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Klasse in der Tasse

Wie ein Blatt die Welt erobert – ein Tee-Exkurs

Klasse in der Tasse

Er ist Wachmacher, Wärmespender, Seelenschmeichler und Durstlöscher zugleich: Tee ist mit einer jährlichen Weltproduktion von 5,8 Millionen Tonnen das populärste Getränk der Erde. mio erzählt die spannende Geschichte des beliebten Heißgetränks und gibt wertvolle Tipps für den richtigen Genuss.

Sage und schreibe 137 000 Tassen Tee werden jede Sekunde auf der Welt getrunken. Ob zur Belebung, zur Entspannung, als Zeichen der Gastfreundschaft oder einfach aus Lust am Genuss: Tee ist eines der ältesten Kulturgüter der Menschheit. Der chinesische Kaiser Shennong soll vor rund 5 000 Jahren den Tee entdeckt haben – wie so oft in der Geschichte durch einen Zufall. Beim Rasten während einer Reise sollen dem Kaiser Blätter eines wilden Teestrauchs in seine Schale mit heißem Wasser gefallen sein. Da das Getränk einen köstlichen Duft verströmte, kostete er davon und ließ sich seitdem die Blätter dieses Strauchs zu seinem Trinkwasser hinzufügen.

In Indien ist wiederum die Legende verbreitet, dass ein Fakir, der sich sieben Jahre ohne Schlaf dem buddhistischen Glauben hingeben wollte, seine Müdigkeit durch Tee überwinden konnte. Er steckte sich die Blätter eines Strauchs, unter dem er zusammengesunken war, in den Mund und durch das Kauen gelang es ihm, wach zu bleiben. Und auch Japan erreichte das wohltuende Getränk. Vor allem in den Gärten der Zen-Klöster wurden eigener Tee angebaut und Teezeremonien praktiziert. Schon zu Beginn des dritten Jahrhunderts vor Christus gibt es schriftliche Aufzeichnungen darüber, dass Tee als Arznei- und Heilmittel verwendet wurde.

Grüner, Weißer, Oolong- und Schwarzer Tee entstehen durch die unterschiedlichen Fermentationsgrade:

Beim grünen Tee erfolgt keine Fermentation. Bei der traditionellen Herstellung lässt man den Tee nach der Ernte nur kurz welken und trocknet ihn dann in Eisenpfannen oder per Dampf. Weißer Tee wird so genannt, weil die feinen Härchen an den Blattknospen dem getrockneten Tee eine weiß-silbrig schimmernde Farbe geben. Oolong-Tee wird teilweise fermentiert. Der Prozess wird beim Erreichen des gewünschten Fermentationsgrades durch Erhitzen gestoppt. Beim schwarzen Tee findet eine vollständige Fermentation statt. Der Fermentationsprozess wird jedoch nicht gestoppt, sondern erst nach längerer Zeit wird der Tee fertig getrocknet.

Ob Chai Latte, Matcha-Tee-Eis, Tee-Cocktails, Tee-Smoothies oder über Schwarzteeblättern geräucherte Jakobsmuscheln – der Vielfalt sind kaum
Grenzen gesetzt.

Wie ein Blatt die Welt erobert

Unabhängig davon, wer den Tee entdeckte, gelangte er erst vor gut 400 Jahren nach Europa. Außerdem waren es entgegen vieler Vermutungen nicht die Engländer, sondern die Niederländer, die die ersten japanischen und chinesischen Sorten nach Europa, genauer nach Amsterdam, brachten. Erst Mitte des 17. Jahrhunderts kam der Tee durch die Mitgift der portugiesischen Prinzessin Katharina von Braganza, die mit dem englischen König Charles II. verheiratet wurde, nach Großbritannien. Zu dieser Zeit war das Getränk wegen des aufwendigen Seewegs von den Anbaugebieten bis zu den Zielorten ein besonders teures und seltenes Genussmittel. Doch nachdem auch Handelsrouten auf dem Landweg erschlossen waren, breitete sich seine Beliebtheit nach und nach vom königlichen Hof auf die anderen Bevölkerungsschichten aus. 1706 wurde in London das erste öffentliche Teehaus Europas eröffnet, es galt als schick, in literarischen Salons Tee zu genießen und zum Tee einzuladen. Mitte des 17. Jahrhunderts kamen die Blätter über Holland nach Ostfriesland, wo sich eine besondere Teekultur entwickelte, die die Deutsche UNESCO-Kommission auf die Liste des immateriellen Kulturerbes gesetzt hat.

Anbau, Ernte und Verarbeitung

Tee wird aus dem Aufguss der Pflanzen Camellia sinensis und Camellia assamica gewonnen, genauer gesagt aus den je nach Sorte fermentierten Blättern und Blattknospen. Es dauert vier bis fünf Jahre, bis nach dem Einpflanzen erstmals vom Teestrauch gepflückt werden kann, darauf kann er aber bis zu 100 Jahre abgeerntet werden. Ein aufwendiges Unterfangen: Denn um die größtmögliche Qualität zu gewährleisten, werden die Teeblätter sehr jung und fast ausschließlich von Hand gepflückt. Dabei gilt die Regel: „two leaves and the bud“, also die beiden jüngsten Blätter und die Blattknospe. Eine geschickte Pflückerin erntet am Tag 20 bis 30 Kilo Blätter. Das ergibt ungefähr fünf bis sechs Kilo Tee. Wegen des intensiven Arbeitsaufwandes macht die Ernte fast die Hälfte der Herstellungskosten von Tee aus.

Teurer Genuss: Für eine kleine Kanne „Ceylon Golden Tips“ aus Sri Lanka zahlt man in einem Londoner Hotel stolze 585 Euro.

Drei Tipps für den Teegenuss

Von Kyra Schaper, Sprecherin des Deutschen Teeverbands

WIE LAGERT MAN TEE AM BESTEN?

Tee hält sich am besten, wenn er dunkel und kühl gelagert wird. So können Sie ihn problemlos zwei Jahre aufbewahren. Wenn ätherische Öle, wie zum Beispiel in Pfefferminztee, enthalten sind, sollten Sie ihn nicht direkt neben Schwarztee lagern, weil die Öle auf diesen übergehen können.

WIE LANGE SOLLTE MAN TEE ZIEHEN LASSEN?

Prinzipiell gilt beim Teegenuss: Jeder wie er mag. Der Deutsche Teeverband und die Wirtschaftsvereinigung Kräuter- und Früchtetees empfehlen aber, Schwarztee in der Tasse zwei bis drei Minuten, Grüntee eine bis drei Minuten und Früchtetee mindestens fünf Minuten ziehen zu lassen. Aufgießen sollten Sie den Tee mit 100 Grad heißem sprudelnden Wasser. Nur bei Grüntee sollte das Wasser nach dem Aufkochen fünf Minuten auf etwa 80 Grad herunterkühlen, bevor der Tee aufgegossen wird.

STIMMT ES, DASS DAS KOFFEIN IM TEE SANFTER AUF DEN KÖRPER WIRKT ALS BEI KAFFEE?

Tatsächlich wirkt der gleiche Stoff in Tee und Kaffee. Das Wort Teein gebraucht man heute nicht mehr. Allerdings bewirkt das Koffein in Tee eine mildere Anregung, die länger anhält, weil der Wirkstoff an Gerbstoffe gebunden ist und der Organismus das Koffein nicht vollständig aufnehmen kann. Bei einer längeren Ziehzeit lösen sich auch mehr Gerbstoffe – dadurch wird der Tee zwar bitterer, aber wirkt weniger belebend als kurz gezogener Tee.

Teerituale aus der ganzen Welt

Nicht nur Espresso und Co.: In Italien hat Kamillentee eine lange Tradition. Vor allem nach dem Essen und vor dem Schlafengehen wird er getrunken.

Mate ist der unverzichtbare Wachmacher der Argentinier. Getrunken wird der koffeinhaltige Kräutertee aus einer Kalebasse mit einem Trinkrohr namens Bombilla. Das Getränk wird weitergereicht und vom Gastgeber so oft aufgefüllt, bis die Blätter verbraucht sind.

Weltmeister im Teetrinken sind die Ostfriesen mit ihrer sogenannten Teetied. Der Tee wird über ein Stück Kandiszucker gegossen, Sahne dazugegeben und bloß nicht umgerührt. Denn das dreifache Geschmackserlebnis soll erhalten bleiben.