Lädt...
arrow-down arrow-left arrow-right arrow-top search arrow-thin-right arrow-thin-left chevron-thin-down chevron-thin-up email instagram facebook youtube twitter remove quote www

Schwindel

Was tun, wenn sich alles dreht?

Schwindel

Schwindel ist eine wichtige Schutzfunktion des Körpers und kann sich unterschiedlich äußern. Meist ist er harmlos, doch es gibt auch krankhafte Verläufe. Neurologe Dr. Hans-Thomas Eder klärt auf über die Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

Schwindelgefühle werden sehr unterschiedlich erlebt. Oft ist es eine Benommenheit, ein Leeregefühl im Kopf, ein Gefühl der Gang- und Standunsicherheit, eine Scheinbewegung, wie bei einer Liftfahrt oder wie auf dem Karussell. Schwindel ist ein Regulativ zum Erhalt des Gleichgewichts beim aufrechten Gang. Dazu verfügt der Mensch über ein ausgeklügeltes System, das Informationen des Gleichgewichtsorgans, der Augen und Ohren und der Körperfühlbahnen im Gehirn zusammenführt. Stimmen die Informationen aus den unterschiedlichen Systemen nicht überein, wird Schwindel ausgelöst. Dies geschieht z. B. bei Turbulenzen in einem Flugzeug, wo die Augen keine Bewegung signalisieren, das Gleichgewichtsorgan aber eine solche wahrnimmt. Auch wenn eine der erwähnten Komponenten anfällig, gestört oder ausgefallen ist, empfinden wir Schwindel. Dabei können Übelkeit, Erbrechen und – in seltenen Fällen – auch eine Ohnmacht auftreten.

Welche Schwindelformen gibt es?

Der Schwindel wird nach Auslösung und Form unterschieden.

Ist zum Beispiel bei einem Schlaganfall das Gehirn betroffen, ist der Schwindel Ausdruck dieser Erkrankung, also ein Krankheitssymptom, und damit als krankhaft einzustufen.

Ist auf einem schwankenden Schiff bei einem Ungeübten das Gleichgewichtsorgan überfordert, warnt uns der Schwindel vor einer bevorstehenden Übelkeit. Hier kommt dem Schwindel eine Schutzfunktion zu.

Fahren wir Achterbahn, genießen wir dieselbe Überforderung als Adrenalinkick. Hier wirkt der Schwindel als sogenanntes Enhancement, d. h. als Anregung.

Stehen wir auf einem hohen Turm, haben viele Menschen das Gefühl zu stürzen. Diesen Höhenschwindel bezeichnet man als physiologischen Schutzschwindel.

Haben wir einen Schwips, fühlen wir uns unbeschwert und genießen den leichten Schwindel als anregend.

Daraus ergibt sich, dass Schwindel zum Leben dazugehört und dass er sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Es ist also die Aufgabe jedes einzelnen, den krankhaften vom nicht krankhaften Schwindel zu unterscheiden.

Der physiologische Schwindel erscheint als „Reisekrankheit“ oder Kinetose (Bewegungsschwindel) und als Höhenschwindel.

Der krankhafte Schwindel erscheint als Drehschwindel im Rahmen einer Vestibulopathie, oder eines Morbus Meniere, als Schwankschwindel im Rahmen von Durchblutungsstörungen des Gehirns, als phobischer (ängstlicher) Schwindel, als unsystematischer Schwindel, Ohnmachtsgefühl (Präkollapsgefühl) und Lagerungsschwindel.

Hinter dem unsystematischen Schwindel verbergen sich meist andere Erkrankungen wie Depressionen und Ängste, sowie körperliche Überlastungen mit Blutdruckreaktionen, Pulsveränderungen, aber auch als Medikamentennebenwirkungen und bei Vergiftungen, wie z. B. durch Alkohol.

Die Schonung des Gleichgewichtssinns erzeugt Schwindel. Andererseits kann man Gleichgewicht so trainieren, dass der Schwindel nachlässt.

Wodurch wird Schwindel verstärkt oder abgeschwächt?

Kompliziert wird der Schwindel dadurch, dass er sich durch Überbeobachtung oder Schonung verstärken kann, d.h. die Schonung des Gleichgewichtssinns erzeugt Schwindel. Andererseits kann ich Gleichgewicht so trainieren, dass der Schwindel nachlässt, z. B. bei Seefahrern oder Seiltänzern.

Das gilt sowohl für den Bewegungsschwindel als auch für den Kreislaufschwindel. Liege ich z. B. wegen eines Infekts tagelang im Bett, muss sich der Kreislauf beim Wiederaufstehen zunächst wieder an die aufrechte Haltung anpassen, und der Schwindel macht einen vorsichtig.

Wie kann der Arzt den Schwindel richtig zuordnen?

Schwindel und Gleichgewichtsstörungen sind sehr häufig beklagte Beschwerden in der Arztpraxis. Dabei ist die möglichst genaue Beschreibung des Schwindels besonders wichtig. Durch eine zutreffende Beschreibung des Schwindels, insbesondere dessen Erscheinungsform und Auftreten, der möglichen Ursachen und Begleiterscheinungen und die Auflistung der bestehenden Erkrankungen und eingenommenen Medikamente lässt sich bereits eine meist zutreffende Diagnose stellen. Dadurch ist oft schon ohne aufwändige Untersuchung mit weitgehender Sicherheit der Schwindel als krankhaft oder ungefährlich einzustufen. Gegebenenfalls gehört dann eine körperliche Untersuchung des neurologischen, hals-nasen-ohrenärztlichen, orthopädischen und internistischen Befundes zur Sicherung der Diagnose. Selten sind Zusatzuntersuchungen des Labors, EKGs oder EEGs oder eine Bildgebung des Kopfes durch CCT oder NMR notwendig.

Wann ist Schwindel krankhaft?
Wenn das Schwindelgefühl ohne äußeren Auslöser auftritt oder viel zu stark im Verhältnis zum Auslöser ist, spricht man von einem krankhaften oder pathologischen Schwindel. Dem pathologischen Schwindel liegen innere Ursachen zugrunde. Dazu zählen:

  • Krankheiten oder Verletzungen des Gleichgewichtsorgans im Ohr (vestibuläre Krankheiten)
  • Krankheiten oder Verletzungen außerhalb des Gleichgewichtsorgans (nicht-vestibuläre Krankheiten)
  • psychische Erkrankungen oder schwere psychische Probleme (psychogener Schwindel)

Als Symptom einer Erkrankung und weil er die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigt, bedarf der pathologische Schwindel der medizinischen und psychologischen Behandlung.

Was kann ich gegen Schwindel tun?

Das hängt zunächst davon ab, ob es sich um krankhaften oder physiologischen Schwindel handelt. Bei krankhaftem Schwindel muss die Grundkrankheit behandelt werden. Zusätzlich ist aber manchmal eine Therapie zur Linderung des Schwindelgefühls notwendig. Die Behandlung kann medikamentös erfolgen, aber auch Training und Entspannung können helfen. Zudem kann eine Kombination aus allem wirkungsvoll sein. Eine Behandlung des krankhaften Schwindels ist immer notwendig, da er zu gravierenden Folgeschäden führen kann, z. B. zu einem Sturz mit Verletzungen.

Ein gutartiger oder physiologischer Schwindel sollte behandelt werden, wenn er zu Einschränkungen des Wohlbefindens oder der Selbständigkeit führt. Medikamente sind einerseits für die Grunderkrankung notwendig, andererseits auch zusätzlich zur Symptombekämpfung. Sie sollten nur zeitlich begrenzt gegeben werden. Entspannung hilft nicht nur zur Entkrampfung der Muskulatur, sondern auch zur Stressvermeidung und Verminderung der Anspannung, die oft Mitauslöser oder Verstärker von Schwindel ist.

Schwindel, wenn er kein Anzeichen einer Erkrankung ist, lässt sich darüber hinaus gut durch Training vermindern. Generelle Grundvoraussetzung für ein schwindelarmes Leben sind ein ausreichendes Kreislauftraining und eine gute körperliche Fitness.

Was bewirkt Schwindeltraining und ist es für mich geeignet?

Das Training hilft unter Berücksichtigung von Grunderkrankungen immer. Je nach Vorschädigung muss es mit entsprechender Einschränkung durchgeführt werden, z. B. im Sitzen bei Standunsicherheit. Für einzelne Krankheiten gibt es ganz spezielle Übungen, z. B. beim gutartigen Lagerungsschwindel das Eplay Manöver oder die sogenannte paradoxe Übung.-

Schwindel ist neben seiner Doppeldeutigkeit als Betrug auch in unserer Sprache verwurzelt, um unangenehme Empfindungen zu beschreiben: Den Boden unter den Füßen verlieren! Wir bewegen uns auf schwankendem Boden. Mir schwindelt. Gedanken sind flüchtig, sprunghaft. Schwindelerregende Ereignisse. Ich habe einen Drehwurm. Oder auch: Ich ruhe fest und sicher in meiner eigenen Mitte.

Übungsanleitungen für Patienten mit Schwindel

Mit gezielten Übungen können Sie selbst aktiv etwas gegen Ihre Schwindelbeschwerden tun.
Hier geht's zum Download!

DR. MED. HANS-THOMAS EDER ist Facharzt für Neurologie, Psychiatrie sowie Psychotherapie und seit 1992 in eigener Facharztpraxis niedergelassen. Er ist Mitglied in DGPPN, DGN, BVDN sowie in der Gutachtenkommission für Fragen der ärztlichen Haftpflicht und Facharztprüfer bei der Ärztekammer des Saarlandes.

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

Hier geht‘s zum Angebot der KV Saarland.