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So schützen Sie sich vor Hitze

Dr. Jutta Dick verrät, wie Sie sich vor Überhitzung schützen.

So schützen Sie sich vor Hitze

In den letzten Jahren erleben wir im Sommer vermehrt große Hitzewellen. Besonders für kleine Kinder und ältere Menschen können hohe Temperaturen belastend sein. Dr. Jutta Dick verrät, wie Sie sich vor Überhitzung schützen.

Durch den Klimawandel steigt seit einigen Jahren die sommerliche Durchschnittstemperatur, und die Zahl der Hitzetage nimmt in unseren Breiten zu. Oft bringen auch die Nächte keine richtige Abkühlung mehr; kühlende Niederschläge bleiben aus. Gerade in den Städten oder dichtbesiedelten Gebieten heizt sich die Luft auf den Asphalt- und Betonflächen stark auf, insbesondere wenn Grünflächen oder Belüftungsschneisen fehlen.

In südlichen Ländern sind sowohl die Bauweise als auch die Lebensweise der Menschen an hohe Temperaturen angepasst. Die Straßen sind oft schmal und schattig, Bürgersteige unter Arkaden ermöglichen den Fußgängern das Passieren im Schatten. Wohnungen und öffentliche Räume sind weniger nach Süden ausgerichtet; Klimaanlagen sind weiter verbreitet als bei uns. Mittags gibt es eine längere Siesta; das Leben spielt sich oft erst in den kühleren Abendstunden ab. Zudem tragen die Menschen lange weite Kleidung, die vor Sonne schützt und die Verdunstung des Schweißes begünstigt. Die Menschen in diesen Regionen sind an höhere Temperaturen und längere Hitzeperioden gewöhnt, aber auch sie haben Probleme bei extremer Hitze.

In südlichen Ländern ist die Bauweise an hohe Temperaturen angepasst; Wohnungen sind weniger nach Süden ausgerichtet.

Was bedeuten steigende Temperaturen für unseren Körper?

Unser Körper hat eine „Betriebstemperatur“ von ca. 37 °C, die er recht genau einhält. Diese Temperatur ist erforderlich für die optimale Funktion des Stoffwechsels und der Muskeltätigkeit. Bei Abkühlung reduziert unser Körper den Wärmeabfluss durch Verengung der Blutgefäße in der Haut und Konzentration der Durchblutung auf die lebenswichtigen Organe Herz, Nieren und Gehirn. Bei Infektionen erzeugt der Körper selbst Wärme, um Krankheitserreger zu bekämpfen, die meist hitzeempfindlich sind. Ein Temperaturanstieg bis auf maximal 41,5 °C ist für unseren Körper noch tolerabel; eine darüberhinausgehende Temperaturerhöhung ist lebensbedrohlich bzw. nicht mehr mit dem Leben vereinbar, da dann körpereigene Eiweiße zerstört werden.

Die Temperaturregulation erfolgt im Gehirn im sogenannten Hypothalamus oder Zwischenhirn. Das eigentliche Thermostat unseres Körpers sitzt allerdings im Stammhirn. Von dort werden entsprechende Meldungen an das Zwischenhirn abgegeben. Das Zwischenhirn aktiviert dann je nach Erfordernis thermoregulatorische Prozesse. Um überschüssige Wärme abzuleiten, weitet der Körper die Blutgefäße und die Durchblutung der Haut nimmt zu, erkennbar an der Rötung und Erwärmung der Haut. Ein wichtiger Faktor zur Temperaturregulation ist das Schwitzen.

Wie funktioniert die Temperaturregulation durch Schwitzen?

Die Schweißdrüsen produzieren täglich – ohne körperliche Aktivität – 100 bis 200 ml Schweiß. Bei Anstrengung kann der Körper die Schweißproduktion auf bis zu 10 bis 14 Liter steigern! Während der Schweiß auf der Haut verdunstet, entsteht Verdunstungskälte, die den Körper abkühlt. Die Wärmeabgabe durch Schweiß ist unabhängig von der Außentemperatur. Sie ist allerdings umso höher, je mehr Wind herrscht. Dieses Phänomen kennt man auch vom sogenannten „Windchill“: Je höher die Windgeschwindigkeit ist, desto eher gleicht sich die Oberflächentemperatur der Außentemperatur an.
Die Schweißproduktion wird reguliert vom vegetativen Nervensystem. Der Sympathikus hat allgemein aktivierende Wirkungen und fördert u. a. die Schweißproduktion, der Parasympathikus wirkt gegensätzlich.

Was passiert, wenn ich nicht genug trinke?

Zum Schwitzen braucht der Körper natürlich Flüssigkeit. Deswegen ist es wichtig, ausreichend zu trinken. Je mehr man schwitzt, desto mehr muss man trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Da der Schweiß auch Salze enthält, reicht nicht alleine der Flüssigkeitsersatz. Auch verlorene Mineralien müssen ersetzt werden.

Wird der Flüssigkeits- und Salzverlust nicht ausgeglichen durch entsprechende Zufuhr von außen, kommt es zu einer Abnahme des Blutvolumens im Kreislauf. Dies führt zur Hitzeerschöpfung. Folge davon kann ein Kreislaufversagen sein. Die kritische Grenze liegt etwa bei einem Wasserverlust von 12 % des Körpergewichts.

Die Symptome einer Hitzeerschöpfung sind Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit. Die Haut ist zuerst gerötet, dann blass und feucht. Der Puls ist schnell, der Blutdruck niedrig, die Atmung schnell und flach. Ein unzureichender Flüssigkeitsersatz erhöht auch das Risiko für eine Thrombose oder die Bildung von Nierensteinen

Welche gesundheitlichen Auswirkungen kann die Hitze noch haben?


Ein Hitzekollaps ist eine Fehlfunktion des Kreislaufs mit kurzer Bewusstlosigkeit aufgrund einer hitzebedingten Erweiterung der Blutgefäße. Um die Wärmeabgabe über die Haut zu verstärken, erweitern sich Blutgefäße in der Peripherie des Körpers. Dies führt zu einer massiven Umverteilung des Blutvolumens in diese Bereiche; das Blut „versackt“ dort. Das Herz bekommt nun nicht mehr genug Blut angeboten, um es weiter zu pumpen. Der Blutdruck sinkt stark, das Gehirn bekommt nicht genügend Blut und es kommt dadurch zu einer meist nur kurz andauernden Bewusstlosigkeit.

Risikofaktoren hierbei sind vor allem Alkoholgenuss sowie längeres Stehen, vor allem in größeren Menschenmengen. Symptom ist meistens nur eine plötzlich einsetzende Bewusstlosigkeit. Warnzeichen können Schwindel, Schwächegefühl, Übelkeit und Erbrechen sein.

Bei dem lebensgefährlichen Hitzschlag steigt zusätzlich die Körpertemperatur auf über 40 °C Diese akute Überhitzung des Körpers führt zu einem Hirnödem. Symptome sind eine Körpertemperatur wie bei sehr hohem Fieber, Krämpfe, Ausbleiben der Schweißabsonderung durch akuten Wassermangel und Bewusstseinstrübung, die wie Müdigkeit und Schlaf erscheinen kann. Es kann zur Hirnschädigung kommen. Ursachen sind häufig eine körperliche Überanstrengung bei feuchter Hitze oder der Aufenthalt in überhitzten, geschlossenen Räumen.

Was tun, wenn es zu einem Hitzekollaps oder Hitzschlag gekommen ist?

Generell gilt: Lagerung in einem kühlen, gut durchlüfteten Raum, kühle Getränke, längere Ruhepause. Bei schweren Verläufen sollte unbedingt ein Arzt hinzugezogen werden!

Was kann man zur Vorbeugung gegen hitzebedingte gesundheitliche Probleme tun?

Insbesondere Kinder, gesundheitlich Angeschlagene und ältere Menschen sollten längere Aufenthalte in der Sonne oder in überhitzten Räumen meiden. Sinnvoll ist, sich vor allem in den Mittagsstunden im Haus aufzuhalten, in einem möglichst vor Sonneneinstrahlung geschützten Raum oder evtl. im Freien im Schatten von Bäumen. Die Wohnung sollte man morgens und abends gut durchlüften und tagsüber Fenster und Türen geschlossen halten. Sinnvoll ist Sonnenschutz durch geschlossene Rollläden, Markisen, Jalousien oder speziell beschichtete Vorhänge, die das Sonnenlicht reflektieren. Ventilatoren reduzieren zwar nicht die Temperatur, fördern aber die Bildung von Verdunstungskälte beim Schwitzen. Außerdem bläst der Ventilator die den Körper umgebende wärmere Luftschicht weg und fördert damit die Abkühlung des Körpers.

Klimageräte oder Klimaanlagen sollten nicht zu kalt eingestellt sein, damit der Unterschied zwischen dem klimatisierten Raum und der Außenluft nicht zu groß ist.

Auf anstrengende Tätigkeiten sollte man bei Hitze möglichst verzichten oder sie zumindest auf die kühleren Morgen- oder Abendstunden verlegen.

Unterstützend kann es hilfreich sein, die Unterarme und die Füße bzw. Unterschenkel immer wieder mit kaltem Wasser abzukühlen (Fuß- oder Armbäder, kaltes Abbrausen o. Ä.). Solche Kneipp-Anwendungen tun gut und unterstützen den Körper bei der Temperaturregulation.

Den Kopf sollte man möglichst vor direkter Sonne schützen, beispielsweise durch Bevorzugung von Schatten und geeignete Kopfbedeckungen. Um dem Körper die Temperaturregulation zu erleichtern, sollte man möglichst lockere, helle Kleidung aus Fasern, die den Schweiß gut aufnehmen, tragen. Besonders geeignet ist Kleidung aus Baumwolle, Leinen, Seide oder modernen Mikrofasern.

Es empfiehlt sich, Leichtverdauliches zu essen: Salate, frisches Obst, kalte Suppen, fettarme Gerichte. Speisen können durchaus kräftig gewürzt sein und nicht unbedingt salzarm, um die Mineralienverluste beim Schwitzen auszugleichen. Enorm wichtig ist es, ausreichend zu trinken! Je nach Ausmaß des Schwitzens und der körperlichen Aktivität können das durchaus mehrere Liter pro Tag sein.

Wie sehe ich, wieviel ich trinken muss?

Eine sehr gute Orientierungshilfe ist die Farbe des Urins. Je dunkler der Urin ist, desto konzentrierter ist er und desto weniger Flüssigkeit steht dem Körper zur Ausscheidung zur Verfügung. Ziel sollte ein hellgelber, fast geruchsloser Urin sein. Richtschnur kann sein, 200 bis 300 ml pro Stunde zu trinken. Da viele – insbesondere ältere – Menschen kein Durstgefühl haben, ist es oft besser, sich Tagesrationen bereitzustellen.

Welche Getränke sind zu empfehlen?

Gut geeignet sind Mineralwasser, Tee (je nach Geschmack Kräutertee, Früchtetee, grüner Tee oder schwarzer Tee), Saftschorlen, Smoothies, evtl. auch Buttermilch, Mango-Lassi (indisches Joghurt-Getränk) oder Ähnliches. Die Getränke sollten nicht oder wenig gesüßt sein, nicht eisgekühlt, sondern eher lauwarm. Auch Kaffee ist möglich; abzuraten ist von Alkohol!

Da der Schweiß viel Salz enthält, sind auch leicht gesalzene Gemüse- und Rinderbrühe als Flüssigkeitsersatz sinnvoll. Ein Teil des Flüssigkeitsbedarfs kann auch gedeckt werden durch wasserhaltige Lebensmittel wie Wassermelone oder Gurke.

DR. JUTTA DICK ist Allgemeinärztin im saarländischen Wallerfangen. Sie verfügt über die Zusatzausbildungen Ernährungsmedizin und Naturheilverfahren. Sie ist Vorsitzende des Arztnetzes GENESA. Mehr Informationen finden Sie auf Dr. Jutta Dicks Homepage www.dick-dutt.de

Dieser Beitrag ist im Rahmen der Gesundheitskooperation zwischen der Kassenärztlichen Vereinigung Saarland und Globus entstanden. Zu jedem 15. des Monats finden Sie in unserem ­mio-Online-Magazin einen aktuellen Beitrag rund ums Thema Gesundheit.

Weitere Gesundheitsinformationen finden Sie direkt bei der Kassenärztlichen Vereinigung:

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