen (z.B. bei niedrigem Risikoprofil) kommt auch zunächst die Wahl einer Strategie der „Aktiven Überwachung“ in Betracht.

Die radikale Prostatektomie und die perkutane Strahlentherapie sind primäre Therapieoptionen für Patienten mit klinisch lokal begrenztem Prostatakarzinom aller Risikogruppen.

Für Patienten mit einem lokal begrenzten Prostatakarzinom, die eine kurative Therapie oder eine abwartende Haltung ablehnen, ist eine hormonablative Therapie nach ausführlicher Aufklärung eine weitere Möglichkeit.

Welche Therapiefolgen können auftreten?

Der Patient muss vor einer kurativen Therapie über die möglichen posttherapeutischen Funktionsstörungen hingewiesen werden, für die eine fachspezifische Rehabilitation angeboten werden soll.
Mögliche Therapiefolgen nach Prostatektomie und Strahlentherapie können Funktionsstörungen von Blase und Darm, erektile Dysfunktion sowie Einschränkungen der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit sein.

Prostatakarzinom mit Metastasen

Liegen bereits Metastasen vor, ist nach derzeitigem Wissensstand eine Heilung nicht möglich. Basistherapie in diesen Fällen ist die „Hormonentzugstherapie“. Potentielle Nebenwirkungen dieser Therapie sind Libidoverlust, erektile Dysfunktion, Hitzewallungen, Gynäkomastie (Brustschwellung), Zunahme des Körperfetts, Muskelabbau und Reduktion der Knochendichte.
Die Möglichkeiten der kombinierten Hormon-/Chemotherapie bzw. die Kombination der Hormonentzugstherapie mit modernen Antiandrogenen haben die Behandlung des Prostatakarzinoms mit Metastasen bei Erstdiagnose in den letzten Jahren deutlich verbessert.

Verliert die Hormonentzugstherapie ihre Wirksamkeit, stehen für die weitere Behandlung verschiedene Optionen zur Verfügung, mit denen eine Lebensverlängerung bzw. Symptomkontrolle erreicht werden kann (Chemotherapie, andere Antiandrogene, radiologische oder nuklearmedizinische Methoden).

PROF. DR. MED. HARRY DEROUET ist mit zwei Kollegen in einer urologischen Gemeinschaftspraxis in Neunkirchen/Saar niedergelassen. Seit 2001 ist er außerplanmäßiger Professor der Universität des Saarlandes. Weitere Informationen unter www.urologie-neunkirchen.de

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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